„Bloß kein Druck“

Bei uns in der Familie ist die Formulierung „bloß kein Druck“ ein sarkastischer Ausdruck für genau das Gegenteil, und dies schon lange bevor Piet da war. Immer wenn die Vorgesetzten einem erzählen, dass sie ja keinen Druck aufbauen möchten, tun sie in der nächsten Minute genau das: „Ich möchte sie ja nicht unter Druck setzen, aber das muss heute noch raus…“

Vermutlich kennen solche Situationen die meisten Leser des Blogs, es gibt ja auch zahlreiche Ratgeber in Buchform, wie man damit umgehen soll. Wir verwenden die Redewendung immer dann, wenn wir uns über uns selbst, oder auch über Kommentare von anderen in unserer Nähe lustig machen. Seitdem wir Eltern sind, hat dies eine neue Qualität erreicht.

Als Kindertagespflegeperson hat man ein klar definierten Förderauftrag, um diesen erfüllen zu können, muss man viel beobachten und vergleichen. Naturgemäß machen das alle Eltern, die pädagogische Fortbildung hilft jedoch, ein möglichst realistisches Bild zu erstellen und vor allem, von allen Seiten zu beobachten. Wenn man einmal gewohnt ist, darauf zu achten, macht man es immer. Einmal Tagesvater, immer Tagesvater.

„Mein Kind kann das und das schon lange…“ ist eine typische Formulierung von Eltern, die man auf Spielplätzen trifft. Wir sind da keine Ausnahme, viel wichtiger ist es aber zu erkennen, was das Kind noch nicht kann und es genau an dieser Stelle ein wenig fördern. Unser Sohn ist für sein Alter sehr aktiv und klettert gerne. Da er die meiste Zeit mit mir verbringt, darf er auch im Vergleich recht viel und lernt es dadurch natürlich auch umso besser. Fördern muss ich ihn zum Beispiel in ruhigen Dingen, wie Puzzeln, mit Bausteinen spielen, oder Bücher „lesen“. Da hat er ein kleines Defizit. Weiterlesen

Wenn man mal acht Stunden am Stück „Recht“ hat

Mir hat es heute Morgen regelrecht vor diesem Tag gegraut. In meiner Fortbildung zum Tagesvater war mal wieder ein gesamter Samstag geplant, in diesem Fall sogar mit einem Spezialthema:  „Rechtliche und finanzielle Grundlagen in der Kindertagespflege.“ Der letzte Samstag hatte sich unendlich gezogen, ich hatte so etwas von keine Lust nach Neuss zum Edith-Stein Haus zu fahren, aber man darf nicht fehlen, also stieg ich tapfer auf mein Rad.

Dann kam die große Überraschung, die Gast-Dozentin war richtig gut, die Zeit ging super schnell rum. Es gab viele sinnvolle Informationen und ich habe heute richtig was gelernt. Beinahe das erste Mal, seit ich den Kurs besuche. Dabei interessiert mich „Recht“ eigentlich nicht besonders. Ich habe es in meinem Beruf immer als notwendiges Übel angesehen, im Vergleich ist Markenrecht und Internetrecht sogar noch halbwegs interessant im Gegensatz zu Steuerrecht.

Das man als Tagesvater keinen Gewerbeschein braucht, keine Umsatzsteuer zahlt (nie), es Kostenpauschalen gibt, und  dass die Abrechnung mit dem Finanzamt so einfach sein kann, hätte ich nie gedacht. Wir sprachen auch über das Grundgesetz, das BGB, das Kinder- und Jugendgesetz (KJHG), das Kinderbildungsgesetz (KiBiz), und das Kinderförderungsgesetz (KiföG). Viele Regelungen und Gesetze sind, aus juristischer Sicht, brandneue Themen und unterliegen zurzeit ständiger Bearbeitung.

Der heutige Tag machte einem noch einmal so richtig deutlich, dass sich der Anspruch an die Kindertagespflege in den letzten Jahren massiv gewandelt hat. Ich finde es gut so und es kann noch viel besser werden.

Meine Frau war heute mit Piet zum ersten Mal beim Babyschwimmen, aber darüber schreibe ich dann nächste Woche ausführlich.