2 Jan

Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht zum Silverster-Programm in Leutesdorf 2016/2017

Zum fünften Mal Silvester in der Jugendherberge, fünf verschiedene Herbergen, fünf verschiedene Programme, diesmal ging es in das ehemalige Kloster in Leutesdorf.

Rheinblick über einen Teil der ehemaligen Kloster-Anlage aus dem Zimmer

Wie in den letzten Jahren auch, fuhren wir mit mehreren Familien, diesmal waren es insgesamt vier mit 7 Kindern zwischen einem Jahr und 7 Jahren. Auch diesmal gaben wir vorab den Hinweis „glutenfrei“ für mich an.

Hier kurz die Übersicht über die letzten vier Jahre:

Als wir die Jugendherberge in Leutesdorf gebucht haben, war diese noch im Bau, daher gab es damals auch noch keine Informationen zum Silvester-Programm oder irgendwelche Erfahrungsberichte oder Bewertungen. Da „Leutesdorf“ zur Kategorie „IV+“ gehört, machten wir uns aber nur wenig Sorgen um die Qualität, womit wir auch richtig lagen.

Anlage und Ausstattung

Das eigentliche Kolster wurde bis auf ein altes Ursprungsgebäude komplett abgerissen und neu gebaut. In dem alten Teil fand eigentlich nichts statt, so wie wir es erkennen konnten, befinden sich dort nur kleinere Veranstaltungs- und Konferenzräume. Das  Gebäude der Jugendherberge selbst ist also komplett neu.
Auch Leutesdorf liegt unmittelbar am Rhein, mit einer Bahnlinie hinter dem Gebäude und einer auf der anderen Rheinseite. Im Gegensatz zu Kaub ist das aber kein größeres Problem, durch die neuen 3Fach-Fenster mit Lüftungsschlitz bekommt man nichts vom Bahnverkehr mit. Was allen bereits nach wenigen Minuten klar wurde, ist, dass die Geräuschkulisse eine völlig andere als in allen uns bekannten Jugendherbergen war. Die Decke wurde schallabsorbierend ausgebaut und zwar in allen öffentlichen Räumen. Man kann in Worten nicht ausdrücken, wie positiv sich das auswirkt, egal ob im Speisesaal, im Flur oder in den Eingangsbereichen. Toll.

Haupteingang der Jugendherberge in Leutesdorf

Der Eingangsbereich hatte keine Luftschleuse, was dazu führte, dass es dort stetig sehr kalt war, diese Kälte zog auch merklich in den sonst schönen Bistro-Bereich. Für mich persönlich total widersinnig, ein Gebäude neusten Energiestandards und dann ein Riesen „Loch“ ohne Schutz in der Front. Da hat der Architekt offenbar gepennt.

Die Spielecke war wirklich nur eine Ecke, lag aber ganz geschickt direkt am Bistro, dafür gab es an anderer Stelle noch ein Kinder-Karussell, was sich sehr großer Beliebtheit erfreute, aber dem Ansturm an den Tagen leider nicht auf Dauer gewachsen war. Die Türen zu den Zimmern und Fluren waren auch für Kinder gut zu öffnen.

Die Küche ist offen gestaltet und auf dem Stand der Technik, was sich ebenfalls sehr positiv bemerkbar machte. Der Außenbereich ist sinnvoll gestaltet und bietet ausreichende Spielmöglichkeiten direkt auf dem Gelände, wobei auch direkt am Rhein ein Spielplatz zu finden ist. Im Sommer muss die Terrasse ein Traum sein. Parkplätze sind einige Meter von der Jugendherberge ausreichend vorhanden, zumindest, wenn nicht gerade Hochwasser ist. 😉

Als wir in Kaub übernachteten, dachten wir, die Zimmer wären nicht mehr zu toppen, aber Leutesdorf hat tatsächlich noch einmal eine ganze Schippe drauf gelegt. Egal ob Bad, Fenster, Schränke oder die Zimmertüre, es war absolut überzeugend. Nur die Betten irgendwie nicht, meine Hausstaub-Allergie machte sich stark bemerkbar, sonst fanden nirgendwo Stoffe Verwendung und die Matratze hatte sogar einen Überzug. Obwohl das Gebäude brandneu war, durften wir einige Male kalt duschen, so was sollte heutzutage eigentlich locker zu vermeiden sein. Es traf nicht jeden, aber im Winter kann eine kalte Dusche die Stimmung doch deutlich senken. 🙂

TIPP: Eigenes Kopfkissen mitbringen, die der Jugendherberge taugen nicht viel und sind ganz offensichtlich stark mit Milben belastet.

Programm

Beim Ankommen am Mittwoch Nachmittag gab es Kaffee und Kuchen, eine nette Überraschung, abends dann Glühwein, Stockbrot und Marshmallow-Rösten. Als das stand zuvor so nicht im offiziellem Programm im Internet, erfreute uns aber sehr, der Glühwein war richtig gut und bei Minusgraden sehr willkommen.
Am Donnerstag gab es eine Tageskarte für das Schwimmbad „Deichwelle“, die eigene Anreise mit privatem Auto dauerte ca. 25 Minuten. Leider handelt es sich bei der „Deichwelle“ um ein 08-15-Schwimmbad, in dem eine Aufenthaltsdauer von mehr als zwei Stunden mit Kindern kaum zu machen ist. Der Tag bot also noch reichlich Luft.
Ich selbst war an diesem Tag eine Etappe auf dem Rheinsteig wandern, dazu in einem separatem Blog-Post mehr.

