Ein neuer Lebensabschnitt

Neuer Toni und Opas alter Schreibtisch, Homeoffice vom Sohn.

Neuer Toni und Opas alter Schreibtisch, Homeoffice vom Sohn.

Der Sohn hat auf das Gymnasium gewechselt und, ganz im Gegensatz zu mir damals, ist er hochmotiviert und es gefällt ihm sehr gut. Er genießt die neue Freiheit selber mit dem Bus zu fahren, was für mich in den ersten zwei Jahren reine Folter gewesen ist. An zwei Tagen in der Woche bleibt er für die Hausaufgabenbetreuung in der Schule und kommt erst nach 16:00 Uhr nach Hause.

Zum Schulstart hat er eine neue Schultasche und ein eigenes Smartphone erhalten und trifft nun die Verabredungen mit seinen Freunden ganz alleine, oder er Video-Chattet über einen Messergendienst, auch mit dem PC geht er mittlerweile völlig selbstverständlich um, da hat das Jahr „Homeschooling“ kräftig nachgeholfen. Wir haben ihn nicht für den zusätzlichen MINT-Unterricht angemeldet, sondern für den Bi-Lingualen-Schulzweig, mittlerweile ist er auch überzeugt davon. Da er sich sich so gut Texte und Vokabeln merken kann, dass ich einfach nur neidisch sein kann, macht es ihm vermutlich etwas einfacher nun die Fächer Biologie und Erdkunde auf Englisch zu haben.

Gefühlt ist unser Kind in wenigen Wochen Jahre gealtert und reifer geworden.

Mir gibt das die Möglichkeit wieder nach einem Job zu suchen, denn er braucht mich nun einfach viel weniger als früher. Einige Bewerbungen habe ich bereits geschrieben, bin aber aktuell noch mit anderen Dingen sehr ausgelastet, daher war es hier im Blog in der letzten Zeit sehr ruhig.

In den letzten 8 Monaten war ich häufiger bei Ärzten als in den 10 Jahren davor und das natürlich nicht, weil es mir so viel Spaß macht.

Wie damals mit Ende zwanzig, als meine meine Polyneuropathie, die Myalgische Enzephalomyelitis (ME) und die Fibromyalgie voll zugeschlagen haben, legte ich einen Ärzte Marathon hin, der vor allem eines war: frustrierend.

Ohne meine sehr gute Hausärztin hätte ich schon recht früh kapituliert, da die Fachärzte mich, mal wieder, nicht ernst genommen haben. Erst eine Spezialklinik stellte nun die Diagnose, eine, über die man sich nun wirklich nicht freuen kann, aber die irgendwie auch Erleichterung bringt, denn nun weiß ich woran ich bin und welche Möglichkeiten mir offen stehen. Leider wirft diese Diagnose neue Fragen auf, die ich noch klären muss, hoffentlich geht es diesmal etwas leichter und schneller.

In den letzten Monaten habe ich diverse medizinische Fachbücher gelesen, frei nach einem Schulfreund von mir, der heute Prof. Dr. ist: „Wenn es dich interessiert, lies es, du musst dafür nicht an die Uni.“

Also habe ich gelesen, Fachbücher, Studien, Dr.-Arbeiten, Vorträge für Mediziner angesehen und Unterlagen der Universitäten für ihre Studenten bearbeitet. Eine Woche habe ich gebraucht, bis ich meine MRT-Bilder verstehen konnte, ich hatte mit meiner Hausärztin eine Wette gemacht, wie viele Treffer ich lande. Die Aufnahmen hatte ich direkt mitnehmen können, der Bericht dauerte aber einige Wochen und ging direkt an meine Ärztin, also habe ich selber aufgeschrieben, was ich gefunden habe. Ich habe nichts übersehen – und es war eine Menge.

Leider bringt das mehr Probleme mit sich, als man zuerst denkt, denn kaum ein Arzt kann glauben, dass der Patient genau weiß, was Sache ist, vielleicht sogar besser, als er selbst, denn außer mir hat sich niemand die Aufnahmen angesehen (ansehen wollen, denn dafür ist offenbar einfach keine Zeit).

Die Gespräche mit den Ärzten liefen daher, sagen wir mal, nicht so gut: „Sie sind ein sehr schwieriger Fall.“ – womit der Arzt vermutlich eher schwieriger Patient meinte. Vermutlich bin ich das auch, denn ich gebe mich mit: „Das ist alles Kopfsache“ nicht mehr als Diagnose so einfach zufrieden, ich habe mir das sehr oft anhören müssen und am Ende habe ich stets recht behalten. Nur hat man von „habe ich es doch gewusst“ nicht so viel, denn mir wäre es erheblich lieber gewesen, ich hätte unrecht gehabt.

Hollister VaPro Pocket

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Jetzt habe ich endlich eine Fachärztin gefunden, die mit mir auf einem passenden Niveau gesprochen hat und in der Lage war, die Diagnose der Klinik wirklich zu verstehen, hat ja nur vier Fachärzte und einige Monate gedauert.

Das kostet alles Zeit und viele Nerven und es wird trotzdem noch eine ganze Weile so weiter gehen, denn jetzt brauche ich noch die Diagnose einer weiteren Fachrichtung. Auch hier lese ich mich bereits in die Fachliteratur ein, auch wenn es wieder Schwierigkeiten verursachen könnte, ich will wissen, was los ist.

Wie ich dann damit umgehe, ist ein anderes Thema.

„Unsichtbare“, chronische Krankheiten sind einfach Mist, denn kaum jemand glaubt oder versteht wirklich, dass man ein Problem hat, die meisten Ärzte am Allerwenigsten.

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