Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht zum Silverster-Programm in Diez 2017/2018

Grafenschloss in Diez

So langsam könnten wir T-Shirts drucken lassen, einige andere Familien haben das tatsächlich schon gemacht. Sechs Jahre fahren wir nun schon mit einigen anderen Familien über Silvester in eine Jugendherberge, wir haben nun einiges an Erfahrungen gesammelt, witzig ist, dass auch andere Wiederholungstäter sind und man sich früher oder später erneut über den Weg läuft. Erfahrungsaustausch steht bei solchen Begegnungen stets hoch im Kurs, Tipps für das nächste Reiseziel werden gerne angenommen ebenso Warnungen, wohin man besser nicht fahren sollte.

Auch wenn ich vorab etwas spoiler:

Die Jugendherberge in Diez kann man durchaus empfehlen.

Grafenschloss in Diez, Jugendherberge

Wer sich etwas umfassender über unsere Erfahrungen mit den Silvester-Programmen in den Jugendherbergen informieren möchte, kann gerne in meinen alten Berichten nachlesen, ich muss an dieser Stelle allerdings darauf hinweisen, dass sich Leitung, Küche und Programm durchaus ändern können. Soweit ich weiß hat zum Beispiel die Leitung in Prüm gewechselt. Eine solche Änderung Betraf auch uns in Diez, denn als wir das Silvesterprogramm gebucht haben, las sich das noch erheblich umfangreicher.

Über Silvester in eine Jugendherberge zu fahren, hat für Familien einige gute Vorteile. Einige Familien treffen sich auf diese Weise an einem zentralem Ort, wenn die Wohnorte weiter voneinander entfernt liegen. Wir treffen uns mit befreundeten Familien, die wir teilweise sonst nicht so regelmäßig zu Gesicht bekommen. Die Kinder können sich mittlerweile auf dem Gelände frei bewegen, so dass wir Eltern auch mal Zeit zum Reden haben, oder eben an Silvester etwas Party-machen möglich ist. An nicht angeleinten Kindern stört sich logischerweise niemand, ebenso wenig bereitet es Probleme, wenn es im Speisesaal mal drunter und drüber geht, denn alle sitzen irgendwie im gleichen Boot.

Anlage und Ausstattung

Die Jugendherberge in Diez befindet sich im „Grafenschloss“, einem echtem Baudenkmal von regionaler Bedeutung. Das Lahntal liegt im Rheinischem Schiefergebirge unmittelbar neben Limburg in der Nähe von Koblenz. Das Schloss entstand aus einer Burganlage des 11. Jahrhunderts und wurde von 1785 bis 1927 als Gefängnis genutzt. Einige Gefängnis-Türen und Elemente haben die umfassende Sanierung 2006 überlebt und dienen heute teilweise als Zugangstüren zu den Zimmern der Jugendherberge. Die gesamte Burg wird auf verschiedene öffentliche Arten genutzt, es gibt z.B. ein Trauzimmer des Standesamtes und ein Museum, die meisten Räumlichkeiten sind aber Teil der Jugendherberge. In der ehemaligen Kapelle ist das Bistro untergebracht, die Zimmer verteilen sich auf verschiedene Gebäude der anfangs etwas unübersichtlichen Anlage. Nach recht kurzer Eingewöhnungszeit findet man sich jedoch gut zurecht. Die Anlage ist wirklich schön und für Kinder ein Traum.

Die Zimmer und Flure sind teilweise recht eng, aber so was dürfte jedem klar sein, der sich auf einer Burg ein Zimmer bucht, dennoch waren wir ein wenig von den Stockbetten für die Eltern überrascht, das hatten wir seit Daun nicht mehr gesehen. Teilweise wurden Familien auf mehrere Zimmer verteilt, weil die Herberge bis zum letzten Zimmer ausgebucht war. Ein Umstand, der auch an andere Stelle etwas negativ auffiel.

Der Speiselsaal war akustisch gedämmt, was ein Segen ist, wenn man mal einen Speisesaal ohne Schalldämmung erlebt hat. Leider war der Speisesaal eigentlich nicht groß genug, wer an einem seitlichem Tisch saß, hatte keine Chance raus zu kommen, die Stuhllehnen der nebeneinander liegenden Tische berührten sich, da kamen nicht mal die Kinder durch. Es war schlicht und ergreifend eine Tischreihe zu viel im Raum. Die Reihe am Buffett verlief in Dreier-Reihen, glücklicherweise übte man diese Konstruktionen bei den mittelalterlichen Tänzen am ersten Tag. Das Bistro war sehr hübsch, leider war es die meiste Zeit geschlossen, wer am Nachmittag Lust auf einen Kaffee hatte, musste in den Ort runter gehen. Hier entging der Jugendherberge eindeutig reichlich Umsatz. Immerhin schaffte es die Jugendherberge alle Familien unserer Reisegruppe an einen Tisch zu bringen, leider ist das nicht selbstverständlich, dafür ein echtes Lob.

