Die strengsten Eltern, wir sind?

Unsere Meinung betreffend Kindern und Medien habe ich bereits an einigen Stellen hier im Blog durchblicken lassen. An unserer Grundmeinung: „Kinder brauchen keine Medien, sondern die Eltern“ hat sich nichts grundsätzlich geändert. Für die Eltern ist es eben mal ganz nett, wenn die Kinder vor einem Medium geparkt werden können, auch wenn sich der Schwerpunkt mittlerweile verschoben hat. Seitdem unser Kind in der Kita ist, kann ich ja auch ohne Ablenkungs-Maßnahmen duschen gehen.

Bei uns galt lange Zeit die Regel: Der Fernseher ist aus, wenn das Kind an ist.

Lesetipp aus dem Blog: „Ab welchem Alter darf mein Kind mit meinem Handy spielen?

Mittlerweile ist das natürlich nicht mehr so, unser Sohn kommt im Schnitt in der Woche auf 22 Minuten Fernsehen am Tag, am Wochenende darf es hin und wieder etwas mehr sein, das wird dann aber gemeinsam zelebriert, dann machen wir eine „Filmung“.

Das letzte Einhorn, Laserdisc, FSK 6

Das letzte Einhorn, Laserdisc, FSK 6

Umso überraschter waren wir, als unser Kind von einem Kindergeburtstag kam und berichtete, dass dort die ganze Zeit fern gesehen wurde, also grob drei Stunden. Wir waren da doch sehr verwundert. Inzwischen wissen wir, sooo ungewöhnlich ist das wohl nicht. Mittlerweile ist das drei Mal vorgekommen:

„Die Lisa hat einen eigenen Fernseher auf dem Zimmer, mit DVD!“

Lisa ist, ebenso wie unser Kind, fünf Jahre alt und wurde an diesem Tag sechs.

Wir konnten es nicht fassen. Offensichtlich sind wir die seltsamen Eltern, glücklicherweise hat unser Sohn das noch nicht bemerkt. Wir dachten, damit hätten wir nun alles erlebt, was im Bereich Vorschulkinder und Medien so üblich ist. Aber irgendjemand setzt ja immer noch einen drauf.

Als unser Sohn zu einem Spielkameraden fuhr, dachten wir, die spielen dort zusammen, machen die Kinder hier ja auch gerne, wenn wir Besuch bekommen. Als wir ihn abholten, waren wir dann doch sprachlos. Unser Kind begrüße meine Frau mit den Worten: „Wir haben STAR WARS geschaut, den ganzen Film.“

Nein, ich schreibe hier nicht von „Star-Wars-The-Clone-Wars-Zeichentrick“, sondern vom richtigem Original, 1977, FSK 12.

Ich bin aus zwei Gründen geschockt:

  1. Jemand hat mir das Privileg genommen mit meinem Sohn das erste Mal Star Wars zu gucken, das ist eine persönliche Beleidigung.
  2. Zweitens hatte ich nicht damit gerechnet, dass dies in den nächsten 5 Jahren passiert. Der Film ist ab 12 Jahren empfohlen.

Die Eltern konnten unser Entsetzen überhaupt nicht nachvollziehen und waren geschockt, als wir erklärten, dass unser Sohn noch nie irgendeine Real-Verfilmung gesehen hat. Ihr Sohn schaut übrigens den Film schon, seit er vier ist, außerdem ist der Film doch schon total alt, meistens schaut er alle Teile nacheinander. Ach so, na dann.

Meine Frau und ich haben hier sicher eine Stunde lang diskutiert, wie wir damit umgehen. Selbstzweifel inklusive, sind wir wirklich die strengsten Eltern der Welt, wie uns von verschiedenen Seiten, inklusive meiner Mutter (!) und den Kita-Erzieherinnen, nahe gebracht wird?

Vor wenigen Tagen habe ich noch mit einer anderen Familien-Bloggerin über Twitter diskutiert, ob ich unserem Kind „Das letzte Einhorn“ zumuten kann. Jetzt hat er schon Star Wars gesehen, unser Kind, das einige Folgen von „Pornyville*“ nicht gucken mag, weil diese zu spannend sind.

Wir haben übrigens letzte Nacht nur wenig geschlafen, dafür haben wir einen Plan ausgearbeitet: Wenn das Star-Wars-Kind das nächste Mal zu Besuch ist, werfe ich „ALIEN“ an, der Film ist schließlich auch so alt wie Star Wars und hat ebenso viele Teile.

4 Gedanken zu „Die strengsten Eltern, wir sind?#8220;

  1. Alien ist die richtige Entscheidung.
    Wobei ich selbst bei vier Jahren zu einer Stunde Kika oder altersgerechten Dvds tendiere. Aber ich behaupte einfach mal: Zwei Kinder gucken mehr Fernsehen als ein Kind und drei Kinder mehr als zwei. Der Aufräum und Organisieraufwand steigt einfach an . Unterm Strich würde ich die Besuchsfrequenzen in den Haushalten minimieren. Besonders wegen der FSK. Wahrscheinlich ist der Fernseher mancherorts nicht mehr als ein Radio das nebenbei läuft und nicht anstrengender als ein Handy das regelmäßig vibriert weil irgend eine C-Klasse Information sich bemerkbar machen will.

    • Hm, dann läuft bei uns was falsch: Wir haben drei Kinder (7, 4 und 2 Jahre) und keinen Fernseher. Ab und zu (im Durchschnitt ca. 20 Min. pro Woche) dürfen die Kinder einen Filmausschnitt auf dem Computer schauen. Bei Kindergeburtstagen haben sie noch nie bei Freunden fern gesehen, ansonsten bei Besuchen immer nur nach Rücksprache mit uns; aber das ist höchst selten.
      Ich denke, das liegt dran, in welcher Nachbarschaft man wohnt. Wir wohnen in einer süddeutschen Unistadt, da sind wir mit unserem Modell, keinen Fernseher zu haben, keine Ausnahme (Was jetzt nicht überheblich klingen soll!)
      Ich finde, gegen maßvollen Medienkonsum ist gar nichts einzuwenden. Der Hauptgrund, weshalb wir keinen Fernseher haben, ist, dass wir als berufstätige Eltern mit drei Kindern selbst gar keine Zeit haben zum Fernsehen.

  2. Ich kann die Meinung von Anna nur unterstützen. Im Sommer schauen unsere Kinder (3, 5, 7) höchst selten Fernsehen. Weil es einfach so viele andere schöne Dinge gibt, die man machen kann. Wenn es im Winter dann mal sehr langweilig ist, machen wir auch mal einen schönen Kinonachmittag mit den Kindern. Aber das ist für unsere Kinder etwas sehr Besonderes und sie wissen das auch dementsprechend zu schätzen. Fernsehen, wenn andere Kinder zu Besuch sind oder unsere Kinder andere Kinder besuchen, gibt es überhaupt nicht. Dann brauche ich auch keinen Besuch einzuladen… Unsere Freunde handhaben das ebenso. Ich beobachte immer mehr, dass dieses Parken der Kinder vor dem Fernseher sehr abhängig ist von der jeweiligen Bildungsschicht… Und die Ausrede, dass man die ganze Organisation sonst nicht schafft, ist einfach zu billig. Wir haben drei Kinder und sind beide berufstätig…

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