Kampfrichterlehrgang im Judo

Am Sonntag fand in Bonn ein Kampfrichterlehrgang im Judo statt, den ich zum einen für meinen Trainer-C Schein benötige, den ich im nächsten Sommer abschließen möchte, zum anderen ist der Kurs auch eine Voraussetzung, um beim NWDK, dem DAN-Kollegium des Landes NRW, die Prüfung zum ersten DAN abzulegen. Das habe ich lose auch auf dem Schirm für das nächste Frühjahr, es gibt da aber noch einige Variablen, die ich etwas schlecht einschätzen kann.

Die Regeln im olympischen Judo haben sich, seit ich mit acht Jahren damit angefangen habe, immer wieder verändert. Für meinen Geschmack nicht unbedingt zum besseren, wie ich finde. Daher kämpfe ich aktuell lieber im Regelwerk des IBJJF oder des DJJV -BJJ Ne-Waza-System, grundsätzlich fände ich auch die Freestyle Judo-Regeln interessant oder die des ADCC, hier habe ich aber noch nicht an Wettkämpfen teilgenommen. Alle diese Regelwerke erlauben mehr, als die aktuellen Judo-Regeln des DJB, was mir sehr gelegen kommt.

Insbesondere die völlige Freiheit in den Griffarten, die Möglichkeit Handgelenke und Beine zu hebeln und auch vom Stand in den Boden zu hebeln und zu würgen finde ich super. Vieles davon war früher im olympischen Sport-Judo ebenfalls erlaubt, aber bei weitem nicht alles.

Mein Judo hat sich durch die Erfahrungen im BJJ erheblich verändert und ist viel flexibler geworden und es verändert sich immer noch. Im BJJ habe ich von Anfang an im Blaugurt-Regelwerk gekämpft, aber mit dem tatsächlichen Erhalt des blauen Gürtels durch meinen Professor ändert sich das Rollen in der Schule mit den anderen höher Graduierten erheblich, denn jetzt gilt für alle, die die „advanced“ Kurse der Schule besuchen, das Braungurt-Regelwerk. Auf meine Handgelenke und Beine muss ich nun viel mehr aufpassen. 😉

Auf der anderen Seite habe ich in diesen Kursen weniger Hemmungen die Leute zu werfen, nicht jeder freut sich darüber. 🙂

Bei Judo Lehrgängen und Seminaren des NWJB (DJB) kommt diese Flexibilität meist nicht so gut an. Auch auf dem Kampfrichter-Lehrgang, bei dem eigentlich nur die Auslegung des aktuellen Regelwerkes erklärt wurde, hatte ich den Eindruck, dass man lieber weniger Techniken als mehr erlaubt. Die Gründe dafür bleiben oft schleierhaft, im Zweifelsfall muss das Verletzungsrisiko als Begründung herhalten. Es würde mich wirklich interessieren, ob sich die Top-Wettkämpfer im BJJ öfter verletzten, als die Judoka. Ich glaube eher nicht.

Für mich bleibt von der sehr komplexen Kampfsportart Judo im Wettkampf einfach zu wenig übrig, dass sich das auch auf das Training überträgt ist gar keine Frage. Da brauche ich mir die jungen Leute auf den Seminaren und Lehrgängen im Judo nur ansehen. Nach den Prüfungs- und persönlichen Wettkampftechniken wird die Luft plötzlich ganz dünn. Auf dem Trainerlehrgang waren einige, die haben meine Techniken praktisch aufgesogen, das Talent ist da, der Wille auch, warum macht man es dann nicht?

Das macht im Wettkampf keinen Sinn – habe ich oft gehört.

Gutes Judo ist es trotzdem und ob es im Wettkampf Sinn macht, bestimmt das Regelwerk. Kaum ein junger Judoka wird sich gegen einen BJJ-ler im Randori durchsetzen können, wenn das Regelwerk vom BJJ gilt.

Da gehe ich jede Wette ein.

Einige Judo-Vereine haben das erkannt und bauen BJJ-Systematik in das Training ein, im Idealfall mit einem Black-Belt, das hat aber Seltenheitswert. In unserem Umkreis hat es einer gemacht und umgesetzt, erfolgreich. Es ist einer der wenigen Vereine, der in diesem Jahr neue Mitglieder gewinnen konnte, nicht selten auch auf Kosten anderer Judo-Vereine von weiter weg. Da läuft wohl was richtig.

Die Kurse mit erwachsenen Anfängern in meiner BJJ-Schule sind voll – während kaum ein Judo-Verein, selbst die großen nicht, eine nennenswerte Zahl im Erwachsenen-Training vorweisen können, viele haben gar keine Angebote mehr für erwachsene Judoka.

Judo ist ein Kindersport geworden und das Regelwerk hat sicher dazu beigetragen. Judo hätte vom MMA-Boom profitieren sollen und können, stattdessen hat man sich mit stolzer Brust zurück gezogen und sagt, dass man lieber „richtiges Judo“ machen will.

BJJ-ler trainieren mittlerweile lieber Ringen als Judo, um ihr „Stand-Up-Game“ zu verbessern. Das sollte nicht passieren.

Judo ohne Anzug ist kein Judo? Man lernt auf jeden Fall eine Menge dabei, auch wenn ich es nicht besonders mag. Ich bin froh, dass wir in meinem Judo-Verein auch No-Gi trainieren, auch wenn ich gerne darüber jammere.

Welcher Judo-Verein macht das noch? Es wird sich kaum einer finden.

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