Andere Leute springen aus Flugzeugen

Eintrag im Budo Pass, Kendo, Dr. Goto Turnier

Lange habe ich mit mir gerungen, aber schließlich habe ich mich doch zu meinem ersten Wettkampf im Kampfsport seit dem 02.03.1996 angemeldet. Das war damals das Dr. Goto Turnier in Düsseldorf, einem Wettkampf im Kendo, mein letztes Turnier im Judo ist noch einige Zeit länger her, ungefähr 26 Jahre, aber ich habe dazu keine Unterlagen mehr. Meine Urkunden und Medaillen habe ich irgendwann entsorgt, ich habe aber im Judo nie in einer höheren Liga gekämpft, so weit ich mich erinnern kann.

Der „Alligator – Rodeo – Cup“ ist ein offenes Turnier für brasilianisches Jiu Jitsu (BJJ) und Grappling (No-Gi / Vale Tudo / Luta Livre) in Wuppertal, das von der Kampfsport-Schule Baron ausgetragen wird, in diesem Jahr zum sechsten Mal.

Es gab eine „Whitebelt“-Klasse (Beginner) und eine „ab Blaugurt-Klasse“ (Advanced). Mein „Professor“, wie man die Trainer und Meister, also die Dan-Träger, bzw. „Blackbelts“ beim BJJ nennt, gab mir vor, in der „ab Blaugurt“ -Klasse zu starten, obwohl ich im BJJ nicht graduiert, also „Whitebelt“ bin.

Whitebelt und Gi Jiu-Jitsu, (BJJ)

Im BJJ ist es üblich, bei Turnieren Erfahrungen im „Grappling“ mit anzurechnen, das kann z.B. Vale Tudo, Ringen, Sambo, oder wie bei mir Judo sein. Auch wenn diese Erfahrungen bei mir sehr lange her sind, 15 Jahre Judo sind 15 Jahre Judo.

Mir war also schon vorher klar, dass ich bei dieser Veranstaltung keinen Blumentopf gewinnen werde, ich mache ja gerade mal seit Januar BJJ und habe noch später wieder mit dem Judo angefangen. Gegen erfahrene Kämpfer in meiner Gewichtsklasse anzutreten war jetzt nicht unbedingt die beste Aussicht für den ersten Kampf seit so langer Zeit. Meine persönlichen Ziele setzte ich daher nicht zu hoch an, ich wollte ohne Verletzungen wieder nach Hause fahren und, wenn irgendwie möglich, die „Takedown“ – Punkte holen.

Die erste Überraschung war direkt an der Waage:

„Wir müssen dich noch wiegen – ach ne – das macht keinen Sinn.“

Es gab ab +90 Kg nur noch eine Gewichtsklasse, bei „Beginner“ und bei „Advanced“, was bedeutet, dass ich selbst mit annähernd meinem Bühnengewicht von vor drei Jahren in dieser Klasse gelandet wäre.

Als nächstes outete ich mich um 10:00 Uhr morgens als der ahnungslose Idiot, indem ich direkt mit Judo-Gi auf die Matte trat, so wie ich das von früher kannte. Ich erntete viele fragende Blicke. Um 13:30 Uhr begannen dann die Kämpfe und mir war klar, warum sich außer mir noch keiner umgezogen hatte. Die Organisation ist beim BJJ offenbar aufwendiger, als im Judo. Wieder was gelernt.

Das Warten gehört zu einem Wettkampf dazu, es bietet aber auch die Gelegenheit, seine „Team-Kameraden“ besser kennen zu lernen. Aus Düsseldorf war diesmal nur einer außer mir angereist, die anderen kamen aus Hagen, Köln, Dortmund und Wuppertal, alle gehören zur „Caveirinha Jiu Jitsu Family“ und somit waren wir ein Team. Wir kannten uns zwar nicht wirklich, aber wir feuerten uns an. Mein Anzug hat leider kein großes „Caveirinha“ Logo, da ich einen Judo-Anzug trage, in den BJJ-Anzug in Größe A4 passe ich leider nicht rein und da ich auch beim Judo im nächsten Jahr starten möchte, kann ich keine Patches drauf machen, im Judo ist das nicht erlaubt und Wettkampf-Anzüge sind schon teuer. Meiner hat eine UVP von ca. 160 Euro. Da hilft nur wieder abnehmen. 😉

Mein Kampf wurde dann plötzlich vorgezogen, in meiner Klasse gab es nur einen weiteren Kämpfer. Der war gut 2,00 Meter, hatte ungefähr mein Gewicht, kein Gramm Fett zu viel und war schätzungsweise 15 bis 20 Jahre jünger.

In Gedanken hörte ich meinen Prof: „Toi – Toi – Toi.“

Er trug einen blauen Gürtel mit einigen hübschen Streifen drauf.

O.K., Mundschutz rein und: „Combat!“

Das gute an großen Menschen ist, sie gehen nicht so tief runter. Wir hatten kaum gegriffen da startete ich den ersten Angriff, der Ko-Soto-Gari klappte gut, im Judo wäre es ein „Ippon“ gewesen, im BJJ gibt das leider nur zwei Punkte und weiter geht es.

Durch den erfolgreichen „Takedown“ (Wurf) war ich an seinen Beinen vorbei, schaffte es dann aber leider nicht in einen sicheren Haltegriff oder eine „Mount“ wie es beim BJJ genannt wird. Es endete für mich in einer „Triangle“ (San-Kaku) wie aus dem Bilderbuch, um es kurz zu machen, ich hatte am Boden kaum eine Chance gegen ihn, dennoch hat es irre Spaß gemacht und ich ging mit dem einem breitem Lächeln von der Matte, dem Adrenalin sei dank.

Ob sich nun 10 Stunden Zeitaufwand für den zwei minütigen Adrenalin-Kick lohnen, kann ich noch nicht abschließend sagen, ich werde es sicherlich noch einmal machen, wenn möglich mit weniger (passivem) Gewicht. Es ist in jedem Fall preiswerter, als sich selbst aus einem Flugzeug zu werfen, oder sich an Gummiseilen von Brücken zu stürzen. 😉

Mein Trainingspartner schaffte es an diesem Tag auf mindestens 6 Kämpfe, er startete allerdings auch in der No-Gi-Klasse und das mit einem Gewicht von bis zu 80 Kg, hier tummeln sich die meisten Teilnehmer. Ich werde noch eine absehbare Zeit +90 Kg bleiben, für das Judo wäre es allerdings schon super, wenn ich nur BIS 100 Kg kämpfen könnte und nicht in der „Plus-Klasse“.

Am Ende bleibt für mich ein zweiter Platz in der Klasse +90 Kg „Advanced“, ich muss ja keinem erzählen, das sonst keiner da war. 🙂

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