Fibromyalgie und Gluten

Ganz ehrlich, ich habe mich schon sehr lange nicht mehr ernsthaft mit meiner Fibromyalgie (diagnostiziert 2008, 18/18 Tender) auseinandergesetzt, aus dem einfachem Grund, dass ich eigentlich keine Probleme mehr habe, seitdem ich mich glutenfrei ernähre. Viele Jahre habe ich mich zuvor gequält und Reihenweise Ärzte aufgesucht.

Wenn ich heute bei einer Mahlzeit versehentlich einer größeren Menge Gluten ausgesetzt bin, haut es mich zwar ca. 24 Stunden später um, also in ein Bett, aber das hält meist nur wenige Stunden an und Myalgie-Schmerzen bekomme ich dann eher nicht, wahrscheinlicher ist eine kleine Migräne-Attacke.

Wie es der Zufall will, habe ich vor einigen Tagen ein Interview zu diesem Thema gegeben und dort noch getönt, dass es mir absolut prima geht. Tatsächlich habe ich aber in den letzten Tagen enorme Probleme mit den Gelenken, Müdigkeit und Myalgie-Schmerzen gehabt, konnte mir diese aber nicht erklären, ich war nicht auswärts essen und achte eigentlich beim Einkaufen genau auf das, was ich mitnehme. Aber Gelenk- und Muskelschmerzen zusammen sind bei mir nie ein Zufall und deuten auf permanente Gluten-Aufnahme hin.

Als ich dann beinahe in einem altem Automatismus zu den Schmerztabletten griff, wusste ich, dass etwas tatsächlich nicht stimmt und ich nicht nur eine harte Woche hatte oder zu viel Sport getrieben habe, oder einfach schlecht geschlafen habe, oder was man eben sonst für Erklärungen sucht, wenn man einfach nicht mehr kann. Weiterlesen

GFCF, Paleo, Low-Carb, LCHF, Steinzeit-Diät – eine kleine Definition

An den Kommentaren und Rückfragen hier im Blog bemerke ich eine kleine Verwirrung, daher habe ich mich doch dazu entschlossen, hier ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bekommen. Ich bemühe mich nun um eine kleine Erläuterung in eigenen Worten, die Auslegung kann aber durchaus abweichen, denn es gibt hier keine echte Norm. 🙂

GFCF:

Die gluten- und caseinfreie Ernährung ist keine Diät im modernen Sinne, diese dient nicht zur Gewichtsreduktion. Man verzichtet auf den Verzehr aller glutenhaltigen Getreide (Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer u.s.w.) und auf Produkte die diese Getreidesorten beeinhalten (Pizza, Pasta, Brot, Burger u.s.w.) sowie auf alle (!) Milchprodukte, auch auf Ziegenmilch und Schafsmilch. Es geht hierbei nicht um Lactose (Milchzucker), sondern um die Proteine. Die Proteine unterscheiden sich zwar von Tierrasse zu Tierrasse, das spielt für die gfcf-Ernährung aber genaugenommen keine Rolle. Der Sinn dieser Ernährungsweise liegt in einer Verbesserung des Gesundheitszustandes bei sensiblen Menschen und Menschen mit einer festgestellten Intoleranz (Nahrungsmittelunverträglichkeit, keine Allergie) gegen die Eiweiße aus Getreide und Milch.

Paleo:

Die Paleo-Ernährung wird auch Steinzeit-Diät genannt, wie bei der gfcf-Ernährung ist es keine Diät zum Abnehmen, das ist bestenfalls ein Nebeneffekt. Die Paleo-Ernährung schließt eine gfcf-Ernährung mit ein, geht aber noch ein Stück weiter und verzichtet zusätzlich auf kohlenhydratreiche Kost, wie Reis, Mais, Hirse, Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Einige Nahrungsmittel sind in kleineren Mengen toleriert, wie Wildreis und Buchweizen, manchmal (nach Auslegung) auch Kartoffeln und einige Hülsenfrüchte. Sämtliche verarbeiteten Lebensmittel werden vermieden, indbesondere alle zuckerhaltigen. Die genauen Regeln kann man in diversen Blogs nachlesen, z.B. auf Deutsch bei Urgeschschmack.de oder auf Englisch bei marksdailyapple.com. Das Verhältnis von Kohlenhydraten zu Eiweißen ist nicht genau festgelegt. Die Faustregel sagt unter 100-150 g Kohlenhydrate am Tag, über 0,8 g Eiweiß je Kg Körpergewicht am Tag, Fette nach belieben, oder bis zur gesetzten Kaloriengrenze, dann nimmt man damit auch ab. Weiterlesen

Low-Carb – Paleo-Ernährung, oder doch LCHF?