Die Zimmer waren leider nicht besonders sauber, die Lichtschalter und Griffe klebten teilweise, die Spinnen, die einen aus jeder Ecke beobachteten, zähle ich übrigens zum Ambiente. Auch die Betten waren schon durch, zahlreiche Latten heraus, die Türen klapperten bei jedem Luftzug, Steckdosen kamen in verschiedenen Zimmern aus der Wand,  für eine Ausstattung, die nur 10 Jahre alt ist, war das schon erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Chlorgeruch aus Daun mal vermissen würde, aber da waren die Böden wirklich sauber.

Programm und Party

Als wir buchten, gab es als Highlight eine Lama-Wanderung, die leider ersatzlos gestrichen wurde. Auch der Bastelnachmittag war aus dem Programmheft verschwunden,  das haben vor allem die Gäste vermisst, die nicht mit mehreren Familien angereist waren, denn das ist eine gute Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und eine Möglichkeit für die Kinder, sich in Ruhe kennen zu lernen. Was übrig blieb, war das Ritter-Programm und die Fackelwanderung durch den Ort.

Das Ritter-Programm wurde von externen Unterhaltern unterstützt, es gab unter anderem Bogenschießen, Speerwerfen, Armbrustschießen, mittelalterliche Tänze und weitere Spiele über den Tag verteilt. Das alles war sehr gut organisiert und machte den Kindern reichlich Spaß. An einigen Stationen musste man länger anstehen, aber das nahmen alle in Kauf. Am Abend gab es dann noch ein außergewöhnliches Abendessen. Die Stadtwanderung mit Fackeln wurde zu einer überraschend guten Stadtführung durch Diez, die allen gefallen hat.

Rittertag an Silvester in der Jugendherberge, Grafenschloss Diez

Wir haben an den anderen Tagen ein wenig Programm vermisst, da hatten andere Jugendherbergen viel mehr zu bieten, insbesondere Ausflüge oder vergleichbares gab es in Diez nicht. Ich bin alleine an einem Tag wandern gegangen, es boten sich der Lahn-Wanderweg und der Halfterweg an, ich entschied mich für den letzteren, was ein Fehler gewesen ist, dazu in einem anderem Artikel mehr. An meinem „Wandertag“ gingen die anderen auf einen schönen Waldspielplatz unweit der Burg, den meine Frau und ich durch Zufall entdeckt haben. Ein Hinweis aus der Jugendherberge dazu wäre sicher kein Fehler gewesen.

An einem Abend gab es Glühwein im Burghof mit „Lagerfeuer“ und an einem Nachmittag einen Film für die Kinder. Der Film war allerdings FSK6, dies war nicht vorab kommuniziert worden, viele Kinder wollten lieber wieder raus und konnten den Film nicht weiter gucken. Auch für unser Kind (6) war der Film grenzwertig spannend.

Die Party am Silvesterabend fand im Bistro statt, was für diesen Anlass eigentlich zu klein war, die Musikanlage war dem Raum nicht gewachsen. Bei den Räumlichkeiten hatte Prüm Maßstäbe gesetzt, bei der Musik war es eher Leutesdorf, was wir noch gut in Erinnerung hatten. Dafür gab es ein etwas professionelleres Feuerwerk der Jugendherberge, was schon mehr hermachte, als die drei Raketen in Leutesdorf. Worauf man eben so wert legt, mir persönlich wäre ein gute Musikanlage lieber gewesen, da in Diez ohnehin ordentlich geknallt wurde und man von der Burg eine grandiose Sicht auf den Ort hatte.

Essen und die Erfahrungen mit „glutenfrei“ und „vegetarisch“

Tja, es fing damit an, dass die Küche die Info über meine Zöliakie erst auf den letzten Drücker erhielt, obwohl wir dies mehrfach im Vorfeld mitgeteilt haben. Dennoch schaffte es die Küche einen glutenfreien Nudelauflauf am ersten Abend auf den Tisch zu stellen, so weit so gut. Das Frühstückbuffet war wirklich gut und erheblich besser, als in manch anderer Jugendherberge. Teilweise gab es hochwertigen Aufschnitt und auch laktosefreie Produkte. Ich bekam Brötchen oder Brot, zuerst von Schär, später Produkte, die ich nicht kannte und die leider auch nicht so gut waren. Die erste negative Überraschung hatte ich beim ersten Mittagessen, als man mir normale Fischstäbchen anbieten wollte, an diesem Mittag verließ ich recht hungrig den Speisesaal, denn die Alternative waren zwei eher kalte kleine Kartöffelchen mit Salat ohne Dressing.

Ich suchte das Gespräch, danach klappte es schon besser. Der Wille war da, das Wissen darum leider nicht, aber 50% sind schon besser als absichtlich durch Ignoranz meine Gesundheit zu gefährden, was zum Beispiel in Prüm der Fall war. Die Vegetarier hatten oft Probleme an ihr Essen zu kommen, es waren einige vor Ort und alle wunderten sich, wenn plötzlich irgendwo vegetarische Gerichte auftauchten, die zu Beginn nicht vorhanden waren. Nur leider hilft das beim Rausgehen nicht wirklich. Hier war das Personal einfach mit der Masse an Menschen überfordert und hatte schlicht nicht die Zeit derartiges zu kommunizieren.

