Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht zum Silvester-Programm in Trier 2018/2019

In die Jugendherberge in Trier fuhren wir auf Empfehlung einer anderen Reisegruppe, die ebenfalls jährlich das Silvester-Programm der Jugendherbergen bucht, für uns war es nun das 7. Mal.

Um es vorweg zu nehmen, nach der Beschreibung und den Erfahrungen der anderen Gruppe hatte ich etwas völlig anderes erwartet, was nur einmal wieder beweist, wie individuell Erfahrungsberichte sind. Dennoch unterhalten wir uns stets mit den anderen Reisegruppen, um Ideen zu sammeln und zumindest eine Ahnung davon zu haben, was einen erwarten könnte.

Wer sich etwas umfassender über unsere Erfahrungen mit den Silvester-Programmen in den Jugendherbergen informieren möchte, kann gerne in meinen alten Berichten nachlesen, ich muss an dieser Stelle allerdings darauf hinweisen, dass sich Leitung, Küche und Programm durchaus jährlich ändern können. Erfahrungsbericht Silvester Programm in:

Auch diesmal sind wir nicht allein nach Trier gefahren. Insgesamt waren wir mit 10 Erwachsenen und 9 Kindern dort, damit waren wir nicht die größte Gruppe, aber schon eben eine, die an den maximal für sieben Personen ausgelegten Tischen gemeinsam keinen Platz mehr fand, und damit sind wir auch schon mitten drin im Erfahrungsbericht.

Wir hatten, wie immer, noch einmal ausdrücklich vorab darauf hingewiesen, dass wir als Gruppe anreisen und gerne beisammen sitzen möchten. Alle anderen Jugendherbergen haben das bisher möglich gemacht, nicht immer auf Anhieb, aber man hat sich darum gekümmert. In Trier macht man es sich da ganz einfach: Tischreservierungen gibt es nicht, Tische rücken ist verboten. Sie kennen die Sache mit den Handtüchern aus diversen Hotels?

Willkommen in der Jugendherberge in Trier.

Auf unsere E-Mails wurde übrigens mit „Ihre Wünsche werden berücksichtigt“ beantwortet, teilweise allerdings auch gar nicht.

Da die Jugendherberge ausgebucht war, führte dies am ersten Abend und am folgenden Tag zu verbalen Auseinandersetzungen unter den Gästen und leicht mieser Stimmung zu Beginn. Erst später stellte sich eine Art Resignation ein, denn es schaffte keiner Dauerhaft die Gruppen beisammen zu halten. Da Tische verschieben untersagt wurde, hätte man es eh nicht besser machen können. Im großen und ganzen klappte es später ganz gut, allerdings hat das wenig mit guter Organisation durch die Jugendherberge zu tun gehabt.

Anlage und Ausstattung

Die Jugendherberge in Trier liegt direkt an der Mosel auf der Vorderseite und einer vier- bis sechsspurigen Hauptstraße auf der Rückseite, ein Teil des Gebäudes stammt offensichtlich aus den 60ern, ein anderer Teil wurde saniert und neu gebaut. Von unseren fünf Familien wurden vier im neuen Teil untergebracht, mit tollen Zimmern, modernen Schallschutzfenstern, großem Bad mit Regendusche, Schallschutztüren und modernem Design.

Eine Familie wurde im alten Teil eingebucht.

Wir.

Willkommen in den 60ern mit Möbeln aus den 90ern.

Wir waren darüber nicht sonderlich glücklich, für ein Zimmer den gleichen Preis zu zahlen, das von der Kategorie her drei Stufen unter den anderen Zimmern lag. Es erinnerte schon sehr an Daun, was in etwa dem entspricht, woran man sich erinnert, als man noch als Kind in Jugendherbergen gefahren ist – inklusive Geruch. Ein weiterer, nicht ganz unwichtiger Punkt war, dass wir zur Straße raus geschlafen haben und unter unserem Fenster morgens um 05:30 Uhr die ersten Anlieferungen stattfanden. Die Lautstärke war nicht ganz ohne, im neueren Teil hörte man dank moderner Fenster von der Straße nichts, geschlafen wurde in Richtung Mosel. Auch andere Gruppen wurden derart auf die verschiedenen Gebäude aufgeteilt, der Unmut fand also auch an anderer Stelle statt, so was kann passieren, wenn man bei der Orga unnötig pennt.

