Erweiterte Gedanken zur „Men’s Health Dad“

Vollzeitvater, lieber fit als fett.

Vollzeitvater, lieber fit als fett.

Ich lese sehr unregelmäßig Zeitschriften, aber wenn mich die Titelthemen besonders ansprechen, greife ich auch mal zu.

Bei der „Men’s Health Dad“ war die Sache etwas anders, denn die wollte ich auf jeden Fall lesen. Die „normale“ „Men’s Health“ lese ich hin und wieder ganz gerne, vor allem, wenn ich irgendwo warten muss, denn gekauft habe ich die selbst noch nie. Liegt vielleicht auch daran, dass ich von zumeist offensichtlich gedopten und geshoppten Fitness-Models auf dem Titelblatt nicht viel halte.

Das wäre dann schon mal ein guter Pluspunkt für die „Dad“, denn der Mann und Vater auf dem Cover hat etwas an. Wäre vielleicht auch zu seltsam, einen authentischen, halbnackten Vater zu zeigen. Wobei ich selbst meinen Entschluss zum radikalem Abnehmen getroffen habe, eben WEIL ich Vater wurde.

Ich wollte unbedingt ein fitter und kein fetter Vater sein. Aber das Thema ist ja heute ein anderes.

Welche Zeitschriften lese ich überhaupt gerne? Kurz in das Gedächtnis gegriffen und nachgesehen, welche Zeitschrift ich in meinem Leben bereits einmal abonniert hatte:

  • AMIGA-Games
    (Ja, ich bin tatsächlich „Lege-Diskette-11-von-12-ein“-Jahre alt.)
  • Video
  • Heimkino
  • SFT
  • Landlust

Die Liste ist sehr übersichtlich, aber im Grunde hat sich nichts an meinen Vorlieben geändert. Wie man sieht ist keine Fitness-Zeitschrift dabei, auch keine Auto-Zeitschrift, dafür ein handfestes „Frauen-Magazin“, zumindest, wenn man nach der Sortierung im Kiosk geht. Das hat auch Gründe.

Bin ich eigentlich die Zielgruppe der neuen Zeitschrift für Väter?

Bereits im Editorial wird klar:

Nein, bin ich nicht.

„Kind haben, Kerl bleiben“ steht dort als Motto, aber wie ich schon vor einiger Zeit festgestellt habe, bin ich kein Kerl mehr, sondern eine Mutti. Liegt eben am echten Rollentausch, den nur ca. 1 bis 2 % der Familien so durchziehen wie meine Frau und ich.  Eine Zeitschrift für 1% der Väter herauszubringen macht keinen Sinn, also sind offensichtlich die anderen 99 % der Väter eher die Zielgruppe.

Bevor ich heute die „Dad“ lesen konnte, hatte sich meine Frau die Zeitschrift schon geschnappt. Sie fand die Väter-Ausgabe der „Men’s Health“ „unterhaltsam“ und „gar nicht schlecht“, vermutlich passt sie eher in die Zielgruppe, denn ich lese schließlich auch „Brigitte Mom“ und die „Eltern“ ganz gerne. Auf die Idee käme meine Frau eher nicht.

Nun aber zum Inhalt. Auf Seite 12 die erste Überraschung. Dort steht eine wissenschaftliche Erklärung, warum unser Sohn zwei Jahre lang jede Nacht alle zwei Stunden gebrüllt hat und uns (mich) nicht schlafen lies: Er wollte tatsächlich verhindern, dass wir Sex haben, sagen zumindest Evolutionsbiologen. Ich hatte es schon immer vermutet, aber wenn das im Ernst seine Intention und sein Job war, hat er seine Sache sehr, sehr gut gemacht. Hoffentlich bleibt er in der Schule auch so hartnäckig.

Die ersten 22 Seiten fand ich sehr kurzweilig und ebenfalls sehr unterhaltsam, was den „Warum“-Teil mit einschließt. Hier werden alltägliche Fragen an Experten gestellt, die geben die meist typischen „Experten“-Antworten, die in den meisten Fällen eh nicht funktionieren. Aber einen Versuch ist es immer wert. Das Interview mit Frau Schwesig auch nicht schlecht, es wurden die richtigen Fragen gestellt. Danach folgen die großen Titelthemen, auf die ich nicht weiter eingehen möchte, das haben andere Blogger bereits sehr gut gemacht ich würde kaum etwas neues dazu beitragen.

