Wackelzahn-Pubertät

Es war uns schon seit einigen Wochen aufgefallen, das Kind hatte mit heftigen Wutanfällen zu kämpfen, dazu kamen Zeiten totaler Frustration.

Laute Musik aus dem Kinderzimmer, knallende Türen, fliegende Gegenstände, zerschnittene Klamotten und nette Sprüche wie: „Ich ziehe aus!“ „Ich weiß es aber besser!“ oder „Ich esse nie wieder etwas!“

Hinweis: Türen ohne Häuschendichtung aus den 60er-Jahren knallen besonders gut.

Erstaunlich laut, die kleine Kiste.

Wir bemühten uns möglichst gelassen damit umzugehen, manchmal war es einfach nur lustig, was jetzt nicht wirklich geholfen hat. Wir wollen seine Wut ja schon ernst nehmen. Auf die Idee, dass wir damit aktuell nicht alleine stehen, sind wir gar nicht gekommen, bis ich einen Blogartikel las, der eben genau diese Probleme auch beschreibt. Scheint also ganz normal zu sein, macht die Sache für beide Seiten zwar nicht einfacher, schafft bei uns aber etwas mehr Verständnis.

Die Wackelzahn-Pubertät benennt den Zeitraum zwischen dem Verlust des ersten Milchzahns (bei uns Mitte Mai) und der Einschulung. Fachlich korrekt nennt man das wohl „Autonomie-Phase“, es gibt aber auch den Begriff, der „Sechs-Jahres-Krise“, was sich für mich aber dann doch zu sehr an den „Siebenjährigen-Krieg“ erinnert. Daher finde ich „Wackelzahn“- oder „Zahnlücken-Puberät“ wirklich passend als Ausdruck gewählt.

Ein wichtiger neuer Lebensabschnitt steht bevor, die Kinder merken das und werden ja auch mantraartig daran erinnert, der Welpenschutz verfliegt mit den kindlichen Gesichtszügen, es werden immer mehr Regeln.

Die Kinder wollen selbstständiger werden, müssen es aber auch, wollen aber auch noch mal auf den Schoß, auf den sie ja eigentlich nicht mehr passen, dann wieder ist jede Nähe zu viel.

Auch diese Phase werden wir bewältigen, wie immer, vermutlich geht es noch schlimmer, denn unser Kind hatte ja schon immer viele Regeln und die „strengsten Eltern“ weit und breit.

Zumindest sehen unsere Freunde das so.

Der Sohn wohl auch:

„Nichts darf ich – IHR dürft ALLES!“

Vermutlich wird es für Kinder, die mehr Freiheiten gewohnt sind, mit dem Schuleintritt komplizierter, wir hoffen, dass es dann für uns eher einfacher wird.

Diese Vorschul-Pubertät kann einem Angst machen, aus das, was dann in ca. 10 Jahren ansteht. Ein Pädagoge würde vermutlich nun sagen:

„Wenn Kinder heftig vor-pubertieren, dann wird es bei der richtigen Pubertät einfacher.“

Ich persönlich glaube das übrigens im Leben nicht.

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