Auf dem Sprung

„Wie heißt dat hier in Mönchengladbach? Halt Pohl? Wat is dat dann?“

Narrenrufe sind verschiedener, als man denkt. Mit dem Umzug in eine neue Stadt gilt ab sofort ein neuer Ruf. Unser Sohn ist noch mal als Tiger unterwegs gewesen und kaum waren wir am Zug angekommen, war er auch schon zum Sprung bereit. Meine Frau hatte alle Hände voll damit zu tun, ihn davon abzuhalten auch noch unter den Traktoren zu suchen. Der Zug im Stadtteil Neuwerk dauerte recht genau eine halbe Stunde und hatte für uns die optimale Länge.

Die Kinder konnten in der ersten Reihe stehen und bekamen so auch richtig was mit. Es wurde reichlich geschmissen, zumindest finde ich, dass unser Tiger viel Beute gemacht hat. Unser Kind feiert seit Altweiber praktisch jeden Tag Karneval, im Kindergarten, am Zug oder bei Freunden.

Er kommentierte das ganz treffend: „Karneval dauert aber lange.“

Verschiedene Kostüme werden immer wieder neu kombiniert, „die Eiskönigin“ ist gerade groß angesagt, aber zumindest in der Öffentlichkeit konnten wir das noch verhindern. 🙂

Weiterlesen

Karneval, Kostüme und Kinder

Meine Frau und ich sind echte Rheinländer, aber mit Karneval können wir nichts anfangen, wirklich nicht.

Meine Ur-Ur-Oma, Veronika Schüffelgen, war die „Blumenfrau“ von Bonn und ist somit ein echtes Bonner-Original, heute noch verkleiden sich Frauen zu Karneval als Blumenfrau in Gedenken an meine Vorfahr-in.

Mein Großvater, Theodor, gebürtig aus Villip, war noch Mitglied in einem Karnevals-Verein, den „Blauen Funken Zülpich“,  bis zu mir ist von seiner Begeisterung absolut nichts hängen geblieben. Dies führte dazu, dass wir zu Karneval stets geflüchtet sind.

Wir wollen unserem Sohn aber den Karneval nicht vorenthalten und haben daher vor, dieses Jahr tapfer hier bleiben.

Die großen Umzüge werden wir dennoch vermeiden und uns in die Dörfer schlagen. Die Grundschule in in unserem Ort macht einen Umzug für die Kinder, bei dem die Eltern die Kamelle werfen. Ich werde mir noch irgendwas schweres besorgen, Kaubonbons oder so etwas ähnliches, was sich gut und weit werfen lässt.

Dieser Zug geht an Altweiber, in meinem „Heimatdorf“ wird es wohl am Samstag oder Sonntag stattfinden, den nehmen wir vielleicht auch noch mit.

Ein Problem gibt es aber: Wir haben gar keine Kostüme. Für mich selbst finde ich das nicht weiter schlimm, aber unser Kind muss natürlich eines bekommen. Freunde von uns sind begabt und basteln stets selber, da hat der Sohn bei mir aber keine Chance. Also werden wir einen Kostüm kaufen, bloß was und wo?

Der Klassiker für U3-Kinder sind Tiere: Löwen, Tiger, Zebras, Elefanten, den ganzen Zoo rauf und runter.

Ich wäre ja eher für Spiderman, Skelleton, Batman oder Indiana Jones.

Shops in dieser Richtung gibt es im Internet wie Sand am Meer, es sind in den Suchmaschinen reihenweise Seiten, die Kostüme für Kinder vertreiben. Selbst Spielzeug-Anbieter haben das eine oder andere Kostüm im Programm. Vermutlich wird unser Kind sich für etwas entscheiden, was ich ganz schlimm finde, so was wie Marienkäfer, Biene oder Frosch womöglich.

Ich bin früher immer als Zorro gegangen, weil ich sonst nie Spielzeugwaffen haben durfte. Zorro hatte Peitsche, Degen und Pistole. Verkleiden fand ich aber schon als Kind doof, das hat sich nicht geändert.

