Ein wenig Nostalgie

Nachdem mein Vater es ja erfolgreich in das Internet geschafft hatte, machte er nun die Bekanntschaft mit den Risiken und Nebenwirkungen des WWW. Ein Virus hatte sich eingeschlichen und die csrss.exe beschädigt. Antivir hat den Virus zwar erkannt, aber die Datei und einiges anderes war hin. Per Telefon war da nichts mehr zu machen, ich musste zu „Opa“ fahren.

Also schnappte ich mir Piet und mein Fahrrad-Gespann, bestehend aus dem Radon 9.0 Disc und dem Chariot Cougar, und machte mich auf den Weg nach Willich. Der Fahrradcomputer zeigte am Ende 21 Kilometer an, weiter, als ich gedacht hatte. Wir machten einen Schnitt von 18 Km/H, mehr ist auf der Strecke mit Hänger auch fast nicht drin. Es war richtig gutes Wetter mit etwas viel Wind auf freiem Feld, aber das ist zum Glück nur ein kurzes Stück.

Als ich bei meinem Vater auf den Bildschirm schaute, war ich schon etwas überrascht, dass der Virus so viel Schaden anrichten konnte. Da ich grundsätzlich mit so etwas gerechnet hatte, war das Problem in kurzer Zeit wieder behoben.
Dennoch zeigt es mal wieder, dass auch mit guten Vorsichtsmaßnahmen schnell ein Sicherheitsproblem entsteht.

Nachdem der „offizielle Teil“ erledigt war, wollte ich die Gelegenheit nutzen und in Willich zu meinem Friseur aus meiner Jugend gehen und Opa mit Enkel für eine überschaubare Zeit alleine lassen. Ich hatte erst beim letzten Besuch bei meinem Vater bemerkt, dass es den Laden tatsächlich noch gibt.

Der Friseur „Rapking“ hatte immer einen besonderen, kultigen Ruf bei uns im Dorf. Er ist ein echtes Unikat. Termine wurden nicht gemacht. Wer eine Uniform trug, wurde stets zuerst bedient, auch wenn schon vier andere gewartet haben. Männer, die längere Haare hatten als fünf Zentimeter, wurden in die Damenabteilung verwiesen. Ein Haarschnitt dauerte 45 Minuten oder keine fünf, wenn nach einem  selbst ein Offizier den Laden betrat, denn der sollte ja nicht so lange warten. Er schnitt grundsätzlich mit der Maschine und einem blanken Rasiermesser.

Um den Meister selbst zu treffen war ich nun, 15 Jahre nach meinem letzten Besuch, ein wenig zu spät dran. Der alte Herr ist mit 80 Jahren doch tatsächlich in Rente gegangen, das ist nun zwei Jahre her. Seine Tochter führt den Salon weiter, in alter Tradition, es hat sich beinahe nichts verändert. Toll.

Früher ließ ich mir einen „Flattop“ schneiden, das ist keine Glatze, sondern ein Militärhaarschitt, der auch unter einer Parademütze getragen werden kann. Dafür bin ich jetzt doch irgendwie zu alt, nachdem ich aus Willich wegzog, war es mir nicht möglich einen Friseur zu finden, der einen Flattop wirklich schneiden konnte. Gleich drei schnitten mir eine Glatze, danach gab ich es auf. Kurz trage ich meine Haare aber immer noch. Fünf und zwölf Millimeter, wobei dies bei Herrn Rapking immer halb so lang war, wie bei allen anderen Friseuren. 😉

„Sehr beliebt unter den Frisuren für Männer sind seit einiger Zeit die Militär Frisuren bzw. Militär Haarschnitte. Man kennt sie auch unter dem Namen Flattop oder Tyson Schnitt.  […] Wenn Du ein richtiger Mann bist, dann solltest Du mindestens ein mal in Deinem Leben einer dieser Frisuren getragen haben.“  Maennerfrisuren.org

Auch sonst hat sich dort nicht viel geändert. Zum Beispiel die Haarschneidemaschine, die von der Lautstärke her eher an einen Presslufthammer erinnert und mit einem Kabel ausgestattet ist, das mächtig nach Starkstrom aussieht. Wenn das nicht mal ein männlicher Haarschnitt ist. Nach wenigen Minuten war alles vorbei und ich verließ mit guter Laune den Salon.

Opa und Enkel haben die kurze Zeit alleine gut überstanden, ich kann also demnächst wieder öfters beim „Salon Rapking“ einkehren. Viellicht überlege ich mir das mit dem Flattop doch noch einmal. 🙂

3 Gedanken zu „Ein wenig Nostalgie#8220;

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