Neue Sichtweise

Heute Nachmittag waren Piet und ich einkaufen, wie so oft im Supermarkt um die Ecke. Ich mag es einkaufen zu gehen, für viele ist es eine echte Qual, ich mag es durch die Reihen zu stöbern und mir zu überlegen, was ich womit kochen könnte. Auch heute bin ich wieder fündig geworden, das Rezept gibt es dann später. 😉

Als wir in der Kassenzone ankamen, warf ich noch einen Blick auf die Angebote für Fisch im TK-Regal. Es war nur eine Kasse offen und reichlich Betrieb, kein Grund also sich zu beeilen. Als eine zweite Kasse öffnete, gab es einen kleinen Tumult. Eigentlich nichts ungewöhnliches, wenn da nicht ein etwas gereizter Kunde gewesen wäre. Dieser fühlte sich übergangen, denn es hatte sich jemand an ihm vorbeigeschummelt. Ja das ist ärgerlich – und mehr eigentlich auch nicht. Es ist gar nicht so lange her, da habe ich mich in beinahe der gleichen Situation befunden, ein älteres Ehepaar hatte sich von der Seite eingeschlichen. Klar, ein Spruch musste damals sein, leise.
Später habe ich mich über mich selbst geärgert. Es ist totaler Quatsch sich darüber aufzuregen, denn es bringt ja höchstens eine Minute, die kann man dem Anderen durchaus gönnen.

Einen Spruch brachte der übergangene Mann auch, allerdings sehr laut: „Das ist ja nun total asozial, was Sie da machen!“ Vermutlich wäre es das auch schon gewesen, aber wie gesagt, der gute Herr war recht gereizt. Nebenbei bemerkt war er gut 2,10 m groß und wog vermutlich an die 170 Kg, seine Stimme war ebenfalls dementsprechend. Die Stimmung kippte, es gab ein Gerangel mit Schubsen.

Ich weiß ja nicht, wie es anderen in solchen Situationen geht, aber bei mir schießt augenblicklich das Adrenalin ein, mein Puls geht rauf und meine Muskeln werden warm: Ich bin kampfbereit. In meinem Kopf gehe ich automatisch und völlig unbewusst die verschiedenen Möglichkeiten durch, wie ich diesen Brocken klein bekomme, ohne viel Arbeit und ohne permanente Schäden. Vor der Größe habe ich keinen besonderen Respekt, ich habe immer in der offenen Bärenklasse (plus 100 Kg) gekämpft und viele meiner Trainingspartner waren genauso gebaut. Vermutlich sind das die Spätschäden von 20 Jahren Judo, Pon-Do-Kwan (Kickboxen) und Jiu-Jitsu. 🙂

Aber eine Sache war ganz anders als früher. Ich hatte meinen Sohn dabei und es standen ebenfalls viele Kinder in den Schlangen, meist mit den Müttern. Früher hat mich so etwas überhaupt nicht interessiert, aber die Verunsicherung bei den Kindern war plötzlich für mich offensichtlich, die Mütter waren alle (berechtigter Weise) nervös und stellten sich schüzend vor ihre Kinder. Ich stellte mich in der Schlange des etwas überaggressiven Mannes an, so konnte ich ihn am besten im Auge behalten. Auf der einen Seite wollte ich eine erneute Eskalation auf jeden Fall vermeiden, auf der anderen Seite wollte ich aber auch die anderen Kinder so gut wie möglich schützen können, wenn er tatsächlich ausrastet. Das passierte jedoch nicht, er ließ seine Wut am Filialleiter aus und forderte Verkehrsleitpylone vor der Kassenzone, um Vordränglern das Handwerk zu legen. Muss am Wetter liegen. 🙂

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