Noch mal von vorn mit Ü40: Judo, JiuJitsu und Taekwondo

Budo-Pass (Judo-Pass) des DJB

Es ist jetzt etwas über 10 Jahre, da musste ich das Judo als Sport aufgeben, meine Fibromylagie machte das Training immer mehr zur Quälerei. Das traditionelle Jiu Jitsu hatte ich bereits zwei Jahre zuvor (2005) aufgeben müssen, meine Gelenke machten die zahlreichen Hebel nicht mehr mit und die Gelenkentzündungen machten es beinahe unmöglich effektiv zu trainieren.

Seit dem Verschwinden der Fibromylgie und der CFS durch die Ernährungsumstellung 2010/2011 habe ich nicht mehr anaerob trainiert. Im Fitness-Studio achtete ich stets darauf genug Puste zu behalten, Ausdauertraining machte ich nur im Pulsbereich bis 140, vermutlich habe ich das Gefühl der völligen Erschöpfung auch nicht mehr ertragen wollen. Vielleicht hatte ich einfach unbewusst Angst, dass es nicht mehr verschwinden würde.

Als unser Kind nun im letzten Jahr den Wunsch äußerte Taekwondo zu lernen, meldete ich mich kurzerhand ebenfalls an.

Taekwondo habe ich bereits einige Jahre in meiner Jugend trainiert, damals allerdings die „ITF“-Variante „Pon Do Kwan“, was ich als Kickboxen verstanden habe und rückwirkend auch so aus sah. Die Graduierungen werde ich daher alle neu machen, zusammen mit meinem Sohn, was ja auch einen gewissen Charme hat. Davon abgesehen war technisch nach 20 Jahren Pause auch nicht mehr viel übrig, von der Beweglichkeit ganz zu schweigen. Am Spagat arbeite ich aber nun wieder an bis zu vier Tagen in der Woche bis zu 30 Minuten, die Hüftbeweglichkeit ist irgendwie scheinbar komplett abhanden gekommen, vermutlich auch eine Nebenwirkung des Krafttrainings.

Das Taekwondo machte mir auf Anhieb wieder viel Spaß, im Verein ist eine gar nicht so kleine Gruppe Ü30-Anfänger und einige Dan-Träger, was das Training unterhaltsam gestaltet. Jetzt sind mein Sohn und ich beinahe ein halbes Jahr dabei, technisch wird es langsam merklich besser. Zwischendurch wird immer mal wieder „No-Gi-Grappling“ und „Selbstverteidigung“ trainiert. Ich muss gestehen, dies weckte bei mir den Wunsch nach mehr.

Whitebelt und Gi Jiu-Jitsu, (BJJ)

Durch Zufall hatte ich Kontakt mit einem ehemaligen Trainingspartner aus der Judosportschule Düsseldorf, der bei Facebook auf einem Foto einer „brasilianischen Jiu Jitsu (BJJ)“ Gruppe markiert worden war. Da ich seinem Urteil sehr vertraue, wollte ich mir das gerne ansehen und wurde nicht enttäuscht. „Bodenkuscheln“ hat mir schon immer mehr gelegen, als der Wettkampf im Stand, als Judoka war ich daher bei Wettkämpfen in meiner Jugend auch nicht sonderlich erfolgreich.

Der Trainer der „Caveirinha Jiu Jitsu Family Düsseldorf“ hat mich auf Anhieb „überzeugt“. Dass er keinen Judo-Hintergrund hat, macht es für mich noch interessanter. Vieles am BJJ kommt mir sehr bekannt vor, ca. 80% aus dem „Old-School-Judo“ was ich in meiner Jugend im DJB-Verein und später bei der verbandslosen Judoschule Prass gelernt habe, also kein am Wettkampf orientiertes Judo und dazu vielleicht 20% aus dem Jiu Jitsu, welches ich bei der Judosportschule in Düsseldorf als „Selbstverteitigung“ beigebracht bekam.

