Mit dem Fahrrad nach Zeeland

Auf die Idee brachte mich ein Minimalismus-Blog:

Urlaub ab der Haustüre, zu Fuß oder mit dem Rad ab in die Ferien.

Bisher habe ich stets einmal im Jahr ein paar Tage familienfrei genommen, was bisher meist ein wenig Wandern bedeutete.

 

Als ich von der Idee las, mit dem Rad in den Urlaub zu fahren, dachte ich direkt an unseren geplanten Aufenthalt am Campingplatz „De Pekelinge“ in Holland (Zeeland), direkt an der Küste in der Nähe zu Domburg und Oostkapelle. Da dieser im letzten Jahr durch den Unfall unseres Kindes nicht ganz so lief, wie geplant, wollten wir es in diesem Jahr noch einmal versuchen.

Radwege in Holland, Knotenpunkt-Wege

Radwege in Holland, Knotenpunkt-Wege

Ich wollte mit dem Rad drei Tage zuvor los fahren, meine Frau sollte mit Kind im Auto hinterher kommen. Drei Tage familienfrei und dann ein kleiner Familienurlaub.

Laut Tourenplaner hat die Strecke nach Oostkapelle von uns aus mit dem Rad gut 300 km, das sollte doch zu schaffen sein.

Die geplante Route führte mich über Roermond nach Nederweert, von dort über Belgien nach Etten-Leur und auf der letzten Etappe nach Oostkapelle. Ich buchte die Unterkünfte, packte meine sieben Sachen und fuhr los, komplett analog, mit Karte und ohne Smartphone oder GPS. Das machte ich bisher immer so.

Ab jetzt nicht mehr.

Für den deutschen Teil hatte ich keine Karte dabei, wir können Holland ja schon fast von uns aus sehen. Ich bog einmal zu früh auf den falschen Fernradweg ab und hatte bereits die ersten 10 Km Umweg erfahren, kaum war ich von der Haustüre weg.

Dabei regnete es ohne Unterlass.

Irgendwie schaffte ich es über die Grenze, von dort aus navigierte ich über die Knotenpunkt-Karten, was wirklich gut funktioniert. Durch das extrem schlechte Wetter mit viel Wind, kam ich viel langsamer voran, als erhofft. Nach sieben Stunden Regenfahrt mit Sturm kam ich in Nederweert an und musste feststellen, dass ich an der Unterkunft schlappe 15 Km vorbei gefahren war, auf der richtigen Route für den nächsten Tag, aber halt vorbei. Auf dem Weg zum privat gebuchtem Zimmer fuhr ich dann, mittlerweile völlig unterkühlt und genervt in die falsche Richtung. Bis ich es endlich kapierte, waren noch einige Kilometer extra auf dem Tacho. Gegen 8:00 Uhr abends kam ich an, ich hatte ohne Pause beinahe 9 Stunden auf dem Rad verbracht. Insgesamt fuhr ich statt 70 km satte 110 km. Toller Start.

Fernradweg in Belgien, immer am Kanal entlang.

Fernradweg in Belgien, immer am Kanal entlang.

Die private Unterkunft war nett, direkt am Radweg gelegen, das Frühstück super und ich hatte wie ein Stein geschlafen, trotz erheblicher Probleme mit meinem rechtem Knie.

Der Zweite Tag startete ohne Regen, immerhin, dafür hörte ich die Folgen der Regenfahrt mit meinem Rad. Die Kette und Schaltung hatten sehr gelitten und quietschen ohne Unterlass, die Gänge zu erwischen war Glücksache. Mein Gesäß fragte mich, ob ich total bescheuert bin und mein Knie beschwerte sich merklich.

Ich fuhr erneut die 15 Km vom Vortag über Nederweert nach Weert und dann über Belgien nach Ette-Leur. Zu Beginn lief es wie am Schnürchen, bis ich vor einem Stacheldraht-Zaun endete. Ich musste mich verfahren haben, wieder zurück zum letzten Knotenpunkt und noch einmal dem richtigen Weg folgen. Stacheldraht.
Bis ich begriff, dass der Baggersee, um den der offizielle Radweg verlief, sich bewegt hatte und den Knotenpunkt verschluckte, dauerte es. Ich suchte mir einen Weg durch die Botanik und fand auf der anderen Seite den gesuchten Kontenpunkt. Dazwischen konnte man, hinter dem Zaun, den alten Radweg noch erahnen. Einen neuen gab es leider noch nicht. Die zweite Etappe sollte 120 km haben, durch den erzwungenen Umweg wurden es 133 km. Das Hotel erreichte ich gegen 19:00 Uhr, losgefahren war ich um 9:00 Uhr, eine halbe Stunde habe ich Pause gemacht. Ich war wieder sehr langsam unterwegs, teilweise durch Schmerzen, aber meist einfach durch Erschöpfung.

Am Deich mit viel Wind, alternativ auf dem Deich mit noch viel mehr Wind.

Am Deich mit viel Wind, alternativ auf dem Deich mit noch viel mehr Wind.

Am nächsten Morgen konnte ich praktisch nicht laufen, zum Knie kamen jetzt Schmerzen in der linken Achilles-Sehne. Der erste Weg führte mich zur Apotheke. Gegen 9:00 Uhr war ich wieder unterwegs auf der letzten Etappe, ich schaute noch kurz auf die (holländische) Routen-Beschreibung und bekam einen Schlag: Im Kleingedruckten stand was auf holländisch, das ich so verstand, dass die Route eine Fährverbindung enthält, die nur im Juli und August fährt. Tada! Im Mai ist das doof.

Also, komplett neue Route auf gut Glück fahren, zwar mit Hilfe der Knotenpunktkarten, aber genau genommen, einfach der Nase nach. Immer wenn ich die Karte am Straßenrand ausbreitete, kam schnell jemand, um zu helfen. Das lief in etwa so:

„Wohin wollen Sie?“
„Oostkapelle“
„Heute noch?“
„Ja.“

„Oh.“

Die ursprünglich geplante Route war ca. 107 km, aber mir war klar, dass es wohl eher wieder 130 Km werden würden. Ich suchte daher die besten Verbindungen, leider kann man die Kanäle nicht an beliebig vielen Stellen mit dem Rad überqueren, was immer Umwege bedeutete. Ich kämpfe mich auf der Süd-Route bis Middelburg durch und fuhr dann nach Norden über Veere nach Oostkappele. Gegen 19:30 Uhr war ich dann am Campingplatz, 133 km lagen hinter mir, praktisch ohne Pause, 10 Stunden auf dem Rad.

Ich habe auf dieser Tour viel gelernt, über mein Rad, über mich, über die Radwege und Kontenpunkte.

Ja, ich würde es wieder machen, an vier Tagen, mit Fahrradnavi und GPS. Für ungeübte Leute wie mich, ist eine sinnvolle Grenze bei ca. 70 km am Tag. Alles über 100 Km am Tag sind einfach Quälerei, bei mir kamen noch viele Stunden Regen und Sturm dazu, aber die Durchschnitts-Geschwindigkeit ist gnadenlos in den Keller gegangen, ich dachte vor der Tour an 18-20 Km/h, es waren aber eher 13-15 Km/h, was die Fahrzeit enorm steigert. Am meisten ärgerte mich, dass ich weder Zeit für Pausen hatte, noch am Ankunftsort Zeit für Besorgungen und Sightseeing.  Die Orte hätten durchaus was zu bieten gehabt.

Nach vier Tagen am Meer konnte ich übrigens wieder ohne Schmerzen auf das Rad steigen.

Ein Gedanke zu „Mit dem Fahrrad nach Zeeland

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