Urodynamik und Botox für die Blase, zweite Runde

Wie unterschiedlich kann die gleiche ärztliche / medizinische Untersuchung oder Behandlung sein, wenn diese von verschiedenen Personen durchgeführt wird?

Die Antwort darauf lautet: Ja.

Meine erste Video-Urodynamik war eine recht schmerzhafte Angelegenheit, nicht nur die Untersuchung, sondern auch noch eine Weile danach, gleiches gilt für die Zystoskopie und auch die erste Botox-Behandlung.

Alle diese Untersuchungen wurden in einer Speziel-Klinik gemacht, da nimmt man doch an, dass die das können, oder?

Mittlerweile führe ich seit beinahe sechs Monaten mehrfach am Tag den sogenannten intermittierenden Selbst-Katheterrismus durch, kurz „ISK“ genannt. Ich habe damit wenig Schwierigkeiten und kenne nun die Unterschiede von Kathetern sehr genau, was Material, Beschichtung, Spitze und Handhabung angeht. Für mich war daher klar: Mir führt niemand mehr einen Katheter ein, wenn ich bei Bewusstsein bin, noch entfernt irgendjemand den, das mache ich in jeden Fall nun selber.

Behandlungsstuhl Urologie

Als es daher zur Kontroll-Untersuchung erneut in die Klinik ging, fragte ich nach, ob ich das Legen der Mess-Katheter selber erledigen kann, dies wurde bejaht, wenn auch damit kommentiert, das dies eher ungewöhnlich ist. Aber meine Erwartungen wurden voll erfüllt, denn ich hatte weder dabei noch danach Schmerzen oder Probleme mit Blutungen wie beim ersten Mal. Die Ergebnisse der UDM sahen soweit ganz gut aus, die Botox-Wirkung ließ zwar bereits merklich nach, erfüllte aber noch seinen Zweck.
Im Gespräch erfuhr ich nebenbei, dass der Arzt, der mir so viele Schmerzen verursacht hat, nicht mehr dort arbeitet. Das war zum einen zwar eine gute Nachricht, zum anderen hatte ich mich mit ihm gerade, nach einigen heftigen „Diskussionen“ auf einen „Status Quo“ geeinigt, erfreulicherweise gelang mir dies bei seiner Chefin erheblich schneller, nachdem die Oberärztin anfangs mit mir wie mit einem Kind geredet hatte. Ich hatte ihr kurzerhand die von mir bearbeiteten Fachartikel auf Englisch zu dem Thema POTS und Blasen- sowie Nierenfunktionsstörungen in die Hand gedrückt. Da wurde ihr wohl schnell klar, dass ich wohl doch schon groß bin.

Meine Streitgespräche mit dem Arzt hatten wohl auf der Abteilung die Runde gemacht, aber meine Befürchtungen, dass sich dies negativ auswirken würde, bestätigten sich nicht. Ganz im Gegenteil, alle waren unglaublich nett.

Vermutlich werde ich aber so bald nicht mehr diese Abteilung der Klinik besuchen müssen, denn ich hatte bereits entschieden, die nächsten Botox-Injektionen in die Blase nur mit lokaler Betäubung bei meiner Urologin machen zu lassen. Eine erneute Behandlung mit einem „starren Gerät“ kam für mich nach dem persönlichen Horror der Zystoskopie und der starken Nachblutungen und einer vergleichbaren Erfahrung nach der Botox-Behandlung in Vollnarkose in keinem Fall in Frage. Die Urologin in meiner Praxis hatte mir versichert, dies mit einem flexiblen Zystoskop machen zu können, dies erschien mir die für mich bessere Lösung zu sein, auch wenn in der Klinik davor gewarnt wurde, denn die Behandlung würde ja sonst nicht ohne Grund in Vollnarkose durchgeführt.

Da das Krankenhaus, trotz zahlreicher Vorgespräche, nicht in der Lage war, mich glutenfrei zu versorgen, habe ich wirklich keine Lust auf einen längeren Aufenthalt. Die schlechte Organisation führte dazu, dass ich praktisch 24 Stunden nichts zu essen bekam. Ein Armutszeugnis für die Klinik, zum Glück hatte ich zumindest ein kleines Backup dabei.

Ein weiterer Punkt, der für mich gegen eine Behandlung in der Klinik sprach war, dass ich nach der Vollnarkose den ganzen Tag einen mittelschweren Crash hatte. So nennt man es, wenn eine Belastung des Körpers bei Myalgischer Enzephalomyelitis (ME) anschließend zu totaler Erschöpfung führt. Ich konnte an dem Tag weder lesen, noch mein Handy halten und kaum die Augen auf machen, was auch an dem hellen Licht im Zimmer lag, die Geräuschkulisse konnte ich ebenfalls kaum ertragen. Darauf verzichte ich gerne. Dass bekannterweise Kliniken mit ME Patienten nicht gut umgehen können tut sein übriges.

