Instrumental aggressive Handlung

Der zweite Teil meiner Ausbildung zur qualifizierten Kindertagespflegeperson (zertifizierter Tagesvater/ Tagesmutter) ist erheblich anspruchsvoller, als der erste Teil. Genaugenommen hängt die Qualität der Ausbildung zum Großteil von einem selber ab, denn Noten gibt es nicht. Ob man im Kurs etwas mündlich beiträgt, oder nicht, ändert rein gar nichts. Ob ich die Unterlagen zu Hause noch einmal durcharbeite, oder eben nicht, interessiert bisher niemanden. Das Gleiche gilt für ergänzende Literatur, also Bücher, die sich mit Pädagogik beschäftigen.

Netterweise kann man viele Bücher bei unserer Dozentin leihen, das spart viel Geld und erspart so manchen Fehlkauf. Nicht alle Bücher sind meinem Geschmack und meinem Anspruch nach passend. Viele sind auf dem Niveau für Grundschulkinder und damit meine ich nicht die pädagogische Zielgruppe.

Ich musste da letztens an meinen Deutsch-Unterricht in der Berufschule denken, die ich nach dem Abitur besuchte. Ich hatte Deutsch als fünftes Abifach und Geschichte als LK, was auch wie Deutsch ist, nur ohne Goethe. Für die erste Stunde mussten wir ein Heftchen zur neuen, deutschen Rechtschreibung kaufen, mit dem Titel: “Ich bin ein Delphin oder ein Delfin?”

Kein Satz in diesem “Unterrichtsmaterial” war länger als Subjekt-Prädikat-Objekt.
Ungefähr auf diesem Niveau ist ein Drittel der Bücher, die uns im Kurs empfohlen werden. Ein weiteres Drittel wendet sich an “Laien”, also Eltern, diese Bücher sind teilweise recht gut. Es gibt aber auch einige Bücher, die wurden für Sozialpädagogen und Kinderpsychiater geschrieben. Davon habe ich gerade einige hier, das ist wirklich harter Stoff.

Das Lesen macht da nur bedingt Spaß.

Spannend wird es dann, wenn man einige Beispiele für Verhaltensweisen aus den Büchern gerade bei seinem eigenem Kind beobachten kann. Als wir am Dienstag in der Krabbelgruppe waren, hatte unser Kind noch seinen Beißring an der Jacke, er bekommt gerade einen Eckzahn. Diesen Beißring fand ein anderer Junge total spannend und griff nach diesem, da hing ja aber noch mein Sohn dran. Der schaute sich das einen Moment lang an, zog ebenfalls an der Kette für den Ring und als dies keinen Erfolg bracht, denn der andere Junge ist gleichalt, gleich schwer und motorisch gleich fit, schubste der Sohn ihn einfach um. Voila! Das nennt man eine instrumental aggressive Handlung.

Daran merkt man, dass die Ausbildung doch ihre Spuren hinterlässt.

Kinder bis zu einem Alter von 16-18 Monaten zeigen noch keine beabsichtigte Aggressivität, um einen anderen Menschen zu verletzen. Die Aggressivität der Handlung ist vorher immer Objektbezogen (instrumental), wenn andere Kinder dabei in Mitleidenschaft gezogen werden, ist dies ein echter Kollateralschaden. Der Sohn ist also kein Anhänger der lustvollen Aggression, sondern wollte nur den Beißring behalten. Die Entwicklung dieses Verhaltens ist auf das größere Autonomiebedürfnis zurück zu führen, ab dem Alter von 8-12 Monaten vergrößern die Kinder Explorationsradius und werden deutlich expansiver. Damit steigt leider meist auch die Anzahl der Verbote.

Verbote erhöhen die Frustration, das kennt wohl jeder.

20 Minuten

Bisher ist im Bereich “Tagesvater” auf dieser Homepage, in der Rubrik “Pädagogisches Konzept”, noch nicht viel Inhalt zu finden. Das hat einen guten Grund, denn die pädagogische Ausbildung startet erst im Modul 2 meiner Ausbildung zur Kindertagespflegeperson. Der erste Abend für den zweiten Teil fand diese Woche Montag statt, am anderen Ende von Neuss.

