Lord of the Flies

Den Titel habe ich, äh, sagen wir mal entliehen. Ich fand „Herr der Fliegen“ aber einfach extrem passend für diesen Blog-Beitrag. Alles begann letzte Nacht um halb zwölf, ich hatte die erste Schicht.

Ich betrat nichtsahnend das Zimmer von Piet, dann erwischte mich der Brechreitz eiskalt. Ich fühlte mich wie damals bei meiner ersten Asia-Reise nach Hongkong. Es passierte auf meinem ersten Ausflug in die Stadt, als ich mich spontan übergeben musste. Die Menschen, die in einer langen Schlange an der Fressbude an standen, sahen mich stinksauer an.

Diese Bude verkaufte frisch frittierten „Stinky Tofu“, für mich ein Gestank, den man nicht jugendfrei beschreiben kann.
Am gleichen Abend noch musste ich den besagten frittierten und vergorenen Tofu beim Geschäftsessen aus Höflichkeit runter schlingen, seitdem übergebe ich mich erheblich weniger bei schlechten Gerüchen.

Gestern Nacht musste ich an diesen Tag denken, in Piets Zimmer roch es ganz ähnlich wie vor dieser Bude. Ich kämpfte mich gegen den Gestank bis zu seinem Bett vor. Oje, er hatte Durchfall bekommen, den konnte nicht mal die Windel noch halten, lecker.

Durchfall ist bei Babys natürlich ein echtes Problem. Meine Frau musste um 2:30 Uhr das Gleiche durchmachen wie ich zuvor, auch eine Art von Gleichberechtigung. Den folgenden Tag hatten wir schon verplant, das sagten wir alles ab. Nach einem Telefonat mit dem Arzt war eigentlich klar, dass wir nicht viel machen können, außer Windeln wechseln und soviel trinken lassen wie möglich.

Meine Frau fününüte um mich herum, bis ich mich bereit erklärte, zum Onkel Doc hinzufahren, obwohl ich das für aussichtslos hielt. Was macht man nicht alles, um den Hausfrieden zu wahren.

Ab halb vier saßen wir dann, völlig relaxt und tiefen entspannt, in einem knüppel vollem Wartezimmer, mit lauter schreienden Kindern und genossen das Ambiente einer Arztpraxis. Um halb sechs waren wir dann im Sprechzimmer und nach zwei Minuten wieder draußen mit dem Ratschlag: „Viel trinken lassen, auch Milch.“

Aber es hatte den Zweck erfüllt, meine Frau war beruhigt. Außerdem hatten wir ja ein Rezept für Elektrolyte bekommen, welche wir der Milch beifügen sollten. Alles klar, kein Problem. Ich fütterte Piet und er trank ordentlich, na geht doch.
Eine Minute später musste ich duschen gehen, mein Sohn hatte mich bis auf die Unterhose mit Kotze durchnässt.
Das kann ja noch was werden diese Nacht. Auf das neu Anziehen habe ich dann größtenteils verzichtet, wir kommen ohnehin mit dem Waschen kaum mehr hinterher.

Die Elektrolyte, speziell für Säuglinge und kleine Kinder, hatten auch einen umfangreichen Beipackzettel. Natürlich liest man den durch, bevor man seinem Kind so etwas verabreicht. Darin stand unter anderem: „Für das Bedienen von Maschinen sind keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich.“ Da bin ich aber beruhigt, dass der Piet weiter Bagger fahren kann, wo er doch auch schon seine Steuernummer hat. 🙂

Es war noch etwas anderes seltsam heute. Bereits zur Mittagszeit war mir aufgefallen, dass wir einige Fliegen in der Wohnung hatten. Einige? Moment mal, ich mache eben mal eine kleine Bestandsaufnahme:

30 Fliegen, plus minus zwei, wo bitte kommen die denn alle her?

Es musste an Piets „Duft“ liegen, der überall in der Wohnung zu finden war.

Obwohl es eigentlich recht sauber bei uns ist, denn wir hatten gestern erst groß gemeinsam geputzt, legten wir direkt mal nach. Küche und Wohnzimmer waren bereinigt, die Wäsche in der Maschine. Dann kann das Fliegenmassaker ja starten.

Ich erledigte 8 Fliegen mit dem Handtuch, Kimba brachte es auf vier, natürliche Tote gab es fünf, meine Frau holte die meisten Kills. Allerdings hatte sie auch die beste Waffe. Mit dem Handstaubsauger fing sie die Fliegen regelrecht aus der Luft, mindestens neun wurden so erledigt. Wir steigerten uns in einen Rausch, bis alle sichtbaren Feinde eliminiert waren.

Da es Piet immer noch nicht besser geht, werden es wohl nicht die letzten Opfer dieses Krieges gewesen sein. Passend dazu sehen wir uns heute Abend den Film „Infestation“ an, der lag den neuen SFT bei, in dem Film geht es um die Invasion von Käfern, passt doch super.

4 Gedanken zu „Lord of the Flies#8220;

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