Vapro Pocket Katheter

Zwei Wochen später hatte ich dann den Termin zur Behandlung mit Botox bei meiner Urologin in der Praxis. Es war ein recht kleiner Behandlungsraum in dem kaum mehr Platz war, als für den Gynäkologie-Stuhl und zwei Hocker. Die Urologin fragte mich vorher, ob ich die Katheter einführen möchte, denn ich könne das ja nun wohl gut genug. Das Angebot nahm ich gerne an und verwendete dafür einen meiner eigenen Katheter, über den dann auch das Betäubungsmittel in die Blase gespritzt wurde. Das ging alles völlig problemlos.
Nach einigen Minuten Einwirkzeit des Betäubungsmittels ging es dann los, die Ärztin führte das flexible Zystoskop ein und war schon in der Blase, bevor ich überhaupt was gespürt habe. Ich war wirklich überrascht.
Auch das Setzen der ca. 20 Einstiche mit Botox merkte ich kaum, nur ein einziges Mal zwickte es. Die ganze Prozedur dauerte nur wenige Minuten, dann konnte ich wieder nach Hause fahren.

Es tat mir nichts weh, es blutete kein Stück, auch später nicht.

Ich war völlig baff, das hatte mit meinen Erfahrungen im Krankenhaus nun rein gar nichts zu tun. Beide Vorgänge zu vergleichen ist kaum möglich, dabei handelt es sich um gleichartige Behandlungen, am ehesten könnte man sagen, es ist wie der Vergleich zweier Blutabnahmen:

Das eine Mal als Aderlass mit Rasierklinge in ein offenes Gefäß, das andere Mal mit moderner Spritze.

Ich hatte den Eindruck, dass auch meine Urologin etwas überrascht war, ich vermute sie hatte nach meinen Erzählungen einen ängstlichen Patienten erwartet, der bei jedem Pieks anfängt zu schreien.

Das Gegenteil trifft eher zu. Von meinem ersten Neurologen hörte ich damals den Satz, dass ich wohl leicht masochistisch veranlagt wäre, denn immer wenn er mir sehr weh täte, würde ich anfangen zu lachen. Ich betrachte mich nicht als Masochisten, ganz sicher sogar nicht, aber ich halte über Schmerzen zu lachen besser, als deswegen zu Schreien. Davon abgesehen habe ich jeden Tag Schmerzen, das ist schließlich die Definition von chronisch. Die Frage ist eigentlich jeden Tag nur „wo?“ und „kann ich mich bewegen?“.

Wer POTS hat, hat auch zumeist chronische Kopfschmerzen, dazu Myalgie-Schmerzen, zumeist in Schulter, Nacken und Oberarmen, oft kann ich vor Schmerzen keine Tasse festhalten. Was soll ich machen? Jeden Tag schreien?
Man akzeptiert es und macht irgendwie weiter so gut es eben geht. Meine Bandscheiben-Vorfälle nerven mich auch jeden Tag, ist halt so. Die Polyneuropathie lässt meine Füße und Hände oft brennen, die Fingerkuppen fühlen sich manchmal so an, als würde jemand Zahnstocher unter die Fingernägel rammen. Ist scheiße, echt. Wenn ich also einem Arzt sage, dass etwas sehr weh tut, kann ich das zumeist ohne eine Mine zu verziehen. Oft wird das daher nicht so ganz ernst genommen, denn andere würden schlicht vor Schmerzen schreien.

Das HyperPOTS hat damit durchaus auch etwas zu tun, denn der Adrenalin-Spiegel ist praktisch permanent erhöht, der Körper befindet sich andauernd im Kampf- oder Fluchtmodus. Betäubungen erzielen bei Patienten mit POTS oft nicht den gewünschten Erfolg, was z.B. dazu führte, dass die Naht am Frenulum nach meiner Zirkumcision zum Schluss praktisch ohne Betäubung genäht wurde.

Ja, das tat wirklich weh. Ich habe laut gelacht.

Schmerzen sind immer sehr individuell, aber wenn ich Angst vor Schmerzen hätte, wären Judo und BJJ wohl die falschen Sportarten für mich. 😉

Fighting chronic Illness is like getting caught i a good choke – at some point there is only acceptance. Meme for BJJ, Judo and chronic Illness.

 

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