Die Welt ist klein

Wir waren zu einem Geburtstag in Köln eingeladen, inzwischen haben wir ja Routine, was Tagesausflüge angeht, also alles in unser Auto gepackt und los. Es war eine von den Partys, auf denen man niemand außer den Gastgebern kennt, so etwas kann ja fürchterlich nach hinten los gehen und unglaublich langweilig werden.
Aber meine Frau und ich müssen dringend unter Leute, also gab es kein Halten.

Vor Köln standen wir im Stau, wo auch sonst. Was macht man, wenn man so im Stau steht? Also wir lästern gerne über andere Mitreisende in Fahrzeugen in unserer Nähe. Die hören einen ja nicht. 🙂

Meine Frau sagte: „Sieh mal, der schwarze Golf Kombi, da kann man auch schon am Kinderwagen das Geschlecht des Kindes erkennen.“

Das stimmte, so rosa, oder besser pink war der Buggy, darin kann man nur ein Mädchen spazieren fahren, ohne rot zu werden. Wir wollten weder blau noch rosa haben, mit nato-grün kann ich gut leben. In diesem Moment fiel mein Blick auf das Nummernschild, oh ein Düsseldorfer, der sich nach Köln traut. Moment, das Nummernschild kenne ich, das ist doch ein Arbeitskollege von mir. Dat jibbet nich. Als wir den Wagen überholten, stellte sich heraus, dass ich Recht hatte, übrigens hat mein Kollege ein wirklich süßes Mädchen, da geht dann auch rosa voll in Ordnung. 😉

Auf der Party angekommen, war schon sehr schnell klar, dass es ein schöner und entspannter Nachmittag werden würde. Alle Gäste waren nett und wir kamen schnell in interessante Gespäche hinein. Plötzlich sagte die Gastgeberin: „Hey, ihr hattet doch am selben Tag geheiratet, wir meine anderen Freunde, oder nicht?“

Öh, Mist, wann war noch mal der Hochzeitstag und warum zum Teufel weiß sie es und ich nicht? Das Summen in meinem linken Ohr wurde lauter: „UUUUND? Wann war unser Hochzeitstag, säuselte meine geliebte Frau.“

„10. November„, puh gerade noch gerettet, das Jahr wollte sie zum Glück nicht wissen. 🙂

Tatsächlich hatte das Paar, mit dem wir uns so angeregt unterhielten, am gleichen Tag im gleichen Jahr zur beinahe gleichen Zeit im selben Standesamt geheiratet. Zufälle gibt es.

Kurze Zeit später folgte die gefährliche Frage eines anderen Paares: „Wie läuft es denn so bei euch zu Hause?“

Die ehrliche Antwort kam synchron mit meiner Frau und in identischem Wortlaut und gleicher Tonlage:

„Wir nerven uns an“.

Es war auf einmal absolut still am Tisch, oh, ist wohl ein Tabu-Thema. 🙂

Dabei ist die Erklärung absolut simpel. Meine Frau und ich haben noch nie so lange zusammengehockt. Wir haben ja beide Vollzeit gearbeitet und hatten auch noch Hobbys, jetzt sind wir beide ständig zusammen und völlig übermüdet, so dass auch Hobbys und Sport kaum eine Chance haben. Na klar nerven wir uns an. Deswegen verbringen wir soviel Zeit wie möglich getrennt, jeder nimmt mal Piet, damit sich der Andere in dieser Zeit etwas entspannen kann.

Das versteht nie jemand, denn Piet ist außer Haus immer absolut lieb, aber wehe, wir kommen nach Hause, dann geht das Gebrüll und Genörgel los. Einen Preis muss man wohl bezahlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.