11 Okt

Zelten mit Kind im Herbst, oder Erfahrungsbericht „Julianahoeve“ bei Renesse

Im Oktober noch einmal ein paar Tage raus, noch einmal an die Nordsee. Nach unseren Erfahrungen im Sommer, bei 12 c° und Dauerregen, dachten wir, uns kann auch im Herbst nichts schocken, wenn wir das Zelt nehmen. Vorausgesetzt, wir rüsten bei den Schlafsäcken und Isomatten etwas auf.

Wir entschieden und für „Julianahoeve“ bei Renesse, wieder ein Campingplatz mit Schwimmbad, Indoor-Spielmöglichkeit und zahlreichen Spielplätzen, ganz ähnlich wie „De Pekelinge“ und nicht weit weg von „Ginsterveld„, wo wir im Sommer zum ersten Mal gezeltet haben.

Auf dem Platz waren wir übrigens die einzigen im Zelt. Na ja, nicht ganz, neben uns war auch eine Familie mit Zelt angereist, die zelteten zum ersten Mal. Vermutlich auch zum letzten Mal, nach einer Nacht flohen die regelrecht vom Campingplatz. Ich vermute, es lag an der mangelhaften Schlafausstattung, nur eine Decke, keine Schlafsäcke und Yoga-Matten als Isolation zum Boden. Im Sommer kann das gut gehen (muss aber nicht), im Herbst ist das aber in keinem Fall eine gute Idee.

Strand, Wasser, Schippe, mehr braucht es nicht.
Strand, Wasser, Schippe, mehr braucht es nicht.

Wir selber hatten im Sommer ja unsere Erfahrungen gemacht und daher neue Schlafsäcke und Isomatten angeschafft. Beides hat sich übrigens bewährt, auch bei Nachttemperaturen von deutlich unter 10 c°, genau wissen wir es nicht, gehen aber von 6 – 8 c° in der kältesten Nacht aus. Die „Therm-a-Rest Isomatte RidgeRest Solar“ hat sehr gut funktioniert, allerdings ist die Isomatte mit großem Packmaß sicher auch kein Schnäppchen. Den Platz im Auto muss man erst mal haben, wir haben aber sehr gut und vor allem warm darauf geschlafen. Wir haben drei Matten bündig in den Schlafbereich gelegt, so dass unser Kind auch nicht wieder runter rutschen konnte. Trotz des Packmaßes wird diese Matte gerne von Thru-Hikern auf dem PCT und AT verwendet, und die wissen, was funktioniert.
Bei den Schlafsäcken haben wir dann aber doch gespart, zwar sollten die Schlafsäcke Komfort-Temperaturen nahe Null Grad Celsius haben, aber da das Gewicht in diesem Fall keine Rolle spielte, konnten wir auf recht günstige ausweichen. Der „Grand Caynon Utah – Deckenschlafsack“ wiegt mal eben 2200 Gramm, und mit dem Packmaß und Gewicht ist er ganz sicher nichts für Wanderer. Preis-Leistung ist aber top, die Schlafsäcke sind warm und weich, für mich wurde es beim Umfang an der Schulter sehr knapp, die Länge war aber wirklich gut. Zum Vergleich: Schlafsäcke unter 1000 Gramm und mit kleinem Packmaß aber ähnlichen Komfort-Temperaturen kosten schnell 300 bis 500 Euro, als beinahe das 10-Fache!

Wir haben also gut geschlafen und tagsüber hatte der Platz wirklich was zu bieten. Zum Strand waren es vom Stellplatz aus 500 Meter, noch näher dran und man braucht ein Boot. 🙂  Die Spielplätze auf „Julianahoeve“ waren toll, die Indoor-Halle etwas übersichtlich, das Schimmbad das beste, was wir auf einem Campingplatz bisher gesehen haben.

Die Roller-Gang war selbständig unterwegs.
Die Roller-Gang war selbständig unterwegs.

Die Sanitär-Anlagen waren gut, aber einen Seifenspender für 20 Waschbecken fand ich zu wenig, davon abgesehen, dass der ständig leer war. Für einen 5*-Platz etwas peinlich, in diesem Bereich hat Ginsterveld den Maßstab gelegt und der war merklich höher. Ansonsten war der Service aber top. Die Pommesbude auf dem Gelände war wirklich gut und kein Vergleich zu Ginsterveld, die eher zum raus laufen war. Preis-Leistung war gut und es gab sogar ausgewiesene glutenfreie Produkte, in einer POMMESBUDE! Ich konnte es kaum fassen. Alleine dafür reise ich gerne nach Holland. Im Supermarkt in Renesse (Jumbo) gab es regelmäßig drei Sorten frisch gebackenes, glutenfreies Brot zu 4,25 Euro für 750 g. Das war wirklich gut, ach, und frische glutenfreie Brötchen gab es auch. Dazu den üblichen Meter glutenfreier Produkte und eine GF-Tiefkühlsortiment. Hier können Menschen mit Zöliakie ohne bedenken zelten fahren.

Der Strand bei Renesse war im Herbst total überlaufen.
Der Strand bei Renesse war im Herbst total überlaufen.

Die Anzahl der Campingplätze ist im Vergleich zu den Mobilheimen in Julianahoeve eher gering, der Platz ist riesig aber eben fast nur mit Mobilheimen bestückt, als wir Anfang Oktober dort waren, schauten die Leute nicht schlecht, dass wir mit dem Zelt anreisten. Sieht ja aber auch seltsam aus, wenn praktisch nebenan ein Q7 mit 10-Meter-Doppelachser steht und ein paar Meter weiter jemand seinen Smart aus der Garage im Heck seines Reisebusses ausparkt. 😉

Dies zählt wohl zu Nebenwirkungen von Renesse, Julianahoeve wirbt ganz offen mit „Glamping“, Spülmaschine inklusive. Der Ort hat uns übrigens nicht gefallen, der war völlig überlaufen, ich möchte gar nicht wissen, wie das im Sommer ist. Lag aber vielleicht auch daran, dass mehr Hunde als Menschen dort waren. Ab dem 15. September sind Hunde am Strand bei Renesse generell gestattet. Für Hundebesitzer toll, für Familien mit Kindern eher ein Problem, egal ob in der Stadt oder am Strand. Wenn Hunde Kinder „begrüßen“  und ohne Leine umrennen hört für mich der Spaß auf, von den Tretminen am Strand mal abgesehen. Das sollte man berücksichtigen, wenn Kinder Angst vor Hunden haben, ist es eindeutig ab diesem Datum nicht empfehlenswert. Auf dem Platz sind Hunde übrigens nicht gestattet, dort hatten wir entsprechend auch keine Schwierigkeiten.

Wir werden eher nicht noch einmal nach Julianahoeve fahren, sondern in Zukunft Ginsterveld oder De Pekelinge bevorzugen.

Einige Radtouren habe ich auch gemacht, dazu in einem anderen Artikel mehr.

 

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