Plötzlich wieder Fotohändler

Mein 2. Fotogeschäft im Jahr 2006

Mein 2. Fotogeschäft im Jahr 2006

Mein eigenes Fotogeschäft habe ich bereits im Jahr 2007 wieder geschlossen. 1999 hatte ich mich noch während meiner Ausbildung selbstständig gemacht und ein vorhandenes, kleines Geschäft in Düsseldorf mit Hilfe eines Existenzgründer-Darlehen  erworben.

Die digitale Revolution der Fotografie hatte gerade erst begonnen, Mobiltelefone konnten bestenfalls mit „Snake“ auftrumpfen, Kameras in „Handys“waren zwar schon vorstellbar, aber noch so schlecht, dass niemand ernsthaft daran dachte damit irgendwann einmal Fotos machen zu können. Reine Digitalkameras gab es schon, teilweise mit halber VGA-Auflösung und die kosteten richtig viel Geld. Disketten waren das aktuelle Speichermedium der Zeit.

Das Geschäft meines Vaters in Düsseldorf

Das Geschäft meines Vaters in Düsseldorf

Innerhalb von nur wenigen Jahren änderte sich die Fotowelt komplett. Da ich viel jünger war, als die meisten anderen Fotohändler, konnte ich hier und da auch einige Vorteile daraus ziehen. Das Brot und Butter-Geschäft war aber nun einmal die Filmentwicklung und das brach erstaunlich schnell weg. Spätestens mit dem ersten iPhone 2007 wurde so ziemlich jedem klar, dass es fünf Minuten vor zwölf waren und der Fotohandel als Branche vor die Hunde gehen würde.

 

Einige Händler, wie auch mein Vater, investierten in digitale Mini-Labore, um mit den Drogeriemärkten mithalten und dem Foto-Großlabor sterben gelassen entgegen sehen zu können.

Dies waren aber sehr hohe Investitionskosten. In der Branche ging in den Jahren 2005 bis 2007 der Spruch rum: „Ohne digitales Minilab kannst du den Laden schließen, mit aber auch.“

Mein Vater kaufte 2006 gleich zwei Stück von diesen Anlagen, für zusammen knapp 230.000 Euro. Auf Kredit, bzw. Leasing.

Rechnung für Fujifilm Frontier Minilab 500

Rechnung für ein (!) Fujifilm Frontier Minilab 500 aus dem Jahr 2006.

Heute ist es nur noch ein großer Haufen Elektroschrott und Sondermüll, denn kaum jemand braucht noch ein 14 Jahre altes Mini-Labor mit Chemie-Entwicklungs-Einheit.

Ich konnte und wollte mir das damals nicht leisten, also machte ich die Bude dicht. Mein Vater klammerte sich an die Hoffnung, mit den Geräten weiterhin bestehen zu können. Er hat es noch eine ganze Weile geschafft, aber zu einem im wahrsten Sinne des Wortes hohen Preis, denn so musste er noch jahrelang seine Geschäfte weiterbetreiben, um die Kosten noch erwirtschaften zu können.

Da war er eigentlich schon längst in Rente.

Die Foto-Theke

Die Foto-Theke

Von den ursprünglichen acht „Topfoto“ Geschäften war zum Schluss nur noch eines in Düsseldorf übrig geblieben. Ein kleiner, aber hübscher Fotoladen.

Die Miete war hoch, die Umsätze niedrig. Da ich die Buchhaltung teilweise für meinen Vater erledigte, hatte ich einen groben Überblick. Das war alles eine ganz knappe Kiste. Da er als Langzeit-Selbstständiger nie in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hatte und obendrein privat krankenversichert war, konnte er nie aufhören zu arbeiten. Seine Rücklagen hatten die Geschäfte aufgefressen.

„Die Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns“ pflegte meine Steuerberaterin damals zu sagen.

Als nun mein Vater ganz plötzlich und ohne eine Vorwarnung verstarb hatte ich als sein einziger Erbe plötzlich wieder die Verantwortung für ein Geschäft mit mehreren Angestellten. Ich habe nie damit gerechnet das noch einmal machen zu müssen.

In den letzten drei Wochen habe ich  mich wieder etwas eingearbeitet und die Schließung des Geschäftes vorbereitet. Ich habe gesetzlich drei Monate Zeit den Laden abzuwickeln und eine Abschlussbilanz zu erstellen.

Das ist eine Menge Arbeit. Ich habe zwar eine Menge Kündigungen geschrieben, aber bisher hat sich kaum jemand gerührt. Die Banken haben die Konten geschlossen und ich bekomme erst wieder Zugriff, wenn ich das Eröffnungs-Protokoll des Testaments vorlegen kann.

Das kann noch eine Weile dauern.

Bis dahin bemühe ich mich den finanziellen Schaden für uns so gering wie möglich zu halten, was aber gerade im Februar nicht ganz einfach ist. Es ist der denkbar schlechteste Monat für einen Räumungsverkauf.

Unser Privatleben war nicht darauf ausgelegt, dass ich von heute auf Morgen wieder praktisch in beinahe Vollzeit arbeiten gehe. Wir haben keine OGATA für unser Kind gebucht und die Großeltern sind bei uns auch nicht in den Tagesablauf eingebunden.

Zwar habe ich mich erstaunlich schnell wieder daran gewöhnt, hinter einer Ladentheke zu stehen, aber es war schon eine sehr plötzliche und harte Umstellung. Aber ich kann es noch. Passbilder, Kasse und Kopien bekomme ich nun wieder hin, obwohl die Geräte mit denen von vor 15 Jahren kaum zu vergleichen sind. Das ging mir nicht gerade einfach von der Hand. Das Mini-Lab ist noch einmal eine andere Baustelle,  das werde ich in den nächsten Wochen, die der Laden noch offen bleibt wohl nicht mehr begreifen. Es ist aber auch nicht nötig.

Bis Anfang März bin ich jetzt also wieder Foto-Fachhändler mit eigenem Geschäft. Im März werden wir das Ladenlokal rückbauen und dann hoffentlich im April einen Strich unter diese Geschichte ziehen können.

Mein Vater denkt sich im Himmel vermutlich nun, dass ich ihm auch schon früher hätte mehr helfen können. Aber zum Glück fiel mir wieder ein, dass wir, nachdem ich mein Geschäft geschlossen hatte, genau darüber heftig gestritten haben.

Ich werde einfach froh sein, wenn der Laden leer ist, alle Verträge beendet sind und ich nie wieder hinter einer Fototheke stehen muss.

 

 

Ein Gedanke zu „Plötzlich wieder Fotohändler

  1. Liest sich traurig wenn so ein Lebenswerk dicht gemacht wird.
    Auf der anderen Seite kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein Foto Geschäft in der heutigen Zeit sehr schwierig profitabel zu betreiben ist…

    Ich wünsche alles gute und mein Beileid zum Verlust.
    Gruß Timo

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