Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht Prüm 2014/2015

So langsam wird es zur Gewohnheit über Silvester mit befreundeten Familien in ein Jugendgästehaus zu fahren. Dieses Jahr ging es in die Jugendherberge nach Prüm, in dem Ort waren wir bereits, hatten es aber komplett vergessen, damals hatten wir eine Ferienwohnung auf einem Bauernhof in der Nähe gemietet. Nach Prüm reisten wir  mit vier Familien an, insgesamt waren wir 15 Personen, beim nächsten Mal könnte es noch eine Familie mehr werden.

Viel Schnee an Silvester

Viel Schnee an Silvester

Das gemeinsame Anreisen hat den großen Vorteil, dass sich die Kinder-Betreuung ein wenig aufteilt und man sich gut untereinander helfen kann, sei es mit Ausstattung oder nur mal eben den Löffel halten oder Rotznasen putzen. Die Kinder kennen sich bereits und können sich auf Anhieb gut beschäftigen, wer ein Buch vorliest, macht dies gleich für mehrere, das ist effektives Elternsein. 😉

Als wir in Prüm ankamen, gab es Kaffee und Kuchen. O.K., den Kuchen haben wir ausgelassen aber über den Kaffee haben wir uns sehr gefreut. Kurz darauf gab es die Programmvorstellung und die erste große Überraschung, denn die Jugendherberge ist auch Tagungszentrum und verfügt über einen großen Veranstaltungsaal, der wirklich toll ist. Nebenbei bemerkt gab es hier auch ausreichend Parkplätze, in Daun und Cochem die Jahre zuvor war das ein echtes Problem.

Das Programm las sich auf den ersten Blick nicht so überzeugend wie in Cochem, wo wir wirklich begeistert waren. Dazu später mehr. Direkt nach der Begrüßungsrunde ging es zum Abendessen, alle 140 Gäste gleichzeitig mit der ersten und nicht so tollen Überraschung.

Wir hatten gemeinsam gebucht und natürlich auch einen gemeinsamen Tisch für die Familien bestellt. Es stellte sich heraus, dass die vier Familien an vier entgegen gesetzten Ecken des Raumes saßen. Eine Familie sollte mit vier Personen an einem 2er-Tisch sitzen, wir saßen mit einer fremden Familie als Schikane im Laufweg vor der Tellerausgabe, eine echte Zumutung. Wir beschwerten uns, einzeln, gemeinsam, ohne Erfolg. Fast eine Stunde (!) redeten wir auf das Personal ein. Wir bekamen zum Beispiel folgende Sätze zu hören:

  • „Das ist doch toll, dann lernen Sie mal neue Leute kennen.“
  • „Zusammensitzen ist ein Sonderwunsch, wir können das nicht gewährleisten.“
  • „Die paar Minuten, in denen gegessen wird, müssen Sie sich ja nicht unterhalten.“

Tja, so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Denn wir wollten uns gerne untereinander vor allem beim Essen unterhalten und uns gegenseitig helfen. Am nächsten Morgen schaffte man es dann immerhin je zwei Familien an einen Tisch zu bekommen. Das ging dann, der Platz als Schikane vor dem Buffet wurde aufgelöst und die Familie mit den vier Personen bekam auch vier Sitzplätze. Meine Laune war da aber schon erheblich gesunken.

Am ersten Abend gab es Schnitzel mit Kartoffelgratin, ich hatte, wie die beiden Male zuvor, „glutenfrei“ bestellt, erwartete aber nicht allzu viel nach der Erfahrung in Cochem. Aber ich wurde positiv überrascht, ich bekam ein gutes Schnitzel ohne Panade, das Kartoffelgratin sollte ebenfalls glutenfrei sein und dazu gönnte ich mir einen Salat mit Dressing vom ordentlichen Salat-Buffet.

Das Zimmer war groß und modern, leider mit getrennten Betten, aber immerhin viel besser als in Daun. Die Sauberkeit war so lala, die Wollmäuse rannten bei jedem Luftzug über den Boden, die Spinnen in den Ecken schauten andächtig zu und die Stockflecken in der Dusche waren eher Stockflächen.
Im Zimmer fanden wir das alles noch nicht so wild, aber die „Spielecke“, die sich ohne Wände mitten im Flur befand, war, um es umfassend zu beschreiben: Siffig. Hier wünschte ich mir tatsächlich den Chlor-Geruch aus Daun zurück. Die Spielsachen waren verranzt, kaputt und dreckig, das kennen wir auch anders, denn beides war weder in Daun noch in Cochem der Fall. Dann stellt sich noch die Frage, wie der Platz von ca. 9 m² für ca. 60 bis 80 Kinder reichen soll. Andere Familien waren offenbar schlauer und mieteten sich einen Aufenthaltsraum, das werden wir in Zukunft auch so machen.

