14 Okt

The Flow

Wenn Kinder sich intensiv mit einer Sache beschäftigen, nennt man das auch "Flow", in diesem Fall ist die Sache eine Pfütze, bzw. das Wasser.
Wenn Kinder sich intensiv mit einer Sache beschäftigen, nennt man das auch „Flow“, in diesem Fall ist die Sache eine Pfütze, bzw. das Wasser.

In diesem Artikel geht es nicht um ein neues Meisterwerk im Sinne von „The Fly“ oder „The Thing“, sondern um einen Begriff aus der Pädagogik. Selbst Sportler ohne Kinder können mit dem Begriff meistens etwas anfangen, beschreibt er doch die intensive Beschäftigung mit einer Sache, beim Sport ist es meist Joggen, Hiken, Radfahren oder Schwimmen. Sportler im „Flow“ sind in ihre Bewegung vertieft, wenn Kinder im Flow sind, ist es der zweitbeste Zustand, den es für Eltern geben kann. Der Flow kommt direkt nach Schlafen und kann für Eltern sehr erholsam sein. Der Flow ist sozusagen das Gegenteil von Langeweile, eben das perfekte Spiel.

Damit bleibt für die Eltern nur eine Frage offen: „Wie bekomme ich die Kinder möglichst oft, möglichst lange in diesen schönen Zustand?“

Natürlich gibt es beim Flow auch Nebenwirkungen, denn Kinder hören dann nur das, was sie hören wollen. Eben für das Kind nur positive Dinge, zum Beispiel: „Es gibt Eis.“
Man kann ganz sicher sein, dass: „Räumt eure Schulsachen vom Esstisch“ nicht gehört werden wird. Zumindest nicht, wenn man nicht zum dritten Mal brüllt. (Das Thema Brüllfalle kommt später…)

Ich beziehe mich hier im Blog üblicherweise auf Kinder bis zu drei Jahren, für ältere Kinder kann es Abweichungen geben. Im Grundsatz ändert sich jedoch nicht viel. Um in den Flow zu kommen, brauchen Kinder ein gewisses Umfeld. Eine Bezugsperson (Mutter, Vater, Kindertagespflegeperson, Betreuer, Oma, Opa…) muss anwesend sein. Bei kleinen Kindern meist im gleichen Raum (Sichtweite), bei größeren Kindern reicht oft schon Hörweite, später das Wissen, dass die Eltern nicht weit sind. Die Bezugsperson darf dafür nicht (!) am Spiel teilnehmen, siehe dazu zum Beispiel den Artikel „Helicopter-Parenting„.

Kinder im Flow beschäftigen sich intensiv mit einer Sache, sprich, eine Sache muss vorhanden sein. Es kommt alles in Frage, Spielzeug, Naturmaterialien, oder eben alles von Interesse für das Kind, auch ein rostiger Kronkorken, völlig egal, Eltern haben darauf praktisch keinen Einfluss. Was gestern gut geklappt hat, ist am nächsten Tag vielleicht keinen Blick wert. Da hilft nur Beobachten und variieren. Das Kind interessiert sich intensiv für ein Stück Pappe? Vielleicht morgen mal einen Karton hinstellen…

In den eigenen vier Wänden hilft es, wenn das Kinderzimmer nicht überfrachtet ist. Nicht zu viele Farben, nicht zu viele Muster und vor allem: Nicht zu viel Spielzeug. Das ist heute schon oft ein echtes Problem. Wer zu viel Kram rumliegen hat, ist leicht überfordert. In den Flow zu kommen ist so nicht mehr so einfach. Die Eltern können an dieser Stelle helfen, mit dem Rotationsprinzip. Die Spielsachen werden aufgeteilt und ein Teil für das Kind unzugänglich verstaut. Durch Beobachtung stellt man fest, wenn ein Spielzeug längere Zeit nicht verwendet wurde, jetzt ist es höchste Zeit zum Tauschen. Nach einigen Wochen ist es plötzlich wieder gefragt.

Kinder spielen gerne in ordentlichen Zimmern. Das klingt zuerst paradox, denn jeder weiß, wenn die Kinder mit dem Spielen fertig sind, herrscht das Chaos. Gerade deswegen ist Ordnung wichtig, auch die kleinen Kinder sollen beim Aufräumen helfen, aber die meiste Arbeit wird bei den Eltern hängen bleiben. Auf die eine oder andere Weise. Als ich älter war, hat meine Mutter mit dem blauen Müllsack gedroht und sie hat es durchgezogen. Auf Drohungen soll man eigentlich verzichten, aber hey, ich bin kein Sozialpädagoge. 😉

Die Grundbedürfnisse müssen gestillt sein, im Flow selbst treten Hunger und Durst in den Hintergrund, das Bedürfnis aufs Klo zu gehen leider auch, das ist schwierig bei Kindern, die gerade beginnen auf die Windel zu verzichten, aber das ist wohl der Preis der optimalen Entwicklung. 🙂

Eine Regel noch zum Schluss: Wenn das Kind im Flow ist, bloß nicht stören, auch nicht mit dem Abendessen, diese Momente sind kostbar und müssen ausgenutzt werden. Viel Erfolg!

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