Die Tochter von Freunden geht als Yoda, das finde ich schon ganz gut, immerhin ist es nicht Darth-Vader oder ein Stormtrooper, wie „alle coolen“ Kinder rumlaufen. Vielleicht setze ich mich doch an die Nähmaschine meiner Oma und schneider dem Sohn ein Gollum-Kostüm, das würde zumindest gut passen. Seltsamerweise gibt es das gar nicht zu kaufen.

Da wir aber als ganze Familie noch nicht passend eingekleidet sind, bietet sich vielleicht doch die Addams-Family an. Ich bin ja mal gespannt, wie unser Kind das findet.

Aber es ist ja Karneval und nicht Halloween.

Schnee, Schatten und alte Weiber

Natürlich kann unser Sohn Schnee noch nicht richtig genießen, aber als ich heute mit ihm vor der Tür war, fand er die weißen Dinger, die vom Himmel fallen schon sehr, sehr spannend.

Noch spannender war allerdings das Dutzend Kinder, das im Naturschutzgebiet, auf den komplett gefrorenen Überschwemmungsflächen, eine riesige Schlittschuhbahn „entdeckt“ hatte und begeistert Eishockey spielte. Leider habe ich davon kein Foto machen können.

Der Schnee ist ja nun leider nicht liegen geblieben, so dass Rodeln wieder einmal ausfällt. Hoffentlich kann unser Kind in den nächsten Wochen sein Weihnachtsgeschenk noch einweihen, im Sommer ist Schlitten fahren ja eher langweilig.

Heute ist mein geliebter Quinny über die Kleinanzeigen verkauft worden, schade, dass der Sohn meine Begeisterung für den Wagen nicht teilen wollte. Hoffentlich bekommt er ein gutes, neues zu Hause.

Bevor wir den Kleinen in sein Bett bringen wollten, war ich noch in der Küche mit dem Abendessen beschäftigt. Im Flur war das Licht aus und auch im Wohnzimmer war es dunkel, nur das Licht der Dunstabzugshaube erleuchtete den Flur.

Auf der Wand hinter der Treppe zeichneten sich lange Schatten ab. Als der Sohn seinen Schatten entdeckte, gab es kein halten mehr. Im vollen Krabbel-Galopp rannte er seinem Schatten entgegen.
Angekommen wurde fleißig gewunken, beinahe so schnell, dass sein Schatten nicht mehr mitkam. Danach krabbelte wieder zur Küche, drehte sich um, und…

…der Schatten wurde wieder entdeckt, also wieder drauf los. Das Ganze wiederholte er eine halbe Stunde lang und war danach völlig geschafft. So geschafft, das er zum ersten Mal nach Wochen wieder durchschlief.

An dieser Stelle vielen Dank an den Schatten unseres Kindes. Vielleicht geht er zum Karneval ja doch als Lucky Luke.

Die Ur-Oma wurde letzten Donnerstag 94 Jahre alt, leider konnten wir nicht hin fahren, da unser Kind und ich gemeinsam ja immer noch heftig erkältet waren. Das haben wir nun heute nachgeholt.

94 – Alte Weiber und Altweiber im Altenheim – Ur-Oma Schüffelgen in guter Tradition der Blumenfrau aus Villip bei Bonn.

Was wir nicht bedacht hatten: Heute ist Altweiber!

Und wo feiern alte Weiber besonders gerne? Richtig, im Altenheim, da war richtig jet los. Da das Kind offenbar Karnevalsmucke richtig jut findet, hatte dat Panz seinen Spaß.  Wir nicht, denn mit Karneval hatte ich noch nie was am Hut. Wat sollet, et küt wie et küt. Ur-Oma hatte ihren Spaß mit dem Ur-Enkel und hielt stolz Hof.

Wir haben es ihr gegönnt, immerhin ist meine Ur-Ur-Oma die Blumenfrau „Mutter Schüffelgen“ aus Villip bei Bonn, ein echtes „Bonner Original“ und auf einem Karnevalsorden verewigt.