Ich ernähre mich seit zwei Jahren gluten- und kaseinfrei. Anfangs habe ich dadurch insgesamt 10 Kg abgenommen, diese später, als ich mich daran gewöhnt hatte, allerdings auch wieder zugenommen. Seit ich zu Hause bin, hatte sich an meinem Gewicht auch nicht mehr viel geändert, da ich auch kaum noch zum Sport gekommen bin und auch das Tanzen spät am Abend einfach nicht mehr geschafft habe. Bereits mit einem Kind und den üblichen Einkäufen ist mir klar geworden, dass sich am Gesamtgewicht etwas ändern muss, wenn ich weiterhin in der Lage sein möchte, ein bis drei Kinder plus Zubehör in die dritte Etage zu wuchten. Da kommen schnell 30 Kg zusammen, jedes Kilogramm, das man selbst zu viel auf den Rippen hat, macht sich da direkt bemerkbar.

Ich hatte daher bereits im März begonnen abzunehmen. Der Plan sah 1 kg in der Woche vor, ich zählte mal wieder Punkte in Eigenregie, das funktioniert ganz gut. Die ersten 10 Kg waren wie geplant runter, dann kam die berühmte Mauer, es ging wochenlang nicht voran. Ich suchte Hilfe bei einem Freund, der gerade eine sehr strenge Bodybuilding-Wettkampf-Diät macht, die ist nicht unbedingt gesund, aber er kennt sich gut aus, denn der macht das öfters.
Er vermutete eine zu hohe Aufnahme von Kohlenhydraten und zu wenig Sport, zu diesem Zeitpunkt war es nur eine Stunde in der Woche.  Er gab mir Hausaufgaben, sozusagen, ich sollte das Verhältnis von Eiweißen (EW) zu Fetten und Kohlenhydraten (KH) ermitteln und genau aufschlüsseln und die KH reduzieren, die Eiweiße erhöhen und mehr Sport treiben. Damit erfülle ich quasi die Kriterien einer Low-Carb-Ernährung.

Gesagt – getan. Das brachte eine kleine Überraschung, denn obwohl ich mich extrem genau an meine 30 Punkte je Tag gehalten habe, waren die tatsächlichen Kalorien (kcal) extrem verschieden. (Hinweis: 1 g KH und EW hat je 4,1 kcal, Fett 9,3)  Ich nahm täglich zwischen 1500 kcal und 2100 kcal zu mir, bei dreimal Sport (1 Stunde) und zwei Stunden Radfahren in der Woche. Bei einem Grundumsatz von 4200 kcal war das Kaloriendefizit, zumindest das Theoretische, enorm.

Tipp: Online-Berechnung des Grundumsatzes der Universität Hohenheim

Nach einigen Tagen purzelten die Kilos, endlich, so muss das sein. 🙂  Ich holte mir noch ein wenig Hilfe in Form von Proteinpulver. Da ich ja kein Kasein vertrage, verwendete ich zuerst Protein aus Soja, dies stellte sich allerdings leider als extrem widerlich heraus. Durch Zufall landete ich auf einem Blog, der sich auch mit gfcf-freier Ernährung beschäftigt, allerdings im Rahmen der Paleo-Ernährung: „becomingvollblut“ Weiterlesen

„Gesunde Ernährung“

Ich habe ja schon vor längerer Zeit meine Meinung zu „gesunder Ernährung“ hier im Blog verewigt, damit wollte ich es eigentlich auch gut sein lassen, aber ich hatte ja in meiner Fortbildung zur Kinder-Tagespflegeperson (Tagesvater) gestern meinen zweiten Abend zu Ernährung, diesmal mit Kochen.

Zu Beginn erhielten wir die Rezepte, die wir anschließend kochen sollten. Ich überflog die Zutatenlisten und war etwas überrascht. Aktuell leben in Deutschland über 80 Millionen Menschen, gut 10% vertragen Lactose nicht, weitere beinahe 10% vertragen Gluten nicht. Wenn also eine Gruppe Menschen aus Deutschland zusammenkommt und diese mindestens 10 Personen aufweist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass je einer dabei ist, der Lactose oder Gluten nicht verträgt, praktisch 100%. Wir waren zu elft, eine vertrug keine Lactose, ich kein Gluten, von Kasein spreche ich an dieser Stelle nicht, denn das ist deutlich seltener.

