Assessment-Center für Vorschulkinder

Das kleine Pony kann dem Arihorn folgen, mit Biosgas-Antrieb.

Ein „richtiges“ „Assessment-Center“ habe ich glücklicherweise bisher nur einmal in meinem Leben machen müssen und dass ich darin gelandet bin, war genau genommen ein Versehen. Ein großer Elektronikkonzern hatte eine Stelle ausgeschrieben, die Stellenanzeige war auf englisch und ich muss zugeben, ich habe nicht alles verstanden.

Google gab es da noch nicht.

Als ich dann eingeladen wurde, hatte ich keine Ahnung, was in acht Stunden von mir verlangt werden würde. Ich war ehrlich überrascht, machte meine Sache aber offenbar nicht so schlecht, im Auswahlverfahren wurde ich damals nach Punkten zweiter, aber knapp daneben, ist halt auch vorbei. Erst als ich die Zentrale wieder verlassen hatte, übersetzte mir netterweise jemand korrekt die englische Job-Beschreibung, da war ich dann geschockt, auf welche Stelle ich mich da beworben hatte. Im Nachhinein gab mir das ein unfassbares Selbstvertrauen. Ich hatte das fast komplett vergessen, aber beim Aufräumen fiel mir ein Teil der damaligen Bewertung in die Hände und die Formulierungen der dem Test beiwohnenden Psychologen und Personaler erinnerten mich sehr stark an einige, die ich in den letzten Tagen gehört habe, allerdings bezogen auf unser Kind.

In den letzten Wochen musste unser Kind durch eine ganze Reihe von „Schultests“ und Bewertungsgespräche, auf die ich teilweise ebenfalls sehr überrascht reagierte, ich konnte mich nicht erinnern, so was selbst als Kind gemacht zu haben. Habe ich vermutlich auch nicht.

Zuerst kam die Schuleignungs-Voruntersuchung beim Anmelden an der Grundschule, im Beisein der Eltern. Das waren einige kleine Tests für unseren Sohn, wie eine Geschichte erzählen und sich selber ein wenig vorstellen. Dann folgte ein Elterngespräch im Kindergarten, das lief aber anders ab, als alle zuvor, es ging konkret um die Schuleignung.

Es fielen Sätze wie: „Ihr Sohn hat eine ausgesprochen gute Hand-Augen-Koordination und Körperbeherrschung, er ist redegewandt und hat einen ausgesprochen großen Wortschatz, er zeigt eine hohe soziale Kompetenz aber mit Gesprächsregeln hat er noch Probleme.“

Als nächstes folgte einige Tage später der große Schultest, 30 Minuten ohne Eltern. Gefühlt dauerte es erheblich länger, die Lehrerin verabschiedete uns mit den Worten: „Sie haben ein sehr aufgewecktes und recht gesprächiges Kind“, naja, das kann man auch schneller raus bekommen. Was die in den anderen 29 Minuten gemacht haben, erfuhren wir nicht, aber unser Kind meinte, es wäre „babyleicht“ gewesen. Jetzt fehlt noch die Schuluntersuchung, dann sind wir hoffentlich durch. 😉

Einschulungstests für die Schulfähigkeit sind wohl überall üblich, aber „dem Einschulungstest sollte keinesfalls die Bedeutung einer wichtigen Prüfung wie für Erwachsene beigemessen werden“ familie-und-Tipps.de

Aha, dann frage ich mich allerdings ernsthaft, warum mich die Situation und die Formulierungen an mein einziges erlebtes Assessment-Center erinnert haben. Auch seltsam finde ich, dass es reihenweise Anleitung im Internet zu finden gibt, wie man Kinder auf diese Tests am besten vorbereitet. Was mich noch mehr verstörte, es gibt ebenso viele Anleitung wie man ALS ELTERN diese Tests übersteht. Geht’s noch krasser?

Ja, IQ-Tests für Vorschulkinder, es könnte ja hochbegabt sein.

Schwupps, und schon komme ich mir wieder kurz seltsam vor, weil ich unser Kind nicht bereits Lesen, Schreiben und Rechnen kann, wenn es in die Schule kommt. Eine zweite oder dritte Sprache kann es auch noch nicht und es spielt auch kein Instrument.

Dafür kann er ein kleines Pony pupsend durch die Luft bewegen, damit es mit den Arihörnern mithalten kann. Das benötigt Zeit für freies Spiel, soziale Kompetenz und halt viel Phantasie, die ist wohl etwas aus der Mode gekommen.

Ein Gedanke zu „Assessment-Center für Vorschulkinder

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