Bericht zur Deutschen Meisterschaft GNBF 2014 in Wiesloch, oder: 21 Jump-Street

Es war soweit, die Anreise nach Wiesloch zur Deustchen Meisterschaft der GNBF stand an. Das Wochenende war seit langem geplant, ich hatte länger darüber nachgedacht, überhaupt den weiten Weg zu machen,  ich würde ja nur als Zuschauer dort sein und eben nicht als teilnehmender Athlet.

Da ich mit meiner Frau gemeinsam unterwegs sein wollte, sollte unser Sohn das erste Mal außer Haus schlafen und bei meinen Schwiegereltern übernachten. Das wollten wir auf jeden Fall durchziehen. Wir gaben den Mops am Samstag Morgen erfolgreich in die Obhut seiner Großeltern und fuhren die gut 325 Km nach Süden.

Die Vorauswahl startete bereits am frühen Vormittag, aber wir kamen zeitig für die Gewichtsklassen, die mich besonders interessierten. Die Halle war gut gefüllt und alles machte einen wirklich gut organisierten Eindruck, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ein Teilnehmer-Rekord vorlag. In einigen Gewichtsklassen waren weit über ein Dutzend Teilnehmer gemeldet, bei den Junioren (bis 21) fast 40 Athelten, daher wurde diese Klasse kurz vor dem Wettkampf offiziell geteilt. Eine gute Idee und trotzdem organisatorisch immer noch grenzwertig, da auch 20 Athleten auf der Bühne natürlich nicht genug Raum hatten. Ich wollte da kein Kampfrichter sein, auch, weil das gezeigte Niveau wirklich hoch war.

GNBF 2014 Junioren II

GNBF 2014 Junioren II

Offenbar hatten sich die jungen Leute mindestens so gut vorbereitet, wie die alten Hasen, was einige Pannen in der Technik umso ärgerlicher erscheinen lässt. Als es am Nachmittag, mit leichter Verspätung, in die Finalrunden ging und die top 5 Athleten jeder Klasse ihre Kür zeigten, passierte es reihenweise, dass entweder die Musik zu früh oder zu spät angespielt, die falsche Musik, oder gar keine Musik abgespielt wurde. Eine Zumutung für den Teilnehmer und überaus unfair, denn die Kür baut auf der Musik auf, ist aufwendig zu erlernen und geht mit einem erheblichem Anteil in die Wertung ein. Die Athleten verhielten sich heldenhaft und posierten trotzdem so gut es eben ging.

Ein weiteres Problem war, durch die hohen Teilnehmer-Zahlen in den Vorrunden verursacht, die lange Zeit auf der Bühne, bis die Wertung abgeschlossen werden konnte. Bei den Junioren vergingen ca. 20 Minuten bis zur Wertung, 20 Minuten in der Pose „Relaxt“ stehen, was so viel bedeutet, wie: Krampf im Rücken aushalten und Beine anspannen, bis diese abfallen.

Tipp: Auch nicht Athleten können das leicht nachempfinden: Einfach schulterbreit hinstellen, leicht in die Hocke gehen, die Knie nach außen drücken und die Beine anspannen. Gut, und jetzt einfach 20 Minuten so stehen bleiben und nicht rum zappeln. Viel Erfolg.

Was die Wertung als solche anging, war ich doch sehr überrascht. Hatte ich bei der letzten IFBB-Veranstaltung, die ich besucht hatte, beinahe jede Platzierung korrekt vorher gesagt, lag ich gestern bei der GNBF ständig erheblich daneben.
Die Ursache war spätestens nach den Junioren II klar, Härte ging über Proportionen. Grundsätzlich wurde der trockenste Athlet bevorzugt, auch wenn ein anderer die optisch bessere Form hatte, bei den Junioren II war dies extrem zu erkennen. Kein gutes Zeichen für meine eigene Teilnahme im nächsten Jahr, da ich sehr viel Wert auf die Proportionen lege und mir Härte bisher nicht ganz so wichtig war. Die Sportart heißt ja Bodybuilding und nicht Dörrobst, da bin ich wohl etwas retro. Meine Frau nannte es „Körperwelten-mit-Haut“, was den Kern der Sache trifft.

GNBF 2014, Masters I, Natural Bodybuilding, ü40

GNBF 2014, Masters I, Natural Bodybuilding, ü40

Die Sache hat noch einen anderen Haken. Die verstärkten und professionalisierten Dopingkontrollen in diesem Jahr wurden offenbar ja sehr positiv aufgenommen, anders sind die hohen Teilnehmerzahlen wohl kaum zu erklären. Leider werden chemische Hilfsmittel auch genutzt, um effektiver abzunehmen und Körperflüssigkeit abzuführen. Viele der dafür verwendeten Mittel sind, soweit ich weiß, nicht nachweisbar oder werden gar nicht getestet. Für meinen Geschmack sendet das ein falsches Signal. „Natural“ steht für mich auch für „natürlich“, die teilweise extreme Härte sieht in meinen Augen nicht mehr sonderlich natürlich aus und wird auch nicht unbedingt so erreicht.

Für nächstes Jahr strebe ich die Teilnahme bei den Senioren an, also den Masters I (ü40), auch hier waren viele Athleten angetreten, aber ich weiß nun, wo ich hin muss, alleine dafür hat sich die Fahrt gelohnt. Ob ich die offenbar gewünschte Härte hin bekomme, wird sich noch zeigen müssen, was die Form als solche angeht, bin ich optimistisch und nun hoch motiviert.

Das überaus junge Teilnehmerfeld, repräsentiert durch die Teenage- und Juniorenklasse, prägte auch ein wenig den Zuschauerraum. Hinter mir saßen ein Athlet und sein Begleiter aus dieser Klasse, die sich über 21-Jump-Street unterhielten. Da war ich verwundert und es ergab sich folgendes Gespräch:

Ich: „Du kennst 21-Jump-Street? Dafür bist du doch viel zu jung, oder nicht?“

Junior: „Wie jetzt? Warum zu jung, der Film ist doch gerade erst mit Teil 2 in den Kinos.“

Ich: „Oh, da gibt es einen aktuellen Film? Ich dachte du redest von der Serie.“

Junior: „Da gibt es eine Serie???“

Ich: „Jetzt sind wir wieder auf dem richtigen Niveau.“

Hinweis: Die Serie ist 27 Jahre alt und somit beinahe 10 Jahre älter, als der Athlet. Ich habe die Serie mit 14 gesehen.

GNBF 2014, Masters I, Natural Bodybuilding, Doppel-Bizeps von hinten

GNBF 2014, Masters I, Natural Bodybuilding, Doppel-Bizeps von hinten

 

Fazit: Es war eine gute, wenn auch etwas zu lange Veranstaltung mit ärgerlichen, technischen aber nicht organisatorischen Pannen.

Nächstes Jahr soll es dafür zwei Wettkämpfe geben, ein Wettkampf „International“ kommt dazu. Nicht unbedingt sinnvoll denke ich, aber es wird einen Grund haben. Eine Aufteilung in Nord-Süd-Gesamt/International wäre sicher besser, vermutlich ist das nächste Jahr der Übergang dazu. Die internationalen Teilnehmerzahlen waren eher gering, das wird kaum eine Entlastung für die nächste Deutsche Meisterschaft im Oktober 2015 bringen.

 

 

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