Es ist eine komplett neue Gruppe, alle haben den Teil 1 bereits abgeschlossen, das heißt alle Teilnehmer haben bereits die Berechtigung eine Pflegeerlaubnis zu beantragen. Wie im ersten Kurs, habe ich auch diesmal auf Anhieb nur wenige der anwesenden Tagesmütter für meinen eigenen Sohn als passend eingestuft. Irgendwie erschreckend. Ich bin übrigens wieder der einzige Mann in der Forbildung. Aber kommen wir zum eigentlichen Thema.

Unsere Dozentin fragte in die Runde, wie lange wir uns für einen durchschnittlichen “Wickelvorgang” Zeit nehmen würden, bzw. sollten. Ich beantwortete diese Frage mit: “2-3 Minuten, wenn ich es drauf anlege, schaffe ich es auch deutlich unter einer Minute, genauer gesagt in 38 Sekunden.”  “Sie haben die Zeit gestoppt?” Kam entrüstet das Kommentar von links. “Ja, sagte ich, klar, ich bin ein Mann.” Das war eigentlich ein Witz, fand aber irgendwie gar keiner lustig. Die Dozentin sah mich mitleidig an und sammelte weitere Zeitangaben ein. Als sie jedoch sagte: “Ein durchschnittlicher Wickelvorgang sollte 20 Minuten dauern“, muss in meinem Gesicht das Entsetzen gestanden haben. Weiterlesen

Aus der Ausbildung zum Tagesvater

An die Alltags-Diskriminierung, vorzugsweise von älteren Damen, in der Art: “Oh, hat Sie die Mutti heute alleine einkaufen geschickt?”, habe ich mich inzwischen längst gewöhnt. Das macht mir wirklich gar nichts mehr aus. Wenn es allerdings um offizielle Verlautbarungen geht, zum Beispiel von Politikern, dann sehe ich das Ganze völlig anders. Das ärgert mich, sogar ziemlich. Überall wird so getan, als wüsste man nicht, warum so wenige Männer zu Hause “Carearbeit” übernehmen, dabei liegt es oft auch an der Ansprache.

Frauen haben für die Gleichberichtigung vor dem Gesetz und im Beruf lange gekämpft und tun es noch. Männer in “Frauenberufen” haben aber keine Lobby, ganz im Gegenteil, hier kämpft niemand.

Gestern ging es in die zweite Runde meiner Ausbildung zum Tagesvater (Kindertagespflegeperson). Im zweiten Teil geht es dabei verstärkt um Pädagogik, unser Thema war “Bindung, ein wichtiges Konzept für die Kindertagespflege”, das Unterrichtsmaterial stammte aus dem DJI-Curriculum “Qualifizierung in der Kindertagespflege”, Kallmeyer 2008, 2. Auflage.

Als ich den Text las, fiel mir anhand der Formulierungen beinahe die Kinnlade auf den Tisch. Hier ein paar Beispiele: Weiterlesen

Kaffee-Kränzchen beim Jugendamt

Gestern war ich auf einer Informationsveranstaltung des für meinen Wohnort zuständigen Jugendamtes zum Thema “Qualifizierungskurs zur Tagesmutter oder zum Tagesvater”. Ein Kaffee-Kränzchen war es also streng genommen nicht, auch wenn es, zu meinem Glück, Kaffee und Plätzchen gab. Ohne Kaffee halte ich zur Zeit keine zwei Stunden durch, hoffentlich schläft Piet bald ein wenig länger.

“Jede Tagespflegeperson, die ein Kind mehr als 15 Stunden wöchentlich oder länger als drei Monate betreut, benötigt eine Pflegeerlaubnis, die die zuständigen Fachberater des Jugendamtes erteilen.
Voraussetzungen dafür sind u.a. ein Qualifizierungskurs für Kindertagespfleger und ein Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kinder.” Stadtverwaltung Neuss

Dass ich überhaupt auf einer solchen Veranstaltung gelandet bin, habe ich einem Freund zu verdanken, der mir erzählte, dass Tagesväter dringend gesucht werden. Wir kamen darauf, weil ich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit meinen alten Job und auch meinen alten Beruf mit dem Ende der Elternzeit nicht weiter sinnvoll wahrnehmen kann. Also suche ich schon jetzt nach Alternativen, denn Kinderbetreuung kostet ja auch Geld, das erst verdient sein möchte.

An diesem Vormittag waren fünf potenzielle Tagesmütter und Tagesväter anwesend, einschließlich mir, sowie drei Damen vom Jugendamt. Also sieben Frauen und ich. 🙂 Weiterlesen