Das vierte Kinder-Fahrrad

Bulls Kinderrad 24″

In den letzten Wochen wurde klar, unser Kind benötigt ein größeres Fahrrad.

Dabei hatte er doch gerade ein größeres bekommen, oder ist das doch schon wieder länger her?

Wir hatten das letzte Mal sehr günstig ein Kinderrad (20 Zoll) von Pegasus gebraucht erwerben können, 50 Euro waren das nur und der Zustand war erstaunlich gut. Das zweite Fahrrad von Puky mit 18 Zoll hatten wir neu gekauft, da es schon nach einem Jahr zu klein war, haben wir uns gesagt, dies machen wir sicher nicht noch einmal, wenn es sich vermeiden lässt. Sein erstes richtiges Fahrrad hatte noch 12 Zoll Reifen, darauf lernte er Radfahren, als er drei Jahre alt war. Jetzt sollte es ein 24 Zoll-Rad werden.

In Holland waren wir immer wieder überrascht, was für toll ausgestattete Kinderräder dort zu sehen waren, nicht nur auf dem Campingplatz, sondern auch in den kleinen Fahrradläden. Solche Räder sahen wir in Deutschland praktisch nie. Ich kann mich gut erinnern, wie ich mit einem Freund staunend vor einem Schaufenster stand, zu sehen gab es ein Kinder-Rennrad, 24 Zoll Räder, 21 Gänge Shimano-Schaltung, Scheibenbremsen, hydraulisch und auch sonst gute Komponenten. Gut, 600 Euro sollte das kosten, aber so was hatten wir als Kinderrad noch nie gesehen und den Preis empfanden wir als durch aus angemessen.

Hier in Mönchengladbach schließen gerade zwei große Fahrradläden, auch meine Lieblingswerkstatt. Das nahmen wir zum Anlass uns die hiesigen Kinderräder anzusehen. Was folgte, war Ernüchterung.

Bulls Kinderrad 24 Zoll

Für 500 Euro gab es Lichtanlagen aus den 80ern, Billig-Mäntel, 80er-Katzenaugen, einfache Zugbremsen, Billig-Schaltungen mit Billig-Griffen. Vor allem die Licht-Anlangen mit altertümlicher Birne und Seitendynamos ließen mich staunen, da ist seit meiner Kindheit nicht viel passiert, bei den Bremsen auch nicht und dafür dann 500 Euro? Für einen Hunderter mehr gab es dann schon mal Narben-Dynamos und LED-Licht. Gepäckträger waren meist Mangelware, von der Unterscheidung zwischen Mädchenrad und Jungenrad rede ich besser mal gar nicht, aber was bitte soll der Quatsch?

In Holland gibt es für Kinder genau einen Rahmen, der zwei (!) Gepäckträger fest integriert hat, einen für den Tornister hinten und einen für die Sporttasche vorne, das ganze ab 250 Euro, dies ist sozusagen dort das Standard-Kinderrad.

Das hätten wir gerne genommen, aber der Sohn wollte (aus welchem Grund auch immer), lieber ein sportliches Rad, am besten ein Mountain-Bike. Damit fiel das wirklich hübsche Holland-Kinderrad leider raus.

Nach einiger Recherche fand ich dann im Online-Handel tatsächlich Kinder-Fahrräder, die grundsätzlich in Frage kamen, die Auswahl war aber erstaunlich klein. Was wir wollten:

  • gute Bremsen
  • Fahrrad-Ständer
  • Nabendynamo
  • LED-Licht mit Standfunktion
  • Sportlicher Rahmen, bzw. sportliche Sitzposition
  • Gepäckträger
  • Schutzbleche

Hört sich nicht schwierig an? Für Erwachsene bekommt man das schon für 200 Euro, kein Problem. Für Kinder?

Folgende Modelle kamen in die Auswahl:

  • Bulls Zarena Street 24 (600 Euro), 7-Gänge Shimano Nexus, Narben-Dynamo, LED, Federgabel, Schutzbleche
  • Bulls Tokee Street 24 (480 Euro), 18-Gänge Shimano Tourney, Narben-Dynamo, LED,  Federgabel, Schutzbleche
  • Cube Kid 240 Allroad (440 Euro),  21-Gänge Shimano Alto, Narben-Dynamo, LED,  Federgabel, Schutzbleche
  • Cube Kid 240 Street (430 Euro),  21-Gänge Shimano Alto, Narben-Dynamo, LED,  Starrrgabel, Schutzbleche, GEPÄCKTRÄGER
  • Winora Dash (400 Euro), 21-Gänge Shimano TX, Narben-Dynamo, LED,  Federgabel, Schutzbleche, GEPÄCKTRÄGER

Es gab noch einige „Citybike“ -Varianten, die ähnlich dem Winora Dash waren, aber unser Kind hatte ja etwas „sportliches“ im Sinn, daher war die Entscheidung eigentlich nur Cube oder Bulls.

Leider gab es Scheibenbremsen nur in Verbindung ohne StVZO-Ausstattung. Warum weiß nur der Himmel oder der Produktmanager. Die Sache mit dem Gepäckträger war auch schon schwierig, aber den kann man zumindest nachrüsten, ohne größere Umbauten vorzunehmen, mein eigenes Bulls Cross Disc habe ich auch „nachgerüstet“.

Bulls Kinderrad 24 Zoll, Tektrp V-Brake

Da unser Kind täglich damit zur Schule fährt und er bisher beinahe jährlich ein neues Rad brauchte, wollten wir kein neues erwerben. Dafür waren uns Preise jenseits von 400 Euro einfach zu viel und er sollte es nicht als Geburtstagsgeschenk bekommen, sondern einfach so, da wir es als Gebrauchsgegenstand betrachten.

In den Kleinanzeigen wurden wir tatsächlich fündig, wir kauften ein Bulls aus dem Jahr 2016 in sehr gutem Zustand, mit bereits nachgerüstetem Gepäckträger für 250 Euro. Den Gepäckträger musste ich vorerst wieder demontieren, da wir den Sattel sonst nicht weit genug herunter machen konnten. Was ich allerdings noch nachrüsten werde, sind ein paar bessere Griffe und ein fehlender Reflektor. Die Bremsen sind zwar „nur“ Tektro-V-Brakes, aber sie funktionieren erheblich besser, als die Variante aus der Steinzeit an seinem altem Rad.

Unser Sohn (130 cm) fährt nun erfolgreich auf den 24 Zoll Reifen zur Schule, sein nächstes Rad sollte dann hoffentlich erst in zwei Jahren nötig sein, dann kann er direkt auf „Mamas altes“ umsteigen, auch ein Bulls Cross Disc.

 

Ein Gedanke zu „Das vierte Kinder-Fahrrad

  1. Bitte bitte bitte… es heißt Nabendynamo. Weil er in der Nabe sitzt. Er verursacht keine Narben 😉

    Ich lauer schon darauf dass meinen Zwillingen die Puky-Räder zu klein werden, die wir gebraucht auf einem Flohmarkt gekauft haben. Merke: wenn man die Räder als Eltern nicht tragen will, dann sind sie einfach zu schwer.

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