Instrumental aggressive Handlung

Der zweite Teil meiner Ausbildung zur qualifizierten Kindertagespflegeperson (zertifizierter Tagesvater/ Tagesmutter) ist erheblich anspruchsvoller, als der erste Teil. Genaugenommen hängt die Qualität der Ausbildung zum Großteil von einem selber ab, denn Noten gibt es nicht. Ob man im Kurs etwas mündlich beiträgt, oder nicht, ändert rein gar nichts. Ob ich die Unterlagen zu Hause noch einmal durcharbeite, oder eben nicht, interessiert bisher niemanden. Das Gleiche gilt für ergänzende Literatur, also Bücher, die sich mit Pädagogik beschäftigen.

Netterweise kann man viele Bücher bei unserer Dozentin leihen, das spart viel Geld und erspart so manchen Fehlkauf. Nicht alle Bücher sind meinem Geschmack und meinem Anspruch nach passend. Viele sind auf dem Niveau für Grundschulkinder und damit meine ich nicht die pädagogische Zielgruppe. 🙂

Ich musste da letztens an meinen Deutsch-Unterricht in der Berufschule denken, die ich nach dem Abitur besuchte. Ich hatte Deutsch als fünftes Abifach und Geschichte als LK, was auch wie Deutsch ist, nur ohne Goethe. Für die erste Stunde mussten wir ein Heftchen zur neuen, deutschen Rechtschtreibung kaufen, mit dem Titel: „Ich bin ein Delphin oder ein Delfin?“ Kein Satz in diesem „Unterrichtsmaterial“ war länger als Subjekt-Prädikat-Objekt.
Ungefähr auf diesem Niveau ist ein Drittel der Bücher, die uns im Kurs empfohlen werden. Ein weiteres Drittel wendet sich an „Laien“, also Eltern, diese Bücher sind teilweise recht gut. Es gibt aber auch einige Bücher, die wurden für Sozialpädagogen und Kinderphsychiater geschrieben. Davon habe ich gerade einige hier, das ist wirklich harter Stoff.

Das Lesen macht da nur bedingt Spaß.

Spannend wird es dann, wenn man einige Beispiele für Verhaltensweisen aus den Büchern gerade bei seinem eigenem Kind beobachten kann. Als wir am Dienstag in der Krabbelgruppe waren, hatte Piet noch seinen Beißring an der Jacke, er bekommt gerade einen Eckzahn. Diesen Beißring fand ein anderer Junge total spannend und griff nach diesem, da hing ja aber noch mein Sohn dran. Der schaute sich das einen Moment lang an, zog ebenfalls an der Kette für den Ring und als dies keinen Erfolg bracht, denn der andere Junge ist gleichalt, gleichschwer und motorisch gleich fit, schubste Piet ihn einfach um. Voila! Das nennt man eine instrumental aggressvie Handlung.

Daran merkt man, dass die Ausbildung doch ihre Spuren hinterlässt. 😉

Kinder bis zu einem Alter von 16-18 Monaten zeigen noch keine beabsichtigte Aggressivität, um einen anderen Menschen zu verletzen. Die Aggressivität der Handlung ist vorher immer Objektbezogen (instrumental), wenn andere Kinder dabei in Mitleidenschaft gezogen werden, ist dies ein echter Kollateralschaden. Piet ist also kein Sadist (Anhänger der lustvollen Aggression), sondern wollte nur den Beißring behalten. Die Entwicklung dieses Verhaltens ist auf das größere Autonomiebedürfnis zurück zu führen, ab dem Alter von 8-12 Monaten vergrößern die Kinder Explorationsradius und werden deutlich expansiver. Damit steigt leider meist auch die Anzahl der Verbote.

Verbote erhöhen die Frustration, das kennt wohl jeder. 🙂

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