Im modernen Teil der Jugendherberge waren die Flure akustisch gedämmt, ebenso der Speisesaal und das Bistro, ein nicht zu unterschätzender Faktor, die Geräuschkulisse war stets „angenehm“, sofern das bei einem Kinderanteil von 50% überhaupt möglich ist. 😉

An der Sauberkeit gab es nichts zu meckern, alles war stets in Ordnung, insbesondere der Speisesaal wurde oft geputzt, bei voller Belegung schon wirklich eine gute Leistung. Im Speisesaal war ausreichend Platz, man kam immer gut durch, auch zu Stoßzeiten brach kein Chaos aus, das haben wir auch schon ganz anders erleben dürfen.

Draußen gab es einen modernen kleinen Spielplatz und einen sehr großen Parkplatz, man muss ja Prioritäten setzen.

 

Programm und Party

Den „Begrüßungstrunk“ mit Ansprache haben wir irgendwie verpasst, allerdings haben wir uns direkt in die Gruppen eingetragen für die verschiedenen Veranstaltungen. Diese fanden an beiden Haupttagen zu verschiedenen Zeiten statt. Wir starteten mit der „Weintour“, die wir nicht um 10:30Uhr morgens buchten, sondern am frühen Nachmittag. Allerdings habe zumindest ich mir darunter etwas anderes vorgestellt, was später auch bei anderen Familien zu Problemen führte.

Mit „Karl“ auf dem Weg zur Porta Nigra

Ich dachte wir gehen von einer Lokalität in die nächste, kehren dort in historischem Ambiente ein und probieren hier und da einen Wein. Da es keine Alternative Betreuung für die Kinder gab, mussten die nachvollziehbarer Weise mit. Wir wurden von einem „Karl Marx – Schauspieler“ an der Jugendherberge abgeholt und gingen die 20 Minuten zu „Porta Nigra“. Da die Gruppen allerdings recht groß waren, zog sich das etwas dahin, denn wir konnten Straßen nicht gemeinsam überqueren. Dort wurden wir an einen Stadtführer übergeben, der sicherlich was auf dem Kasten hatte, es aber nicht schaffte, die Kinder zu begeistern. Nach 20 Minuten bei nassen 2c° wurde den ersten Kindern (und Erwachsenen) sichtlich kalt, wir standen ja nur rum. Dann gab es zur Erfrischung einen eiskalten Sekt, genau das richtige, wenn man bei nasskaltem Wetter auf einem zugigem Platz fest friert.

Historischer Weinkeller mit offenen Stromleitungen in Reichweite von Kindern – besser nicht darüber nachdenken.

An dieser Stelle verloren wir die ersten Mitglieder unserer Gruppe, noch bevor es zum nächsten Halt weiter ging. An einem historischem Wirtshaus angekommen, gab es draußen (!) Glühwein und Kinderpunsch aus der Thermoskanne. Dieser hob die Gemüter der Erwachsenen, die Kinder waren aber damit nicht wirklich zu begeistern. Die nächsten Opfer blieben hier auf der Strecke. Nach mittlerweile 1,5 Stunden in der nassen Kälte führte es uns in einen vergleichbar gut temperierten Weinkeller, wo es einen Schluck Riesling gab bevor wir weitergingen zur Basilika für einen letzten Schluck weißen Glühwein. An dieser Stelle war dann auch der Letzte durch gefroren, allerdings war die Gruppe eh bereits auf ca. 30% eingeschrumpft. Nach gut 2,5 Stunden draußen mussten wir noch irgendwie zurück, was einige vor Probleme stellte, wenn man ohne Führung in einer nicht zu kleinen fremden Stadt den kilometerlangen Weg zurück finden soll und beinahe sämtliche Smartphones in der Kälte bereits aufgegeben haben.

