Weinprobe

Es war gegen 19:00 Uhr, Piet sollte gerade in sein Bett, als wir erkennen mussten, dass unser Sohn ein beachtliches Werk vollbracht hatte. Er war derartig kontaminiert, dass wir vier Hände brauchten, um Hose und Body in die „Sonderwäsche“ zu befördern. Als wir uns danach die Finger wuschen, machte sich Piet in das Wohnzimmer auf.

Da wir ihn eigentlich schon im Bett haben wollten, hatte ich das Wohnzimmer bereits „feierabend-tauglich“ vorbereitet. Keine Spielzeuge mehr auf dem Boden, der Fuhrpark ordentlich in der Ecke geparkt, die Bücher wieder im Regal und:

Ein Glas mit Rotwein auf dem Esstisch.

Das hatte Piet direkt als interessant erkannt, einen Schluck versucht, für widerlich befunden und dann den gesamten Inhalt großflächig über Tisch, Kissen, Rattanstühle und Boden verteilt. Meine Frau schnappte sich unseren Sohn, den wir ja keine Minute vorher umgezogen hatten, um ihn erneut umzuziehen und dafür zu sorgen, dass er nicht mehr nach Penner riecht. Ich selbst kümmerte mich um die zahlreichen Rotweinflecken, mit allem, was der Putzschrank so her gab.

Ich habe in der Ausbildung zur Kindertagespflegeperson gelernt, dass unsere Kinder Forscher sind und wir nur die Forschungsassistenten, aber warum musste ausgerechnet ich einen dickköpfigen, Regeln missachtenen, unglaublich neugierigen kleinen Professor erwischen? 🙂

Purer Luxus im Doppelpack

Wenn man Kinder zu Hause hat, definiert sich Luxus auf einmal völlig neu. Früher war es der gute Wisky oder Vodka, eventuell gönnte man sich ein paar neue Möbel, oder etwas anderes schönes für die Wohnung. Mit Kindern hat sich das praktisch erledigt. Jedes Teil des Hausrats wird plötzlich um das Hundertfache höher strapaziert. Die logische Konsequenz: Mit Neuanschaffungen wartet man, bis die Kinder ein gewisses Alter haben und nicht mehr auf die Idee kommen, mit der 1000 Gramm Dose Nivea, dem Seidenteppich einen neuen Anstrich zu verleihen. Der Alkohohl hat sich auch erledigt, denn er verhindert die notwendige Erholung maßgeblich und wirkt spätestens am nächsten Tag extrem kontraproduktiv.

Aber es gibt neuen Luxus. Das kann eine Stunde Ruhe sein, weil der Partner mit dem Kind aus dem Haus ist, oder es kann eine erholsame Nacht sein, in der man wirklich schläft. Davon hatte ich in der letzten Woche gleich zwei. Piet hat doch tatsächlich von 18:00 Uhr abends bis um sieben Uhr morgens durchgeschlafen.

Das war schon was besonders, echter Luxus eben. 🙂