Das Edgar-Kostüm

Am vorigen Wochenende beim „Reality-Check“ ist klar geworden, dass ich mir eine Teilnahme bei einem Bodybuilding-Wettkampf der GNBF vorerst abschminken kann. Der Grund ist nicht unbedingt mangelnde Muskelmasse oder schlechte Proportion, auch nicht mangelnder Wille oder Zeit.

Ich musste einsehen, dass der deutliche Gewichtsverlust von über 35 Kilogramm auch unschöne Nebenwirkungen hat.

Damit meine ich nicht die Anschaffung neuer Kleidung, sondern die optische Erscheinung als solches. Für den Alltag und auch das Schwimmbad ist das alles O.K., aber wenn es an das Posing für die Bühne geht, werden einige Schwachstellen gnadenlos offenbart, die ich auch mit noch so viel Ernährungsdisziplin wohl vorerst nicht in den Griff bekommen werde.

Diese Einsicht war bitter.

Mein ganzer Körper ist weich, sehr weich, besonders deutlich wird dies am Bauch. Natürlich ist da auch noch genug Fett unter der Haut, aber es ist offenbar nicht das Gleiche, ob ich schlank bin und Muskeln aufbaue, oder ob ich dick bin, Muskeln aufbaue und dann abnehme. Ich habe nun einen echten Körperfettanteil von ca. 10%, der Kalipper sagt sogar nur 8,5 %, was sich auch mit der professionellen elektronischen Messung bestätigen lässt. Mein Bauch sieht aber beim Posing aus, als wäre ein Mops vor eine Wand gelaufen und nicht nach dem Cover der „Men’s Health“. Ich hatte es schon länger befürchtet, aber natürlich gehofft, dass es schon irgendwie geht.

Es geht aber nicht.

Vielleicht habe ich eine Chance, wenn ich der Haut mehr Zeit gebe, aber im Moment fühlt es sich eher nach dem „Edgar-Kostüm“ aus „MiB“ an, für den Alltag ist alles gut, aber so kann ich nicht ernsthaft auf die Bühne gehen. Dort ist vor allem „Härte“ gefragt. Da unterscheidet sich der GNBF nicht vom IFBB.

 

Mein Leben lang habe ich mit meinem Gewicht gehadert, mehrfach um die 20 Kilo abgenommen und auch wieder zugenommen. So radikal und konsequent wie in den letzten zwei Jahren habe ich es aber noch nie gemacht. Vermutlich hat es mir auch deswegen keiner so recht zugetraut. Ich wiege weniger als mit einem Alter von zwölf Jahren, ich habe jetzt eine Hosengröße von 30-32 in der Weite, das waren mal 40-42.

Mein Beinumfang ist von 67 cm am Oberschenkel auf 58 cm gesunken, meine Wade ist um 5 cm auf 41 cm geschrumpft, der Bauchumfang ist auf 80 cm gesunken, das waren mal über 40 cm mehr. Leider hat sich auch der Armumfang auf unter 40 cm verringert.

Der FFMI-Wert liegt bei ca. 24, das ist O.K., er war aber vor der Diät deutlich über 25, es sind also auch ein paar Kilogramm Muskeln verschwunden und nicht nur Fett. Dies macht sich auch in den Kraftwerten bemerkbar, beim Bankdrücken bin ich die Tage an den 100 Kg gescheitert, das war ein herber Schlag, vor zwei Jahren waren das noch 140 Kg und mit 25 Jahren sogar 160 Kg. Liegt aber vermutlich auch am Alter. 🙂

Was mir Hoffnung macht: Vor einem Jahr war der „Faltenpunkt“, also der Gewichtsbereich, bei ich in der Bauch-Beine-Pose Falten am Bauch werfe, bei ca. 92 Kg, dieses Jahr war es erst bei 87 Kg der Fall. Das ist zumindest eine deutliche Verbesserung.

In den letzten beiden Jahren habe ich viel gelernt, als Fazit kann ich soviel sagen:

Man ist immer viel fetter, als man denkt.

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