Bruises happen

"unser" Spielplatz

„unser“ Spielplatz

Heute Abend auf dem Spielplatz war erstaunlich wenig los, es könnte an den 32 c° gelegen haben. Die meisten Kinder (und Eltern) die auf unseren Haus- und Hof-Kinderspielplatz erscheinen, kenne ich ganz gut, aber es kommen natürlich immer mal wieder neue Gesichter nach.

Eine Mutter hatte ich bereits öfters gesehen, ihr älterer Sohn erinnerte mich mächtig an Piet. Er ist immer unterwegs, erkundungsfreudig und willensstark. Diese Tatsache hat natürlich Nebenwirkungen, die ich zur Genüge kenne, für diese Mutter aber offenbar noch neu waren. Ihr gut 12 Monate alter Sohn saß friedlich auf einer Parkbank, schaute zu seinen Füßen und verlor das Gleichgewicht, alle drei Eltern (inkl. mir), die in unmittelbarar Nähe saßen, konnten den Fall nicht mehr verhindern.

Das Kind fing sich zwar ab, aber die Wucht war noch zu groß, das Ergebnis war eine Beule am Kopf. Die erste Beule dieser Art ist schlimm, sehr schlimm, ein wenig auch für das Kind. 🙂

Der Junge beruhigte sich schneller als die Mutter, die bereits gedanklich auf dem Weg in das nächste Krankenhaus war. Ich holte flott ein Coolpack, das aber, wie immer eigentlich, überflüssig war, denn die Kinder schreien dann nur noch umso mehr.

Faustregel und Verhaltensweisen beim Fall auf den Kopf: Weiterlesen

Helikopter-Eltern = Helikopter-Papa?

Als ich heute auf sueddeutsche.de in einem Artikel den Begriff „Helikopter-Eltern“ las, dachte ich zuerst an etwas ganz anderes, als die offenbar richtige Definition. Als ehemaliger Produktmanager für ferngesteuerte Hubschrauber wäre die Bezeichnung „Helikopter-Papa“ ja durchaus passend gewesen.  Mit Helikopter-Eltern (Helicopter-Parents) ist aber etwas völlig anderes gemeint, etwas, das ich hoffentlich nie machen werde:

„Der Begriff Helikopter-Eltern stammt aus den USA und steht für besonders übervorsichtige Mütter und Väter, die ihre Kinder am liebsten rund um die Uhr bewachen und kontrollieren würden, ihnen nichts mehr zutrauen und aus Sorge um das kindliche Wohlergehen nur noch um den Nachwuchs kreisen – ähnlich wie ein Polizeihelikopter im Film über mutmaßlichen Verdächtigen. Helikopter-Eltern organisieren den kompletten Alltag der Kinder im Glauben, sie auf diese Weise am besten zu fördern.“ t-online.de

Wenn ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz gehe, nehme ich immer ein Buch mit. Das Kind meldet sich schon, wenn er Wert auf meine direkte Anwesenheit legt. Auch tagsüber in der Wohnung wird er nur von mir bespaßt, wenn er darum bittet. Bei Gelegenheiten, wenn unser Kind auf andere Eltern trifft, sind immer alle total überrascht, wie erkundungsfreudig er ist und wie gut er sich alleine beschäftigen kann. Dafür braucht er auch kein spezielles Spielzeug, er ist durchaus schon kreativ. Er ist extrem neugierig und untersucht zurzeit wirklich alles, ja alles, ganz genau. Mein Vorgehen verstößt vielleicht für einige indirekt gegen den pädagogischen Auftrag zur Förderung der Kinder, der für Kindertagespflegepersonen (Tagesvater) sehr wichtig und verpflichtend ist.

Die Frage ist aber eben, wie fördere ich Kinder am besten?

„Der Druck zu fördern hat längst die Kleinkindpädagogik erreicht. Die aktuellen Orientierungs- oder Bildungspläne für Kindertagesstätten werden es Erziehern erschweren, freies und ungestörtes Spiel einzuräumen.“ t-online.de

Ich bin Verfechter des kalkulierten Risikos und des freien Spiels.

Freies Spiel fördert die Kreativität. Kinder müssen probieren dürfen und können, nur wenn es wirklich bedenklich wird, stehe ich an ihrer Seite, oder verhindere Schlimmeres. Die Vorstellung, jeden Schritt meines Sohnes zu überwachen, ihn nie aus den Augen zu lassen, finde ich nicht erstrebenswert. Oft beobachte ich ihn, ohne, dass er es merkt. Wenn er die Treppe hochkrabbeln will, darf er das, dabei stehe ich dann aber tatsächlich hinter ihm, wenn es aber nur vier Stufen sind, kann er das auch alleine probieren. Natürlich ist er dabei in meinem Blick, ich darf aber ruhig einige Meter weg sein. So bekommt er Selbstvertrauen und lernt seine Fähigkeiten gut einzuschätzen.

Freies Spiel braucht Muße und auch mal Langeweile, aber eben keinen Lehrplan.

 

Tipp: Genau damit befasst sich das Buch von Michael Winterhoff: Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zu Intuition