Plötzlich selbstständig

Mit drei Jahren war Fahrradfahren kein Problem mehr. Aber mit sechs soll er nicht zur Schule fahren können?

Mit drei Jahren war Fahrradfahren kein Problem mehr. Aber mit sechs soll er nicht zur Schule fahren können?

Es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie schnell sich Kinder an neue Situationen anpassen können. Zumindest kann ich mit gutem gewissen behaupten, dass sich unser Kind schneller an den neuen Rhythmus gewöhnt hat, als ich.

Heute ist gerade mal der dritte „richtige“ Schultag und wenn ich ihn morgens am Tor abgebe, habe ich den Eindruck, er macht das schon seit Jahren so. Wir fahren nun doch mit dem Fahrrad zur Schule, der Wipproller erfreut sich nicht mehr der nötigen Beliebtheit, was mir persönlich auch ganz recht ist, mit dem Rad geht es dann doch mittelfristig schneller.

Es gibt genau zwei Kinder, die mit dem Rad zur Schule kommen. Zwei, in allen vier Stufen mit je zwei Klassen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Polizei auf dem Info-Abend ausdrücklich davon abgeraten hat, dass die Grundschulkinder mit dem Rad fahren.

Sorry, da bin ich grundsätzlich anderer Meinung und halte es sogar für fahrlässig Kinder davon abzuhalten. Es kommt mir vor wie ein Eingriff in ihre Selbstständigkeit. Zum Tag der Einschulung konnte unser Kind seit über drei Jahren Fahrrad fahren, aber zur Schule soll er das nicht können? Das ist länger als sein halbes Leben und nur wenig kürzer, als er laufen kann.

Außerdem begleite ich mein Kind ja (noch) mit dem Rad. Seit dem 01.01.2017 darf ich das offiziell auf dem Bürgersteig. Dies mache ich zwar nur an einigen kurzen Abschnitten, aber es erleichtert mir die Sache erheblich, denn Fahrradwege sind in Mönchengladbach entweder nicht vorhanden oder extrem schlecht und sehr gefährlich. Auf dem gesamten Weg von unserer Haustüre bis zur Grundschule ist nicht ein Meter offizieller Radweg. Das sind immerhin fast zwei Kilometer. Möchtegern #Fahrradstadt – Mönchengladbach.

Ein Dutzend weiterer Kinder reist mit einem Roller an, der Rest wird entweder zu Fuß, oder mit dem Auto gebracht. Die #Elterntaxis würden offenbar am liebsten noch auf den Schulhof fahren, obwohl nur 100 Meter weiter an der Schule vorbei ein großer Parkplatz ist. Die meisten fahren aber lieber direkt vor dem Tor zur Schule „mal kurz“ auf den Gehweg und gefährden so alle anderen Kinder.

Nach der Schule kommt unser Sohn recht entspannt nach Hause, mittlerweile isst er auch wieder, was ich koche. Das Convenience-Futter aus dem Kindergarten hatte über die Jahre erhebliche Nebenwirkungen, daher ist er mir ganz recht, dass er nicht in der Schule isst. Die ersten Hausaufgaben haben wir gestern zusammen gemacht. 40 Minuten hat das gedauert, die waren wirklich anstrengend. Das Kind glaubt mir nichts mehr, und während ich das schreibe höre ich meine Mutter lachen. Sehr laut lachen.

Abends hat sich der übliche Kampf um ins Bett gehen noch nicht gebessert, aber er schläft viel schneller ein. Die anstrengenden Tage in der Schule fordern wohl ihren Tribut.

Die ersten Freundschaften wurden auch bereits geschlossen, jetzt bin ich gespannt, ob auch einige Kinder in der Nähe wohnen. Über die Betreuung über Mittag lernt er auch Kinder aus anderen Klassen kennen, das finde ich super. Morgen ist der erste Elternabend, das wird sicher interessant, ich bin schon etwas neugierig auf die Eltern von den neuen Freuden des Sohnes, bisher hatte er stets einen ausgesprochen guten Geschmack bewiesen. 😉

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