Da reichlich Schnee gefallen war, fuhren wir in das Schigebiet „Wolfsschlucht“ zum Rodeln, der Schibetrieb hatte noch nicht begonnen, denn es war der erste Schnee diesen Winter. Das konnte man auch gut an den Prümer Autofahrern sehen, die jetzt erst die Winterreifen aufzogen, ohne Schnee ist auch kein Winter. Wir hatten alle reichlich Spaß. Nachmittags hatte ich dann auf einmal ein Problem, ich war wie erschlagen, da dachte ich noch, es läge an der vielen frischen Luft. Dann kam die Migräne und die Myalgie-Schmerzen, dann der Durchfall. Drei Stunden dauerte es, die ich liegend im Bett verbrachte.

Die Jugendherberge in Prüm

Die Jugendherberge in Prüm

Die Sache war klar, ich hatte Gluten gegessen und zwar nicht zu knapp, denn so empfindlich bin ich nicht mehr. Einen derartigen Anfall habe ich bestimmt zwei Jahre nicht gehabt. Ich stellte die Küche zur Rede, aber man bliebt dabei, dass das Essen glutenfrei war. Ich habe danach das Vertrauen in die Aussagen verloren und ging keinerlei Risiko mehr ein. Das Brot zum Frühstück bringe ich eh inzwischen mit, jetzt organisierte ich mir noch etwas für die Hauptmahlzeiten. Das war mir nicht einmal in Cochem passiert, dann lieber ehrlich sein und mitteilen, dass man überfordert ist, das hätte mir zumindest den Nachmittag gerettet und mir erhebliche Schmerzen erspart. Ich war allerdings nicht der Einzige, der leiden musste, einen anderen Familienvater streckte es wegen einer Glutamat-Unverträglichkeit gleich zweimal nieder, das eine Mal an Silvester. Insgesamt waren sonst alle mit dem Essen zufrieden und es war an sich wohl eine Klasse besser als in Cochem. Fairerweise wurde der Glutamat-Gehalt auf dem Speiseplan angegeben, aber die verwendete Menge war wohl erheblich. Vielleicht hat es auch deswegen allen geschmeckt. 😉

Am Nachmittag war eigentlich Basteln angesagt, das machte dann meine Frau mit unserem Sohn alleine, denn ich lag ja flach. Später sah ich mir noch die Spiele-Olympiade an und versuchte mich im Teebeutel-Weitwurf. Der Filmabend lief zuerst nicht ganz nach Plan, die Beamer-Halterung an der Decke war leer, es wurde mit einem Provisorium gearbeitet. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass die Neu-Installation zu teuer wäre. Für ein „Tagungshotel“ eher peinlich, auch die Leinwand hatte schon bessere Zeiten gesehen. Der Film lief erst an, als wir den Vorspann zum sechsten Mal gesehen hatten. Einige Eltern waren da mit ihren Kindern schon wieder gegangen. Peinlich, auch an den anderen Abenden waren technische Pannen nicht selten. Der Satz: „Gesten hat das noch getan“ wurde innerhalb unserer Reisegruppe zum geflügelten Satz, immer dann, wenn etwas nicht mehr funktionierte. Ich würde dort sicher keine Tagung buchen. Unserem Sohn hat der Film gut gefallen, es war das erste Mal, das er überhaupt einen Film gesehen hat.

Auf dem Weg zur Wolfsschlucht

Auf dem Weg zur Wolfsschlucht

Am Dienstag gab es eine Wanderung zum nahen Kalvarienberg. Anders als in Daun, dachte man vorher an die Eltern mit kleineren Kindern und teilte die Gruppe sinnvoll auf. Die Stadtführung am Nachmittag mit „Basilika-Führung“ macht als Programmpunkt in Prüm eigentlich keinen Sinn,  Meine Frau meinte, dass Prüm sogar noch hässlicher wäre als Mönchengladbach, dies möchte ich nun nicht bestätigen, aber mein Sohn brachte es treffend auf den Punkt: „Hier gibt es nichts zu gucken.“ Später am Abend gab es dann Glühwein mit Lagerfeuer und Marschmellow rösten. Die Kinder hatten reichlich Spaß, so soll das sein.

Der Mittwoch war bei uns wieder dem Rodeln gewidmet, ich wüsste allerdings nicht, was wir in Prüm ohne Schnee gemacht hätten. Wir hätten noch kostenlos in das örtliche Schwimmbad gehen können, aber da wir alle leicht erkältet waren, haben wir lieber darauf verzichtet. Am Nachmittag gab es wieder Kaffee und Kuchen, zum Glück war es der Filterkaffee aus der Großküche, der wirklich ganz gut war. Der aus dem Bistro war tendenziell ungenießbar. Für mich gab es auf Nachfrage glutenfreie Mandelhörnchen, das war echt nett, es freute mich wirklich, denn ich wusste, dass ich vom großen Buffet am Abend nicht viel haben würde. Dann war es soweit, die Abendveranstaltung sollte beginnen.

