Für eine Handvoll Gi’s

Für die meisten Kampfsportarten benötigt man einen passenden Anzug, dem japanischen angelehnt schlicht „Gi“ (Keikogi / Trainingsanzug, ganauer „Dogi“) genannt, oder „Dobok“ für die koreanische Bezeichnung. Üblicherweise setzt man die jeweilige Budo-Sportart noch davor, also zum Beispiel  „Judo-Gi“ oder auch „Karate-Gi“.

Dobok, Judogi, Bjj-Gi, mit Gürteln

Während meiner Kampfsport-(Zwangs)-Pause von knapp 10 Jahren habe ich beinahe meine gesamte „Ausrüstung“ verschenkt, ich musste und muss also einiges neu anschaffen. Für das Judo war es recht einfach, denn der von mir schon vor Jahren bevorzugte Judo-Gi von DAN-Rho war bei KWON immer noch im Programm, der „Sensei“ in 180M passt nach wie vor perfekt, die Qualität und der Preis stimmen auch noch. Mit rund 85 Euro ist eher im mittleren Preissegment, mit günstigen Judo-Anzügen habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Daher war klar, dass der „Sensei“ für mich die erste Wahl war, auch um ohne  Probleme beim brasilianischen Jiu Jitsu (BJJ) mit trainieren zu können.

Nun haben Judo-Gi aber im BJJ einige Nachteile. Zum einen ist der Schnitt viel weiter, was es dem Partner einfacher macht zu greifen und zu würgen. Zum anderen falle ich als „Judoka“ ungewollt auf, was ich eigentlich nicht möchte, denn so habe größere Chancen auf den „Takedown“ beim Rollen in anderen Schulen und vor allem natürlich beim Wettkampf. Davon abgesehen sind BJJ-Gi’s wegen der vielen möglichen „Patches“ und Farbvarianten einfach hübsch anzusehen.

Pink gibt es aber leider nur für Frauen, wer das als Mann möchte, muss es machen wie Gene LeBell und einen roten Socken mitwaschen.

Lesetipp: Gene LeBell, the sadistic pink gi Judo stuntman, born October 9, 1932

Einen BJJ-Gi zu kaufen war dann für mich erheblich schwieriger, als ich gedacht habe. Ich versuchte es mit einem „No-Name“ in A4 für gut 90 Euro, der war für mich eindeutig zu eng geschnitten, ich konnte mich kaum bewegen. Im BJJ ist es üblich die Körpergröße in cm minus 100 zu wiegen  – maximal. Da falle ich aktuell ein klein wenig raus, so um 20 bis 30 kg, ganz grob. 🙂

Ich probierte verschiedene A4 aus, wurde aber nicht fündig. Also machte ich mich auf die Suche nach einem in Größe A5 – was eine echte Herausforderung war. Ich ergatterte einen Restposten der Firma „Grips“ Typ Primero 2.0, die UVP liegt bei 120 Euro, bei „fight4less“ für preiswerte 60 Euro. Der Anzug ist nun tatsächlich einen Hauch zu groß, gefällt mir aber ausgesprochen gut in Qualität und Passform. Er ist viel (!) leichter, als meine üblichen Judo-Gi’s, sitzt aber ausgesprochen gut. Eine 60c°-Wäsche vermochte kein Einlaufen zu provozieren, was bei den DANRho Judo-Gi stets der Fall ist. Jetzt muss ich ein wenig sparen, denn ich möchte mir diesen Gi noch einmal in A4 zulegen. Qualitativ gefällt mir der Grips Primero so gut, dass ich diesen Gi sogar zum Judo anziehe.

Die leichten Anzüge (bis 500g/qm) sind nach der Wäsche auch viel schneller wieder einsatzbereit, mein blauer Wettkampfanzug von DanRho (950g/qm) braucht im Winter bis zu drei Tage, bis er wieder trocken ist.

Für die leichte Machart ist der Primero sogar erstaunlich stabil, zumindest hat er das Judo bisher ohne Probleme überlebt. Die Version 2.0 ist mittlerweile auch in A4 vergriffen, die aktuelle Version 3.0 ist nun für 90 Euro zu haben, was mir ein fairer Preis zu sein scheint. Die Grips Gi scheinen insgesamt etwas größer auszufallen, der A4 wird für 100 bis 125 kg angegeben, das kommt dann wohl auch gut hin.

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Und er passt sogar. #BJJ #Grips #A5

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Aber zuerst benötigte ich für die Prüfung im Taekwondo noch dringend einen neuen Dobok, mein alter Karate-Gi, auch von Kwon, war selbst mit Bleiche nicht mehr ansehnlich hin zu bekommen. Auch hier war die Passform ein Problem, die Anzüge in 180-190 cm bekam ich nicht mal über den Kopf, darin zu kämpfen war schlicht unmöglich. Kein Anzug von Kwon aus der aktuellen Dobok-Serie wollte passen, also griff ich auf einen preiswerten von „Depice“ zurück, der in dem Ruf stand zu groß auszufallen und siehe da, der passt mir sehr gut und ist sogar aus reiner Baumwolle.

Am Material scheiden sich die Geister, gerade im Taekwondo schwören vielen auf die Voll-Synthetik-Varianten, ich bin dafür aber nicht zu haben. Ich will Baumwolle, was dann schon schwierig wird. Die Baumwolle hat den Nachteil, dass oft die Farbe der Schutzausrüstung an dem Anzug zurück bleibt, nach einiger Zeit bekommt man diese selbst mit Bleiche nicht mehr weg. Mein alter Karate-Gi sah wirklich verboten aus.

Für das Training macht die Passform eher weniger Probleme, wenn es um Konformität nach Wettkampfregeln geht, wird es erst richtig kompliziert. Mit einem BJJ-Gi dürft ich auf einem Judo-Turnier nicht starten, umgekehrt kann es auch schwierig werden. Wer beiden Sportarten nachgeht, kommt um eine Doppel-Garderobe kaum herum und braucht sicher eine Hand voll Gi’s . 😉

 

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