Lässt man die „Sonderfraktion“ mal außen vor, war das Essen auf einem sehr hohem Niveau. Man merkte eigentlich so gut wie, dass irgendwie gespart wurde, ganz im Gegenteil. Das Silvesterbuffet glänzte nicht besonders mit einem „Highlight“ sondern war eher ein „normales“ Essen mit Tischdecken, was ich persönlich aber begrüßte, denn so war das Essen bei allen Gelegenheiten gut. Der Ritterabend (mit Bedienung) war besser als der Silvesterabend, so was ist uns bisher auch noch nicht passiert. An Silvester bekam ich ein eigenes Stück unpaniertes Fleisch und konnte vom Buffet Kroketten dazu nehmen, die tatsächlich glutenfrei waren. Ich konnte das gar nicht fassen und ließ mir sogar die Tüte zeigen.

Das Salatbuffet war die meiste Zeit eher spärlich, oft waren die Schüsseln leer, aber die Küchencrew kam manchmal einfach nicht mehr mit. Organisatorisch sollte man die Präsentation vielleicht noch einmal überdenken, die Warte-Schlangen waren teilweise abstrus lang.
Was mich gewundert hat: Es wurde nie aktiv Alkohol angeboten, zumindest am Ritterabend und am Silvesterabend verzichtete die Jugendherberge auf enormen Umsatz. Andere Jugendherbergen wie Cochem, Kaub oder Leutesdorf gingen erheblich offensiver an die Sache ran, ohne dabei zu übertreiben. Wir haben noch nie so wenig außer der Reihe konsumiert wie in Diez, dabei war der Wille auf unserer Seite durchaus vorhanden.

Auch wenn ich mich am Ende nicht wirklich über die Küche in Diez beschweren kann, denn ich hatte ja gesundheitlich keinerlei Probleme, ein Kind mit Zöliakie würde ich nie im Leben in eine Jugendherge schicken. Nach sechs Jahren steht leider fest, dass die Küchencrews damit eindeutig nicht umgehen können. In Daun und in Leutesdorf hat man sich mit Abstand am meisten bemüht, aber ohne meine aktive Mithilfe hätte es auch dort nicht geklappt.

Als Vegetarier, die Veganer schließe ich mal mit ein, sollte man zumindest leidensfähig und geduldig sein.

Blick auf das Grafenschloss in Diez

Zusammenfassung und Fazit:

Wir haben für vier Übernachtungen mit zwei Erwachsenen und einem Kind (6) insgesamt knapp 500 Euro mit Getränken bezahlt.

Was uns in Diez gut gefallen hat:

  • Der „Rittertag“ war gut organisiert und konnte begeistern
  • Insgesamt sehr gutes Essen, nette Küchencrew
  • Sehr nette Mitarbeiter
  • Gutes eigenes Feuerwerk
  • Schallabsorbierende Decke im Speisesaal
  • Schöne Anlage mit historischem Charme, tolle Aussicht
  • Gute glutenfreie Brötchen und Brot
  • Diez als Ort ist nett für eine Shopping-Runde

Was uns in Diez nicht so gut gefallen hat:

  • Das Programm war sehr knapp
  • Die Zimmer waren nicht sonderlich sauber
  • Das Bistro hatte erst abends geöffnet
  • Kostenpflichtiges W-Lan (14,95 Euro am Tag)
  • Schlechte Kopfkissen mit offenbar hoher Milbenbelastung
  • Kein Nebenprogramm für die Kinder
  • Für das Alter (2006 saniert) teilweise erstaunliche Abnutzungsspuren

Die Jugendherberge in Diez setzt den Standard beim Essen sehr hoch an, die Zimmer und die Bäder sind O.K., wenn man berücksichtigt, dass es sich um eine Burg handelt. Die Anlage selbst ist toll, allerdings zwingt die historische Substanz zu Kompromissen. Die Mitarbeiter waren insgesamt sehr zuvorkommend und freundlich, der „Schlossherr“ sichtlich von „seiner“ Anlage (zurecht) begeistert. Beim Abendessen war die Küchencrew durch die volle Belegung überfordert, die Vegetarier „übersahen“ oft ihr Essen, die Warteschlangen waren (unnötig) lang. Zwanzig Gäste weniger und die Sache würde erheblich runder laufen, aber das will man vermutlich einfach nicht, mehr Personal ist wohl auch nicht drin, würde aber auch die Probleme der Räumlichkeiten nicht lösen. Das Programm war leider unter-durchschnittlich, hier legen Cochem und Kaub die Latte unglaublich viel höher. Grundsätzlich kann ich die Küche in Diez für Zöliakie-Betroffene empfehlen, wenn man selber mitdenkt, stets kontrolliert und präzise nachfragt. Auch wenn der Ritter-Tag wirklich sehr nett war, es war das insgesamt schlechteste (kürzeste) Programm aller sechs Jugendherbergen.

Viele Familien haben uns übrigens Trier empfohlen, wir freuen uns dann mal auf den Besuch.

Ein Gedanke zu „Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht zum Silverster-Programm in Diez 2017/2018

  1. Pingback: Ruhr.Topcart 2018 – Vollzeitvater

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.