Altbau-Sanierung: Die Öl-Heizung ersetzen mit einer Wärmepumpe?

Plan-Heizkörper im Schlafzimmer

Plan-Heizkörper im Schlafzimmer

In letzter Zeit hatte ich wieder mehrere Anfragen bezüglich unserer Altbau-Sanierung vor einigen Jahren. Mittlerweile können wir recht gut beurteilen, was in unserem Sinne funktioniert hat und was nicht.

Besonders die „nicht erfolgte“ energetische Sanierung aber zeitgleiche Umstellung auf Wärmestrahlung mit T10 Heizkörpern interessiert viele Leser offenbar, denn rechnerisch kann das laut Aussage der meisten Energieberater und Sanitärfirmen „nicht funktionieren.“

Nur leider geht es eben doch und das sogar ausgesprochen gut. Was ich hier schreibe ist natürlich absoluter Laienkram, ich kann nichts rechnerisch beweisen und natürlich ist die Aussage, dass wir im Winter nicht frieren sehr subjektiv.

Auch wohnen wir nicht in den Alpen, sondern im milden Rheinland, sogar eigentlich noch diesiger, am Niederrhein. Unsere Winter sind selten hart, dennoch habe ich ja Erfahrungswerte unserer Freunde, die hier ebenfalls, teilweise im Niedrigenergiehaus-Neubau, wohnen, und wir schlagen uns mit dem Haus aus 1962 nicht schlecht. Im Mittel verbrauchen wir inklusive Warmwasser unter 2000 Liter Öl auf 152qm Wohnfläche + 100 qm beheizter Nebenfläche (Garage und Keller).

Kann sich jeder selber ausrechnen, wie gut oder schlecht das ist. In diesem „Winter“ liegen wir voraussichtlich bei 1500 Litern, neuer persönlicher Niedrig-Rekord.

Ich werde einfach die Fragen der Leser und meine Antworten hier erneut zusammen schreiben, bitte nicht wundern, wenn einiges doppelt vorkommt:

 

„Welche Erfahrungen haben Sie mit den Typ-10-Heizkörpern gemacht? Halten diese die Räume warm?  Wie haben Sie diese größentechnisch ausgelegt? Nach Gefühl oder irgendwelchen Richtwerten?“

Bei 2000 Liter Heizöl im 5-Jahres-Schnitt ist eines sicher:  Egal welche Dämmung, es würde sich nicht rentieren, in 10 Jahren schon mal gar nicht.

Die Heizkörper habe ich damals berechnet: Einmal das, was drin war, (22KW) und dann das was ein 90er Jahre Haus dieser Größe rechnerisch bräuchte (12-15 KW)
Wir haben dann sehr mutig gegen jeden Rat der Experten 11 KW an Plattenheizkörpern verbaut und im Keller einen einzigen alten schweren drin gelassen, dieser hat immerhin einen Strahlungsanteil von 60%.

Mit den Typ 10 und 11 von Viessmann sind wir sehr zufrieden, die von Buderus kann ich nicht empfehlen, hier haben wir an der falschen Stelle gespart.

Wir haben Raumtemperaturen von 19 Grad in den Schlafräumen (oben) und 20 Grad in den Wohnräumen unten, im Keller sind es 16-18 Grad Celsius. Wenn nötig heizen wir etwas mit dem Ofen zu, ehe ich die sehr niedrig eingestellte Ölheizung von 1996 (!) aufdrehe, es ist fast die niedrigste Temperatur, die der Kessel kann. Die Heizung hat noch 22KW, also viel zu groß für die nun verbauten Heizkörper. Wir verzichten bewusst auf eine Nachtabsenkung.

„Wo und wie viele T10 Heizkörper habt ihr eingebaut? „

Wir haben eigentlich überall T10 und T11 Heizkörper verbaut, insgesamt für 11KW. Drei Heizkörper im Wohn-Esszimmer, in allen weiteren Räumen je einen Heizkörper, außer im Flur, hier ist keiner verbaut.

