Trotz bis Rotz, die Trotzphase hat es in sich.

Heute war wieder einer dieser Tage, die eigentlich super anfangen und dann irgendwie kippen. Mein Sohn war trotzig, mein Tageskind auch. Beide haben sich miteinander verbündet, um die Bude mal wieder so richtig auf links zu drehen. Die haben total am Rad gedreht und einen Unfug nach dem anderen angestellt. Ich kam nicht mehr hinterher, als ich gerade einen Putzlappen aus der Küche holte, hörte ich aus dem Wohnzimmer ein dumpfes Rums.

Das kurz darauf folgende Geschrei war eindeutig, mein Sohn hatte sich richtig weh getan. So wie es aussah, hatte er vom Sofa einen Köpper ohne Arme auf den Couchtisch gemacht. Seine rechte Gesichtshälfte wird nun vermutlich sehr blau. Mein Tageskind wurde mir am Montag mir einer ganz ähnlichen Blessur vorbei gebracht. Ich möchte lieber nicht die Gedanken der Mütter lesen, denen ich heute mit den beiden begegnet bin.

Als wir dann endlich draußen waren, kam uns auf dem Feldweg ein Radfahrer entgegen. Ich rief meinen Sohn zu mir. Er kam nicht. Als Konsequenz musste er fortan an der Hand gehen, was bei ihm zu einem heftigem Wutanfall führte. Er warf sich auf den Boden, trampelte mit den Füßen und brüllte alles zusammen.

In der Ausbildung zur Kindertagespflegeperson haben wir gelernt, dass man in so einer Situation nicht weggehen soll, nicht mit Gewalt das Kind zum Weitergehen zwingen soll, nicht brüllen soll, sondern einfach ( HAHAHA! ) nur daneben abwarten soll, bis der Anfall vorbei ist.

Das habe ich gemacht.

15 Minuten lang.

Dann habe ich ihn doch hochgehoben und im Kinderwagen angeschnallt. So viel Geduld hatte ich heute irgendwie nicht mehr, davon abgesehen war er bereits eiskalt und nass und ihm lief der Rotz in Strömen aus der Nase. Das ist vermutlich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Mein aktuelles Tageskind war heute auch sehr bockig, was sich aber bei ihm in sturer Ruhe auswirkt und in einer Art Sitzstreik endet. Dabei wird man zumindest nicht seltsam angesehen und alle meinen, wie lieb der dann doch ist. Nein, ist er nicht, er hat genauso wenig gehört, wie mein Sohn, aber unserer macht eben die bessere Show.

Jetzt liegen beide völlig fertig im Bett, Widerstand ist anstrengend.

 

Ich möchte viele Dinge nicht:

Ich möchte nicht, dass unser Sohn mit dem Bobbycar gegen die Türen und Fenster fährt.

Ich möchte auch nicht, dass er das Essen auf den Boden wirft oder spuckt.

Auch möchte ich nicht, dass er anderen Kindern ihre Sachen wegnimmt, oder permanent auf dem Spielplatz nach Essen schnorrt, als würden wir ihn zuhause verhungern lassen.

Das ist aber alles nicht so wichtig, es gibt andere,  elementare Dinge, die ich nicht will:

Ich möchte nicht unter uns wohnen müssen.

Ich möchte nicht allein erziehend sein.

Und zuletzt, ganz wichtig:

Ich möchte nicht, dass meine Erziehung dazu führt, dass mein Sohn in der Schule beim Sport immer als letzter in die Mannschaft gewählt wird. Ich kann mich gut daran erinnern und es war echt blöd.

Ergänzend möchte ich auch nicht, dass mein Sohn sich nicht wehrt, wenn man ihn schubst, haut, oder schlägt. Meine Mutter hat mir immer strikt verboten zurück zu hauen, was dazu geführt hat, das ich regelmäßig in der Schule verprügelt und gehänselt worden bin. Dabei war ich den anderen Kindern durchaus nicht körperlich unterlegen. Vermutlich habe ich mich deshalb, als ich volljährig war, im Vollkontakt-Kampfsport ausgelebt. Heute schlägt mich keiner mehr, zumindest nicht ungestraft.

Die Folgen seiner Erziehung zu erahnen ist vermutlich nicht wirklich möglich, aber ich will zumindest einige Dinge verhindern, die mir mein Leben in der Schule manchmal zu Hölle gemacht haben. Das sollte zu schaffen sein. Dafür werde ich vermutlich eine andere Quittung bekommen, ich sehe das unser Sohn irgendwie gedanklich schon, in nicht zu ferner Zukunft, einem super gefährlichen Extremsport nachgehen.

2 Gedanken zu „Trotz bis Rotz, die Trotzphase hat es in sich.#8220;

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