Porta Nigra

Die meisten Probleme mit dieser „Weintour“ hätte man vermeiden können, wenn etwas besser kommuniziert worden wäre, was da eigentlich passiert und das es ausschließlich Draußen statt findet. Die meisten Teilnehmer waren schlicht falsch angezogen um stundenlang in der Kälte zu stehen. Ich übrigens auch. Die Kinder waren von dieser Tour nicht sonderlich angetan und auch bei den Erwachsenen war keine Begeisterung zu spüren, sondern nur Erleichterung, dass es nun vorbei war. Das hätte nicht sein müssen.

Am nächsten Tag bin ich mit einem Freund eine Etappe auf dem Eifelsteig gelaufen, von Kordel (Burg Ramstein) nach Trier, dazu in einem anderen Artikel später mehr. Für die anderen ging es zu einer „Porta Nigra“-Führung mit Zenturio. Diese Führung begeisterte Kinder und Erwachsene gleichermaßen und wurde uns Abwesenden mit leuchtenden Augen erzählt. Die Führung dauerte allerdings nur eine Stunde, für den Rest des Tages gab es für die Kinder sonst kein Programm. Als wir nach unserer knapp fünfstündigen Wanderung vom Eifelsteig pünktlich zum Glühwein am Lagerfeuer eintrafen, war der Glühwein allerdings gerade aus. Mieses Karma.

Abends wurden dann noch Filme gezeigt, im Raum „Kino“. Auch für die Filme musste man sich vorab eintragen, Elsa lässt schön grüßen. Der Kino-Raum war nicht wirklich die Bezeichnung wert, eigentlich schade, denn heutzutage kann man mit wenig Aufwand echtes Kino-Feeling zaubern. Wenn man sich allerdings nicht mal die Mühe macht eine Trapezkorrektur durchzuführen, kann man besser nen Fernseher hin stellen, vermutlich wäre auch der Ton über eine Soundbar besser gewesen, als eine lieblose 5.1-Installation, wo man den Punkt 1 vergessen hat.

Wein vom lokalem Winzer an Silvester

Am Silvester-Tag gab dann Filme ohne Voranmeldung in Dauerschleife über den gesamten Tag bis in den Abend hinein, zumindest kam der Beamer dann mal auf ein wenig Laufzeit. Parallel dazu gab es eine wirklich nette Zaubershow und Kinder-Schminken, beides kam bei den kleinen Gästen sehr gut an. Wir nutzen den Tag für einen kleinen Ausflug in die Stadt, andere gingen in Museen, oder schauten sich die Hinterlassenschaften der Römer an, die bisher zu kurz gekommen waren.

Abends feierten einige auf der offiziellen Party im Keller, andere saßen gemütlich im Bistro oder anderen Aufenthaltsräumen. Den Partyraum hatte ich mir nach den Erzählungen völlig anders vorgestellt, eher so wie den Raum in Prüm aber mit guter Musik, oder zumindest so wie in Leutesdorf, wo mir die Party wirklich gut gefallen hat. Die Party im Keller kam mir jetzt eher so vor wie dass, was man in den berüchtigten Partykellern der 80er so gemacht hat. Aber gut.

Essen und Bistro

Kommen wir zum wirklich großem Plus für Trier: Die Küche. So eine gute Küchen- und Serviceleistung hatten wir noch nie!

Das Personal war stets auf Zack, nie gestresst und sehr freundlich, es wurde rechtzeitig nachgelegt, es gab immer genug und es war stets sehr gut. Für mich gab es zum Frühstück glutenfreies Brot, Müsli und Brötchen von „Schär“. Alle Soßen und Kartoffelgerichte wurden glutenfrei zubereitet, nur um die Nudeln musste ich einen Bogen machen, dafür bekam ich eigene. Eine optimale Leistung für eine Jugendherberge, besser ging es nicht und da ich keinerlei Probleme hatte, waren die Angaben offensichtlich korrekt. Allerdings hatte ich die ganze Zeit bereits den Eindruck, dass die Küche wirklich gut Bescheid weiß. Außerdem gab es laktosefreie Milch und Sojamilch zum Frühstück, der Kaffee kam aus Vollautomaten, da war auch meine Frau sehr glücklich drüber.