 

„Was fahrt ihr für eine Vorlauftemperatur – seid ihr bisher damit gut gefahren?“

Die Heizkörper laufen im Mittel mit 40c°, wir können bei unserer alten Heizung aber keine Vorlauftemperatur fest vorgeben, nur den generellen Heizbedarf.
Siehe diesen Artikel in meinem Blog: Wärmestrahlung mit T10 Heizkörpern nach Konrad Fischer – Erfahrungsbericht

Die theoretische Ermittlung ist meiner Meinung nach totaler Quatsch. Die Diskussionen hatten wir hier auch. Wir brauchen laut Berater mindestens 20Kw an Heizkörpern, sonst „würden wir erfrieren“.
In den meisten Berechnungen werden sogar 70c° Vorlauf-Temperatur vorausgesetzt.

Wir heizen mit der alten 22KW Heizanlage im unteren Minimalbereich, wir könnten also viel, viel mehr als die üblichen 40c°, mit denen wir auskommen.

Die Raumlufttemperatur liegt bei 20c° bis 21 c°, unten, und oben bei 19 c° (Schlafräume).

Beispiel: unser Wohn-Ess-Zimmer hat 52qm und drei Heizkörper Typ Viessmann Planheizkörper Carat Vertikal T10 1805x400x57 mm (HxBxT) 2x und einen vergleichbaren T11 in horizontal, habe ich aber nicht mehr online gefunden.

Zusammen sind das also grob 2 bis 3 Kw Leistung auf 50qm, oder ca. 40 bis 60W je qm. Das haben wir im ganzen Haus so, etwas verschieden, je nach Zimmer.

Uns war es wichtig möglichst wenig Konvektion zu erzeugen, denn ich bin Allergiker, es ging uns nicht um das Energiesparen.

 

„Welche Bausubstanz hat euer Haus? Ist es beidseitig angebaut“

Es ist ein Haus in Reihe (kein Reihenhaus) aus 1962 und beidseitig angebaut, links ein Haus aus den 90ern, rechts aus den 70ern.

Wir haben hier 10cm Halbformat-Vollklinker, eine Reihe, 3cm Luft, stehend, dann 20 cm Bimsbeton oder KS, den wir stellenweise mit Porenbeton ergänzt haben, an einigen Stellen sind es statt Bimsbeton 3,5 cm oder 7 cm Heraklith. Also nicht gerade eine Homogene Struktur. In den Dachschrägen haben wir nur 15 cm Kalksandstein, die in 3,5 cm Heraklith mit 5 cm Glaswolle übergehen. Die oberste Geschossdecke hat Heraklith, Holz und 10 cm Steinwolle.

Alles in allem typisch 60er. Hier ist nichts gerade und auch nichts dicht, obwohl die Fenster da vermutlich enorm was gebracht haben.

Wir haben an dieser Grundstruktur energetisch sonst aber nichts geändert. In irgendeinem Artikel habe ich die U-Werte einmal berechnet.

Wir haben übrigens auch „zur Sicherheit“, eben weil so viele dagegen geredet haben, in den sensiblen Räumen wie dem Bad eine elektrische Fußbodenheizung verlegt, kostet, wenn man die Elektrik und Fliesen eh neu macht, praktisch nichts. Haben wir zwar mal ausprobiert, aber nicht für notwendig befunden, die ist also immer aus.

 

„Stehen die Heizkörper an oder gegenüber von Aussenwänden?“

An den Außenwänden, ja, aber nicht unbedingt unter dem Fenster, war allerdings bauseitig teilweise so vorgegeben.

Physikalisch ginge aber auch gegenüber eines Fensters ohne Probleme, eben Wärmestrahlung.

Heute würde ich mehr vertikale Heizkörper einsetzen und diese neben den Fenstern oder um die Ecke platzieren (wie im Wohnzimmer und Schlafzimmer), wo es geht und mich von der üblichen Verortung komplett verabschieden, besonders in der Küche, im Gäste-WC und vielleicht sogar auch in den Kinderzimmern. Hinterher weiß man immer mehr. 🙂

 

„Wie schaut es eigentlich mit euren Rohren aus? Sind die versteckt oder habt ihr die offen? Wie ist es mit Schimmel/Feuchtigkeit an Außenwänden?“

Unsere Rohre liegen im Mauerwerk, in den Abseiten (gedämmt), oder in Heraklith-Schächten in den Wänden.

Die Außenwände halten wir frei von Möbeln, nur aus Vorsicht.

Im Keller sind alle Rohre offen verlegt aber gedämmt (musste laut Schornsteinfeger oder diese waren bereits umkleidet gewesen). Etwas seltsam, da wir hier auch überall Heizkörper installiert haben.