Über den Teil „Wie sie heute Nacht noch ein Kind zeugen“ unter der Rubrik „Handgriffe für Väter“ haben sich unglaublich viele Leute im Internet aufgeregt und sind darüber hergezogen. Als ich den Artikel nun sah, musste ich lachen, der hätte auch auf eine Briefmarke gepasst. Wie kann man sich darüber aufregen? Ich hätte mir mehr gewünscht, denn auch wenn es bei uns sozusagen beim ersten Versuch gleich geklappt hat, haben wir doch Bekannte, die erheblich kreativer werden mussten. Ich bin mir sicher, auch heute Abend machen irgendwo in Deutschland im Ehebett Frauen einen Kopfstand. Nein, das soll nicht lustig sein. Ich wette, wenn in einer beliebigen Eltern-Zeitschrift stünde, dass man, um ganz sicher schwanger zu werden, bei Vollmond nackt durch den Park laufen soll, sehr viele Hundehalter sehr verstört nach Hause kämen. Zumindest bei Vollmont.

Also, liebe Redakteure, nicht weniger, sondern mehr davon, aber in Qualität, nicht auf einer Briefmarke. Grafiken braucht es  sicher nicht, das Prinzip dürfte allen klar sein. 😉

Ebenso wurde sich über die Windel-Anleitung in der gleichen Rubrik lustig gemacht. Warum eigentlich? Weil jedem klar ist, wie das geht?

Also ich habe die Anleitung auf der Umverpackung der Windeln anfangs intensiv studiert, meine Rezension bei Amazon zu einer Windelmarke mit Tipps zur Handhabung ist die beliebteste und „nützlichste“ die ich je geschrieben habe. Sicher nicht ohne Grund. Meine Mutter und meine Schwiegermutter haben es beide jeweils geschafft, die Windel bei unserem Sohn verkehrt herum anzulegen, obwohl heutzutage „vorne“ und „hinten“ drauf steht. Die beiden haben zusammen immerhin vier Kinder groß gezogen, auch wenn meine Frau und ich uns heute manchmal fragen, wie wir das überlebt haben. 🙂

Die Erzählungen und Erfahrungsberichte anderer Väter fand ich sehr gut, oft kamen auch Blogger zu Wort, die Aussagen sind eben authentisch und nachvollziehbar. Das ist genau der Grund, warum ich ebenfalls gerne die Geschichten anderer Väter (und Mütter) lese. Es hilft unglaublich dabei, zu verstehen, dass es anderen ebenso geht.

Nach den vielen, sehr negativen Rezensionen in der Presse, hatte ich keine sonderlich große Erwartungshaltung an die „Dad“. Ich wurde aber wirklich positiv überrascht, den meisten Inhalt fand ich absolut lesenswert. Für ein erstes Heft sicher eine sehr gute Gesamtleistung. Ich persönlich würde mir noch mehr Biss wünschen, wenn es um das Thema der Gleichberechtigung in der Erziehung geht, lest doch mal die Emma, liebe Redakteure.

Aber vermutlich tut soviel Ernsthaftigkeit dem Magazin gar nicht gut, der leicht verdauliche Stil ist ja sozusagen vom „Papa“ der „Dad“ geerbt, ein Grund, warum ich die Ausgabe ohne „Dad“ nicht kaufe. Ein wenig mehr Tiefgang hier und da, vor allem in der Rubrik „Handgriffe für Väter“ hätte ich mir schon gewünscht, dafür konnten die Lebens- und Erfahrungsberichte anderer Väter wirklich überzeugen.

Fazit: Kaufe ich die Zeitschrift noch einmal? Vielleicht … aber meine Frau auf jeden Fall.

Wunsch: Entfernt euch ein wenig mehr von den Stereotypen, das Geschlecht spielt eigentlich nie eine Rolle in der Erziehung.

 

2 Gedanken zu „Erweiterte Gedanken zur „Men’s Health Dad“#8220;

  1. Pingback: Es ist mal wieder „Liebster-Award“ | Vollzeitvater

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