Raspberry Pi 400 als Amiga-Ersatz mit RetroPi und Amiberry – Teil1

Meine letzten A500 und A600 habe ich 2007 bei bei Ebay für zusammen 55 Euro versteigert, heute wären die Geräte mit dem Zubehör ca. 1000 Euro wert. Jeder macht mal Fehler, denn ich habe immer wieder Spaß daran, alte Spiele aus meiner Jugend zu zocken, auch wenn diese heute technisch natürlich völlig überholt sind.

Aber „Pirates“ auf dem Amiga war immer besser, als auf dem PC.

In den letzten Jahren habe ich mir immer mit Emulatoren auf dem PC ausgeholfen, aber es ist nicht das gleiche. Auch wenn Spiele wie „Defender of the Crown“ im Simulator auf dem PC ganz gut funktionieren, andere tun es einfach eben nicht.

Der Wunsch nach originaler Hardware war daher immer bei mir präsent, aber mehrere hundert Euro möchte ich für den Spaß zwei oder drei Mal im Jahr dann doch nicht ausgeben. Für den C64 gab es moderne Nachbauten für nachvollziehbare Preise, aber für den A500 wird es das in absehbarer Zukunft nicht geben, leider, auch wenn einzelne Komponenten, z.B. sogar die Hauptplatine, mittlerweile neu aufgelegt erhältlich sind. Das ist aber nur was für Leute, die wirklich löten können, ich gehöre nicht dazu.

Raspberry Pi 400

Raspberry Pi 400

Bereits vor einem Jahr stolperte ich über den Raspberry Pi 400 und jemanden, der daraus eine Retrokonsole „gebaut“ hat, weil ihn das Design an einen A600 erinnerte.

Natürlich ist das alles dann auch „nur“ eine Software-Emulation, aber schon eine wirklich aufwendige. Da ich die Amiga ROM bereits besitze, stand dem also nicht viel im Weg, außer vielleicht der Lieferbarkeit. Immer wieder in den letzten Monaten schaute ich danach, aber bis heute war der Pi400 nie verfügbar.

Jetzt habe ich endlich einen „bulk“ ergattern können, also nackt, ohne Zubehör, was fehlte habe ich mir noch dazu kaufen müssen, preislich ist das aber alles noch im Rahmen. Auch wenn man einen leistungstechnisch vergleichbaren kompletten PC, wie meinen DELL Optiplex 755 mit Intel Core2Duo 7300 für weniger Geld bekommen kann, ist so ein Raspberry Pi 400 einfach ein Hingucker. Dass es bereits vorbereitete „Retro“-Betriebssysteme für den kleinen „All-in-One-PC“ gibt, macht die Sache natürlich viel interessanter.

Raspberry Pi 400, Anschlüsse Rückseite

Raspberry Pi 400, Anschlüsse Rückseite

Zu meinem kompletten Glück brauchte ich noch einen Competition Pro Joystick, der alleine mit 30 Euro zu Buche schlägt, aber der musste einfach sein.

Als Monitor sollte unser alter Fernseher, ein Viewsonic N2010, dienen, der ein idealer Partner für meine echten alten Amiga war und der mit seinem 20″ 4:3 Bildschirm in VGA-Auflösung, also 640×480 Bildpunkten, einfach passt. Er hat alles an Anschlüssen, was man für alte Kisten brauchen könnte: Scart, D-Sub VGA, YCbCr Audio (L/R), PC Audio, TV, AV/S Videosignal, YCbCr, AV-Video. Dabei ist der Fernseher bereits ein TFT und somit „flimmerfrei“, was ich als echten Vorteil gegenüber einem 1084S sehe. Hätte ich meinen originalen A500 mit 1084S von 1987 noch, den ich zu meinem 11. Geburtstag im Oktober bekam, würde ich das natürlich genau so weiter verwenden, habe ich aber leider nicht. Damals habe ich meine Eltern lange überreden müssen, mir den brandneuen und schweineteuren Amiga 500 und nicht den C64 zu kaufen.

Den 1084S Monitor habe ich später mit einem defekten VHS-Recorder in einen Fernseher verwandelt, damit ich spät abends heimlich „Knight-Rider“ und „NAM“ sehen konnte, ohne dass meine Eltern dies wussten.

Damals sah das bei mir im Kinderzimmer so aus:

Amiga 500 mit 1084S und 9-Nadeldrucker in meinem Kinderzimmer 1988.