Die Rezpte enthielten alle Gluten und Lactose. Liebe Dozentin, schwache Leistung. Aber es wird noch besser. Ich rechnete im Kopf flott die Kalorien zusammen, es waren reichlich, Angaben dazu gab es allerdings nicht. Ich fragte nach. Als Antwort erhielt ich ein ziemlich patziges: „Wir sind hier 11 Frauen und wollen alle einen netten Abend haben, den wir uns nicht verderben lassen werden.“ (Ich war wie immer der einzige Mann.)

Ach so, da hatte ich wohl die Veranstaltung verwechselt, ich war wohl doch auf einer Tupperparty gelandet und nicht auf einem Seminar über Ernährung. Davon abgesehen war die Aussage sexistisch und diskrimienernd, wäre die Situation umgekehrt gewesen, es hätte einen Aufstand ausgelöst. Aber so muss ich mich wohl damit abfinden, eine Unverschämt war es trotzdem. Weiterlesen

„Ärzte haben überraschend eine Gluten-Unverträglichkeit ohne Gluten entdeckt „

Also das hätte ich denen vorher sagen können. 🙂

Aktuell werden Menschen wie ich, die eine Gluten-Intoleranz haben, ohne jedoch an Zöliakie erkrankt zu sein, von so ziemlich allen Ärzten sehr schräg angesehen, um nicht zu sagen für bekloppt gehalten. Schön, wenn auf einmal überraschend Hilfe aus wissenschaftlicher Sicht hinzu kommt. Ich bin beinahe aus allen Wolken gefallen, als ich heute per Zufall in einen Bericht auf 3Sat im Format „Nano“ gestoßen bin.

„Nicht Gluten, sondern ein Protein, das Insekten abwehrt, sorgt für manche „Gluten-Unverträglichkeit“, sagt der Mainzer Gastroenterologe Prof. Detlef Schuppan. Hochleistungs-Weizensorten wurden auf das Protein Adenosin-Triphosphat-Amylase gezüchtet, um Schädlinge abzuhalten. Diese Stoffe erklären, warum es heutzutage mehr Glutenunverträglichkeiten gibt: weil es durch Kreuzung und Züchtung mehr dieser Substanzen in den neuen Sorten gibt.  Die Zöliakie, die typischen Schäden an den Zotten der Darmschleimhaut, bleiben aus, schildert Prof. Wolfgang Holtmeier. Es scheint so zu sein, dass es eine Unverträglichkeit gegen Gluten gibt, die nichts mit der Zöliakie zu tun hat.“  3Sat.de

Zum Glück bin schon vor einiger Zeit darauf gekommen, ohne die Hilfe eines Arztes allerdings, wobei es auch einige Ärzte gibt, die sich mit dem „Phänomen“ auseinander setzen. Vielleicht werden diese nun auch erhört und kommen aus ihrer „mystischen Ecke“ endlich heraus. Zu Wünschen wäre es den geschätzen 5% der deutschen Bevölkerung, die arge Probleme haben und denen niemand bisher helfen will, oder kann.

Hier ist das Video zu Beitrag: SWR

Die gluten- und kaseinfreie Ernährung (gluten and casein free diet)

Ich möchte diese gfcf-Ernährungsweise niemandem empfehlen, sondern nur denen eine Hilfestellung geben, die diese Entscheidung bereits für sich getroffen haben.
Diese „Diät“ ist nicht zum Abnehmen gedacht, ich bin dafür der lebende Beweis. 😉
Es ist auch keine Lebenseinstellung wie zum Beispiel die vegane Ernährung. Wer sich gfcf-frei ernährt, hat meist keine Alternative, außer heftige Symptome zu akzeptieren. Alle, die eine der weiter unter genannten Erkrankungen diagnostiziert bekommen haben, sollten sich mit dem Thema beschäftigen und mit einem Arzt, der sich wirklich auskennt, unterhalten. Letztere sind sehr schwer zu finden, ich spreche da aus Erfahrung.

In den USA wird diese Ernährung für autistische Kinder und Kinder mit ADHS von vielen Eltern empfohlen. Aber auch bei CFIDS (CFS) und Schizophrenie sind positive Erfahrungen belegt.
Im Kern geht es darum, Eiweiße aus Getreide und Milch, sowie Produkte daraus komplett ohne Ausnahmen zu vermeiden. Da dies viel schwieriger ist, als man auf den ersten Blick vermuten kann, möchte ich meine Erfahrungen gerne weitergeben. Die Steinzeit-Ernährung hat, als eine Art Lebenseinstellung, nicht direkt damit etwas zu tun, es gibt aber viele Gemeinsamkeiten. Weiterlesen