Ballsaal der Jugendherberge in Prüm

Ballsaal der Jugendherberge in Prüm

Der Silvester-Abend

Im großen Saal waren runde Tische eingedeckt, das Buffet war hinten aufgebaut. Es sah toll aus, nach so einem Raum leckt sich jede Tanzschule die Finger, Parkettboden, Akustik-Decke und große Fenster. Die Akustik-Decke hätte sich auch im Speiseraum gut gemacht, da sollten die Planer mal dran denken, jeder neue Kindergarten hat so was mittlerweile, das macht auch in einer Jugendherberge Sinn. 😉

Ballsaal an Silvester in Prüm

Ballsaal an Silvester in Prüm

Zuerst gab es kein stilles Wasser, auch nicht aus dem Hahn, denn an diesem Abend sollten alle Getränke zusätzlich Geld kosten. In Cochem und in Daun war zumindest das sonst auch übliche Kranenburger kostenlos. In Prüm kostete das Glas stilles Wasser, nachdem wir uns massiv beschwert hatten, weil es keines gab,  für die Kinder je 1,60 Euro. Das fand ich jetzt insgesamt eher ungeschickt. Das Buffet sah gut aus, ich habe aber einen Bogen darum gemacht, der Koch war eindeutig nicht in er Lage sichere Auskünfte zu erteilen. Dafür hat er offenbar gut gekocht, es sah auch wirklich gut aus.

Ausflug zur Kasselburg

Ausflug zur Kasselburg

Ich hatte mich sehr darauf gefreut mit meiner Frau in dem schönen Saal einen Wiener Walzer zu tanzen, aber ich muss wohl an meiner Erwartungshaltung arbeiten, nicht nur beim Essen, sondern auch an der Abendgestaltung. Zwischen einigen „Hochzeitsspielen“ wurde tatsächlich Musik gespielt, aber ich kann leider mit roten Pferden, die von Anton aus Tirol mit Lassos eingefangen werden nichts anfangen. Für mich persönlich passte die Scheunenmusik so gar nicht zum Ballsaal, aber den Kindern hat es offenbar viel Spaß gemacht. Getanzt hat an diesem Abend so gut wie niemand, ich fand das sehr schade.
Eine Freundin hatte in einem Punkt allerdings recht, denn wir machen das für die Kinder und nicht für uns.

Am nächsten Morgen gab es eine aufgewertete Version des ohnehin ordentlichen Frühstück-Buffets. Den Tipp an die Küche mit den Waffeln, die bei unseren Kindern in Cochem so gut ankamen, wurde auch umgesetzt, leider in der fertig getüteten Variante. Die wollte dann doch keiner.

Wir blieben bis 11:00 Uhr im Speiseraum sitzen, die Zimmer sollten schon um 9:30 Uhr geräumt werden, für einige Familien nach einer Silvesternacht eine sportliche Zeit. Dann fuhren wir gemeinsam zur Kasselburg, Greifvögel und Wölfe anschauen und vor allem noch einmal frische Luft schnappen. Die Kasselburg lohnt einen Ausflug und hatte auch über Neujahr ganz normal geöffnet. Für die Kinder gab es sogar kostenfreien Eintritt, ohne zu verhandeln. Warum man im Programm auf dieses Ausflugsziel nicht hinweist, bleibt das Rätsel der Jugendherberge, dort wurde einem die kinderfreundlichen Ausflugsziele „Einkaufen in Luxembourg“, „Besichtigung einer Braurerei“ und „Besichtigung der Kirche“ vorgeschlagen.

Was uns in Prüm gut gefallen hat:

  • Der Schnee, an Silvester mit einer Wahrscheinlichkeit von 70%
  • Das Essen, auch wenn ich mich da heraus nehmen muss
  • Die aufgeteilte Wanderung
  • Der Ballsaal, der wirklich toll ist
  • Die Anzahl der Parkplätze

Was uns in Prüm nicht so gut gefallen hat:

  • Die Sauberkeit der Zimmer
  • Das Programm, denn ohne Schnee ist da nicht viel zu machen
  • Die Spielecke, die zugig und schmuddelig war
  • Ein fehlender Aufenthaltsraum, der grundsätzlich zugänglich ist
  • Dass selbst das stille Wasser an Silvester berechnet wurde
  • Dass man es nicht geschafft hat, die Familien an einen Tisch zu setzen

Hinweis: Ich kann jedem, der eine Nahrungsmittel-Unvertäglichkeit oder Allergie in der Familie hat, nur von einem Aufenthalt abraten.

2 Gedanken zu „Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht Prüm 2014/2015#8220;

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