 

„Werdet ihr an der Öl-Heizung festhalten?“

Vor kurzem hätten wir gesagt wir installieren demnächst einfach einen kleineren Öl-Heizkessel. Im Zuge der Klimadiskussion haben wir uns hiervon verabschiedet, ebenso von einer Umrüstung auf Gas, da beides fossile Energieträger sind.

Statt dessen werden wir eine möglichst große Photovoltaik-Anlage installieren. Unser Dach hat optimale Südlage. Wir haben seit fünf Jahren eine 500-Watt Mini-PV-Anlage auf dem Dach, zum Testen.

Diese kleine Anlage liefert optimale Werte, so dass wir hier größer planen können.

Die Heizungs-Umrüstung soll in zwei Schritten verteilt auf zwei Jahre erfolgen. Das spart Geld und minimiert das Risiko einer Fehlentscheidung so gut es eben geht.

Im ersten Schritt installieren wir ca. 4Kw PV-Module auf dem Dach, kombiniert mit einer 3-Phasen-Steuerung, die die Energie im Haus verteilt. Überschüsse gehen nicht (!) ins Netz sondern über eine intelligente 3Kw-Heizspirale in den Warmwasser-Kessel. So hoffen wir, im Sommer ohne die Ölheizung aus zu kommen, um Warmwasser zu erzeugen.

Um den 4500 Liter Öltank halbwegs leer zu bekommen, brauchen wir gut zwei Winter. Nächstes Jahr soll der Öltank dann ausgebaut werden um Platz für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 300-Liter-Wasserspeicher zu schaffen, die wir im Heizungskeller aufstellen wollen. Diese wird dann ebenfalls zum Teil von der Photovoltaik-Anlage versorgt.

Rechnerisch ist die ganze Sache wieder sehr fragwürdig und die meisten Handwerker raten davon ab. Aber das kennen wir ja schon. Echte Erfahrungswerte in dieser Kombination findet man im Internet kaum. Wir riskieren es halt.

Nach dem, was man berechnen kann, sparen wir entweder gut 1000 Euro im Jahr an Heizkosten ein oder legen schlimmstenfalls nichts drauf, wenn der Heizölpreis bei 60 bis 70 Euro bleibt. Sollte der Ölpreis steigen sparen wir in jedem Fall.

Die Investition ist natürlich nicht ohne. Die Photovoltaik-Anlage finanzieren wir durch den Verzicht auf das Auftanken etwas quer. Rechnet man die Stromersparnis und Heizöl-Ersparnis vom ersten Schritt aus, so amortisiert sich diese Umrüstung innerhalb von ca. 10 Jahren oder weniger. Das scheint sich zu lohnen. Ob sich im zweiten Schritt die Wärmepumpe lohnt, ist eher fraglich. Im besten Fall haben wir die Investition vermutlich in 20 Jahren wieder drin, aber mir liegen noch keine konkreten Angebote vor, daher ist das nur geraten.

Die Umwelt profitiert in jedem Fall, denn unser Haus erzeugt einen erheblichen Teil seines Energiebedarf dann selbst. In einem Monat habe ich Termine mit den Handwerkern, dann sehen wir weiter. Einige Kosten können wir niedrig halten, da wir bereits die Mini-PV-Anlage zusammen mit der neuen Elektrik und dem neuen Schaltschrank verlegt haben. Kabel vom Dach in den Keller sind also in ausreichender Stärke bereits vorhanden.

TIPP: Es macht übrigens immer finanziell Sinn selber als „Bauherr“ aufzutreten und Dachdecker, Elektriker und die Sanitärfirma einzeln zu beauftragen. Nach mehreren Preisvergleichen kann ich grob sagen, es spart rund 30 bis 50% der Kosten ein, wenn man auf ein „All-Inclusive-Angebot“ verzichtet und man kann die Handwerker wählen, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat. Etwas mehr Arbeit ist es natürlich schon, aber da wir keinen Strom in das Netz einspeisen werden, fällt eine ganze Menge Bürokratie flach.

Was man nicht vergessen sollte: Unsere Heizungsanlage ist nun 24 Jahre alt und muss bald ohnehin erneuert werden, der Öl-Tank-Raum müsste bald auch saniert werden, auch dies kostet schnell einige Tausender. Vielleicht können wir sogar noch einige Fördergelder beantragen, da wir die Ölheizung durch neue Technik ersetzen. Da habe ich mich aber noch nicht hinreichend informiert.

 

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