Amiga 500 mit 1084S und 9-Nadeldrucker in meinem Kinderzimmer 1988.

1990 kaufte ich mir zusätzlich einen gebrauchten A2000 RevA mit Flickerfixer, XT-Board, 2MB RAM – Erweiterung, 20MB Festplatte und VGA Monitor und etwas später, ca. Ende 1991, hatte ich zusätzlich einen 386DX33 angeschafft, in der Oberstufe war es dann bereits ein 486DX2-66 mit 16MB Ram samt 3D-Karte und der Amiga war lange Zeit vergessen. Seltsamerweise existieren nur Fotos von den Amigas, nicht von meinen PC, vermutlich, weil es schon damals nichts besonderes mehr war, einen zu besitzen.

Amiga 2000 RevA, 1992 mit Flickerfixer, AT.Board und und Multisync Monitor

Als der A600 im April 1992 in den Zeitschriften vorgestellt wurde, glaubten meine Freunde und ich tatsächlich an einen April-Scherz, so lächerlich war das Preis-/Leistungsverhältnis gegenüber einem 386er, der in etwa ebenso viel kostete wie der „brandneue“ A600 mit einem 68000er Prozessor. Da hatte Commodore schon viele Nutzer (Gamer) wie mich verprellt, aber selbst ein A1200 mit 68020er für den gleichen Preis wie der PC hätte mich vermutlich nicht zurück geholt, es war offensichtlich, dass die Zeit für Commodore abgelaufen war.

Im Juni 1991 kostete ein Amiga 2000 (RevC) 1900 DM, das AT-Board 600 DM, das 5,25″ Laufwerk 200 DM, die 20 MB Festplatte 600 DM, die Flickerfixer-Karte 300 DM, der Multisync-Monitor 1050 DM, die 2MB-Ram-Karte 450 DM und 100 3,5″ Disketten gab es für 90 DM.

Das Gesamtsystem kostete also 1991 neu über 5000 DM, was heute in etwa dem gleichen Betrag in Euro entspräche. Ein Amiga 600 kostete im April 1992 ohne Zubehör 800DM, einen 386er DX bekam man für etwas mehr Geld, aber erheblich weniger, als man für einen A2000 hinlegen musste, und da hatte man dann noch keine Turbokarten im A2000 verbaut. Eine A2630 kostete im Herbst 1992 schlappe 1400DM, mehr als ein 386er Komplettsystem. Ich meine mein selbst gebautes 386er Komplettsystem hätte ohne Monitor damals 1000 DM gekostet, aber ich kann mich da irren. Der A1200 mit 68020er kostete dann zu Weihnachten 1992 immerhin „nur“ 900 DM, wenn man denn einen bekommen konnte, ohne Festplatte, versteht sich, für einen A3000 musste man aber immer noch über 3000 DM hinlegen.

Die Handhabung des Raspberry Pi 400 ist recht einfach, mit dem Raspberry Pi-Imager unter Linux Mint war meine vorhandene Micro-SD Karte kinderleicht mit dem Betriebssystem bespielt, ein Micro-HDMI auf HDMI Kabel hatte ich bereits rum fliegen und so konnte ich den Raspi direkt ausprobieren, nur mein Handy-Ladegerät musste ich dafür zweckentfremden, denn das Netzteil war noch nicht angekommen.

Zuerst installierte ich das originale Betriebssystem des Raspberry Pi 400 um das Gerät kurz zu testen und erstaunlicherweise lief alles auf Anhieb, die Verbindung mit HDMI funktionierte und auch die W-Lan Verbindung klappte direkt. Dass der kleine Rechner überhaupt keinen Muks von sich gibt, ist zwar logisch aber irgendwie etwas gewöhnungsbedürftig. Hoffentlich klappt das später mit dem Sound auch so gut, das konnte ich noch nicht ausprobieren. Denn den Sound bekommt man nur über Bluetooth oder den HDMI-Ausgang mit entsprechendem Adapter, der ist aber noch in der Post, ebenso wie der Joystick. Notfalls hätte ich auch mein USB-Headset nehmen können, das hätte vermutlich auch gefunzt, aber ich werde einfach die paar Tage noch warten.

Daher werde ich über die Eignung des Raspberry Pi 400 als Amiga erst in Teil 2 berichten können.

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