Das Silvesterbuffet sah toll aus, beim Ambiente hatten andere Herbergen mehr zu bieten, aber das Essen war in jedem Fall oberste Etage und machte einiges wieder wett.

Zusammenfassung und Fazit

Was uns in Trier gut gefallen hat:

  • Sehr verlässliche Angaben zu Allergenen
  • Insgesamt sehr gutes Essen, sehr nette, top organisierte Küchencrew
  • Keine langen Warteschlangen beim Essen
  • Gute, glutenfreie Backwaren von Schär
  • Freundliches Personal, insbesondere auch die Reinigungskräfte
  • Schallabsorbierende Decken im Bistro und im Speisesaal
  • Schöne Räumlichkeiten und tolle Zimmer im modernen Teil des Hauses
  • Guter Wein vom lokalem Winzer, 11,90 Euro die Flasche am Silvester-Abend
  • Ausreichend Parkplätze
  • Freies W-Lan
  • Tolle Führung mit Schauspielern an der Porta Nigra

Was uns in Trier nicht so gut gefallen hat:

  • Das Programm war insgesamt sehr durchschnittlich
  • Sehr herunter gekommene, kleine Zimmer im Altbau
  • Die Organisation wurde zum Großteil an die Gäste oder Externe übertragen
  • Keine Möglichkeit für Gruppen gemeinsam zu Essen
  • Liebloser Kinoraum
  • Silvester-Party in einem unattraktiven Raum im Keller
  • Sehr kleine Kinderspielecke

Die Jugendherberge in Trier hinterlässt einen sehr gemischten Eindruck mit extremen Höhen und Tiefen, zumindest bei mir. Essen und Küchenleistung waren die beste, die wir bisher erlebt haben, mit Abstand. Die Unterteilung der Gebäude in Alt- und Neubau ist nachvollziehbar, den gleichen Zimmerpreis zu verlangen allerdings nicht, da die Unterschiede unfassbar groß sind. Der Herbergsleiter blieb wenig präsent, obwohl er eigentlich stets anwesend war. Das Programm war nicht optimal, die „Weinprobe“ in der Ausführung genau genommen eine Katastrophe, dafür war die Porta-Nigra-Führung außergewöhnlich und sehr unterhaltsam. Dass andere Familien uns zuvor von der tollen Party vorgeschwärmt haben, konnte ich nun nicht nachvollziehen, das war alles ganz O.K., aber wirklich nichts besonderes. Was mich wundert ist, dass man beim Programm nicht einen kostenlosen Besuch in einem Museum oder eine „richtige“ Stadtführung organisiert hat, bei der man sich bewegt und vielleicht einen Halt am Spielplatz der Basilika macht, wo die Erwachsenen Glühwein bekommen, das sollte in Trier doch nun wirklich kein Problem darstellen und hätte Erfrierungen vorgebeugt. So mal als Tipp an die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz. 😉

Nach sieben Jugendherbergen möchte ich die Gelegenheit nutzen, einmal eine Übersicht der Top-Leistungen zu geben:

  • Zimmer: Leutesdorf, ( und Trier im modernen Teil)
  • Anlage und Ambiente: Diez
  • Programm: Cochem
  • Essen: Trier
  • Getränke: Kaub
  • Bistro-Leistung: Trier
  • Party: Leutesdorf

Für das nächste Jahr steht Idar-Oberstein auf dem Programm, da mir aber der Aufenthalt in Trier, vom Essen abgesehen, nicht sehr viel Freude bereitet hat, kann es sein, dass ich Frau und Kind alleine auf die Reise schicke und diese Artikelserie hiermit endet. Wir werden sehen.

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