„Sind Sie der neue Hausmeister?“

Da ich auch im Kindergarten ausgeholfen habe, wo ich konnte, sah ich keinen Grund, warum ich das in der neuen Schule unseres Sohnes nicht auch machen sollte. Eltern, die sich „freiwillig“ für Tätigkeiten melden, sind üblicherweise selten genug, so dass es nie einen Mangel an Nachfrage gibt. Nach zwei Wochen an der Grundschule bin ich allerdings schon geschockt, in welchen Umfang eigentlich Hilfe gebraucht würde.

Es haben mir schon Eltern entgegnet, dass es wohl kaum Aufgabe der Erziehungsberechtigen sein kann, Schulräume zu putzen oder zu streichen und sie es daher bewusst ablehnen zu helfen, denn das würde ja den Missstand auch noch unterstützen.

Ja nun, das ist grundsätzlich natürlich nicht falsch. Leider ist die Realität aber eben eine andere. Und am Ende bleiben die Aufgaben an den wenigen Händen kleben, die sich dazu bereit erklären. Die anderen Eltern sind ja fein raus, profitieren deren Kinder doch vom Einsatz anderer.

Vermutlich ist das eher kein neues Problem, sondern besteht eher schon seit Jahrzehnten. Es gibt auch Tätigkeiten in der Schule und im Kindergarten, die haben mit „Missständen“ wenig zu tun, sondern gehören einfach dazu. Das Sammeln von Geld für St. Martin, Aufgaben der Schulpflegschaft, Ausflüge, wo Eltern als Aufsichtspersonen einfach gebraucht werden, um einige zu nennen. Aber auch hier melden sich immer die gleichen, die auch schon an anderer Stelle aushelfen. Daran erkennt man, dass das Hinweisen auf „Fehler im System“ nur vorgeschoben ist. Es ist die gleiche Denke, die Eltern in großen Autos direkt auf dem Fußweg vor der Schule halten lassen. Hauptsache das eigene Kind kommt sicher dort an. Andere Kinder werden dadurch gefährdet? Das betrifft mich ja nicht.

Diese nicht solidarische Einstellung geht auf die Kinder natürlich über.

Ich wartete auf unser Kind, als vor einigen Tagen direkt in meiner Nähe ein Mädchen über einen Schaden in der Pflasterung auf dem Schulhof auf den Kopf fiel. Ich leistete „Erste Hilfe“, wobei glücklicherweise nur eine große Beule versorgt werden musste, das Kind weinte natürlich heftig. Unser Sohn und und zwei weitere Kinder trösteten, als ein Junge dazu kam, die Beule sah und begann mich zuzutexten, wie er sich mal irgendwann mal was weh getan hatte.

Mitgefühl: Null
Interesse: ICH-ICH-ICH, oder anders gesagt:

Eine soziale Kompetenz im Minus-Bereich.

Mitgefühl müssen Kinder lernen, am besten von den Eltern, die als Vorbild dienen, auch und vor allem dritten Gegenüber. Kaum zu glauben, dass ich das hier schreibe, sagt man mir doch eine soziale Kompetenz vergleichbar eines Backsteins nach. 😉

Auf der Schulpflegschaft-Sitzung waren dann schon nur Menschen anwesend, die freiwillig (mehr oder weniger) Aufgaben übernehmen wollten, sonst wären diese ja nicht in der Schulpflegschaft gelandet. Dennoch war es teilweise schwierig, weitere Aufgaben „los“ zu werden.

Ich hatte mich schon zuvor bei der „Küchen-Crew“ gemeldet, die zwei Mal in der Woche das „gesunde Frühstück“ für alle Kinder der Schule vorbereitet. Dieses „gesunde Frühstück“ war einer der wichtigen Gründe, warum wir uns für diese Schule entschieden haben, denn ich dachte, wenn die Schule es schafft mit den Eltern zwei Mal in der Woche so etwas zu organisieren, muss das eine tolle Elternschaft sein. (Diese Annahme war übrigens naiv.)

Ich fand es daher nur konsequent, wenn ich dabei helfen würde, so oft ich kann. Zusätzlich schnibbel ich an einem Tag Obst und Gemüse für die „eigene“ Klasse des Sohnes. In der letzten Woche war das ein Zeitaufwand von ca. vier bis fünf Stunden. Das war mir dann doch fast zu viel, zumindest auf Dauer.

Als ich das erste Mal in der Küche arbeitete, fiel mir auf, dass kein Seifenspender montiert war. Der Hausmeister fällt wohl schon seit längerem wegen Krankheit immer wieder aus und die Vertretung kann nur die wirklich wichtigen Dinge erledigen. Also brachte ich am nächsten Tag etwas Werkzeug mit, um den Seifenständer an geeigneter Stelle an die Wand zu bringen. Dabei wurde ich beobachtet, von Kindern und Lehrern, denen sofort tolle weitere Möglichkeiten einfielen, was man noch alles mit dem Werkzeug so machen könnte.

Die halbe Schule denkt nun, dass ich der neue Hausmeister bin.

Neben der Küche, kleineren Reparaturen und der Schulpflegschaft mache ich jetzt auch noch die Planung von St. Martin, da sich sonst keiner finden konnte und ab nächster Woche versuche ich mich zusätzlich zum Obst und Gemüse schneiden als „Lesevater“. Dabei geht es um Kinder, die praktisch kein Deutsch sprechen. Diesen soll beim Lesen lernen zusätzlich geholfen werden, offensichtlich sind „DAZ“-Kurse und Förderunterricht nicht ausreichend, auch, weil die Lehrkräfte aktuell Mangelware sind.

Und obwohl einige andere Eltern mindestens ebenso viel Engagement zeigen, teilweise noch viel mehr, ist immer noch sehr viel Luft nach oben.

 

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