Die verschiedenen Begrifflichkeiten von Jiu Jitsu und auch die verschiedenen Schreibweisen können etwas irreführend sein. Mit 16 Jahren habe ich nach dem Judo eine Zeitlang Ju Jutsu trainiert, was aber vom Stil her überhaupt nichts mit dem Jiu Jitsu zu tun hatte, welches ich später in Düsseldorf kennen lernte, das brasilianische Jiu Jitsu hat wieder einen anderen Ansatz, kommt mir aber immerhin sehr, sehr bekannt vor. Wer dazu mehr wissen möchte, hier ist ein toller Artikel auf dem Judo-Blog von Tom Herold: „Mitsuyo Maeda, Judo und BJJ

 

Das Caveirinha Jiu Jitsu ist 100% Wettkampf orientiert, daher hat es mit dem Jiu Jitsu, was ich zuvor gelernt habe beinahe nur den Namen gemeinsam. Für mich persönlich ist es Ne-Waza-Judo auf hohem Niveau, was mich wieder zum Judo bringt, denn nach einigen Wochen vermisste ist die Nage-Waza-Techniken, also die Würfe, dann doch irgendwie.

Da ich schon gedanklich damit Probleme hatte für das brasilianische Jiu Jitsu nach Düsseldorf zu fahren, war die Rückkehr zur Judosportschule Prass zwar durch meinen Kopf gegangen, aber aus praktischen Erwägungen heraus vorerst gestrichen worden. Ganz einfach auch aus dem Grunde, dass es hier in Mönchengladbach einen Judo-Verein gibt, der sogar Kämpfer auf Bundesliga-Niveau ausbildet. Nicht, dass ich das noch vor hätte. 😉

Urkunde für Jiu-Jitsu der Judosportschule Prass in Düsseldorf

Der Judo-Verein (1. Judo Club MG e.V.) bietet an zwei Abenden „Breitensport“ an, nach dem ersten Abend bin ich mir sicher, dass ich hier fürs erste sehr gut aufgehoben bin. Es war erschreckend, wie groß der Unterschied in der Erinnerung zur tatsächlichen Motorik war. Zehn Jahre sind eben doch verdammt lang. Da ich aber bereits eine längere Pause im Judo hinter mir habe, weiß ich in ungefähr, wie lange ich brauchen werde, um in etwa wieder auf dem Level von damals zu sein.

Aktuell trainiere ich daher jede Kampfsportart nur einmal die Woche, um mich wieder daran zu gewöhnen, was extrem notwendig ist. Ganz schlimm ist es beim BJJ, da hier sehr viel Zeit mit Übungskämpfen verbracht wird. Im Grunde liege ich die ganze Zeit keuchend am Boden, aber auch hier wird es langsam besser.

Unter meiner Kleidung sehe ich ständig so aus wie ein Dalmatiner, aber es macht einfach auch irre viel Spaß.

 

3 Gedanken zu „Noch mal von vorn mit Ü40: Judo, JiuJitsu und Taekwondo#8220;

  1. Pingback: Ein Gruß vom Meniskus – Vollzeitvater

  2. Hallo Guido
    Habe diesen Block gefunden, weil ich nach Tae Kwon Do und Fibromyalgie gesucht habe. Habe mal vor 20 Jahren Tae Kwon Do gemacht, bin damals, da die Krankheit noch nicht diagnostiziert wurde, oft ausgefallen, war frustriert, weil zu oft und ungewöhnlich stark erschöpft, immer Schmerzen. Da hab ichs irgendwann dran gegeben. Kurz danach bekam ich die Diagnose, seitdem übe ich mein Leben so zu gestalten, dass ich das irgendwie alles hinkriege und ich habe kein Kind (bewundere dich, wie du das schmeißt). Jetzt habe ich überlegt, ob ich nochmal anfange, weil meine Muskulatur insgesamt zu schwach ist und ich keine Lust auf bl0ßes Krafttraining an Maschinen habe. Die letzten Tage habe ich hin und her überlegt ´, ob ich quasi als Oma (47J) noch mal in einen Anfängerkurs gehe. Aber jetzt, wo ich deinen Text gelesen habe, denk ich, ich sollte es noch mal versuchen. Danke für den Anstoß – wie ist noch mal die Fibromyalgie bei dir „verschwunden“?

    • Hallo Frau Smits, vielen Dank für das Kommentar, als Auslöser für meine Fibromyalgie gilt die Zöliakie, die allerdings erst mit gut 30 Jahren zu Tage trat. Nach einer strengen Diätphase nach der GfCf-Methode konnte ich auf eine „normale“ Zöliakie-Diät umsteigen, seitdem habe ich praktisch keine Symptome mehr. Kann man übrigens alles hier im Blog nachlesen. 😉

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