Zoobesuch im Nebel (Neuwied): Ausflugsziel im Silvester-Programm der Jugendherberge Leutesdorf
Zoobesuch im Nebel (Neuwied): Ausflugsziel im Silvester-Programm der Jugendherberge Leutesdorf

Am Freitag dem 30. Dezember ging es in den Neuwieder-Zoo, auch hier wieder eine private Anreise von ca. 25 Minuten und dazu eine Tageskarte für den Eintritt. Bei minus 4 c° und dichtem Nebel war hier nach spätestens drei bis vier Stunden für uns Schluss. Der Zoo selbst ist kein Vergleich mit zum Beispiel dem Zoo in Wuppertal, obwohl die Hanglage ähnlich ist, die Größe ist eher wie der Krefelder Zoo, aber in arg herunter gekommen. Regulär kostet eine Karte übrigens 12,00 Euro je Person.
Am Nachmittag gab es dann noch Basteln für die Kinder, was auch sehr gerne in Anspruch genommen wurde, das wäre am Tag zuvor sicher auch eine gute Möglichkeit gewesen, die restliche Zeit zu verbringen. Am Samstag gab es eine Stadt-Rallye durch Leutesdorf und einen Besuch im Dorfmuseum. Die Stadt-Rallye mussten wir nach der Hälfte der Zeit abbrechen, den Kindern wurde es viel zu kalt und viel zu langweilig, die Erwachsenen fanden das nur bedingt schade. Der Besuch im Dorfmuseum war irgendwie schon putzig, das Highlight waren die zur Benutzung frei gegebenen alten mechanischen Schreibmaschinen. Die Kinder waren alle total fasziniert, und dies durch alle Altersgruppen und beschäftigten sich erstaunlich lange damit. Vielleicht sollte die Jugendherberge einen Schreibmaschinen-Kurs anbieten, macht zumindest nicht jeder. 😉
Insgesamt war das Programm doch sehr durchschnittlich und konnte mit Cochem, Kaub oder selbst Daun nicht mithalten.

Essen und Silvesterparty

Bisher wurde in den Jugendherbergen an den Tagen vor Silvester in der Küche stets merklich gespart, damit das Buffet ordentlich ausfallen konnte, daher waren wir überrascht, dass dies in Leutesdorf nicht der Fall zu sein schien. Die Variante „Lunchtüten“, also Brötchen zum Mitnehmen, an zwei Tagen machte offenbar den Spielraum größer, so gab es abends stets gutes Essen. Insgesamt fiel die Qualität der Küche wirklich sehr positiv auf, natürlich war es auch hier „Convenience“, aber das „Convenience“ auch richtig schlecht geht, wussten wir ja spätestens seit Cochem. Ebenso war die gesamte Küchencrew stets zuvorkommend, sehr organisiert und freundlich, das kennen wir auch ganz anders.  Die Erwartungen für das Silverster-Buffet waren daher recht hoch.
Am ersten Abend überraschte mich der Koch mit präzisen Angaben zur Glutenhaltigkeit der Speisen, zum Frühstück gab es frische, glutenfreie Aufback-Brötchen. So was hatten wir bisher noch nie, die waren wirklich gut. Ich war begeistert.

Die Jugendherberge in Leutesdorf liegt direkt am Rhein

Das Silvester-Buffet machte dann auf den ersten Eindruck wirklich was her und die meisten Gäste waren hoch zufrieden. Für die „Glutenfrei-Fraktion“, immerhin waren wir zu dritt und die Vegetarier war es dann aber doch sehr ernüchternd. Der Koch gab meiner Frau Spanferkel mit Sauce mit, die glutenfrei sein sollte. Als ich nachfragte, wie der Koch eine glutenfreie Biersauce gemacht habe, wurde klar, dass hier das Wissen nicht ganz ausreichte, da es aber an den anderen Tagen gut geklappt hatte, nahm ich ihm das nur kurz übel. Was viel blöder war: Es gab nicht ein vegetarisches Hauptgericht und das einzige glutenfreie Hauptgericht war somit Hähnchen mit Reis, wer das Blog kennt, weiß um die Ironie der Sache. Ich aß also Brötchen mit (sehr gutem) Käse. Volle Punktzahl für das Essen am letzten Abend versaut, schade, ich bin sicher die Küche hätte das besser gekonnt. Der vielleicht 8 Jahre alte Junge mit Zöliakie tat mir an diesem Abend sehr Leid, für die Kinder gab es eine Burger-Station, an der sich auch so mancher Vater erfreute, aber die war natürlich nicht glutenfrei. Er aß Hähnchen mit Reis, sehr tapfer.
Die anschließende Party fand dann in einem großen Saal statt, in dem auch Platz zum Tanzen war, kein Vergleich zu Prüm und die Deckenhöhe eher niedrig, aber auch nett mit eigenem DJ. Das Feuerwerk war jedoch doch sehr mau und das von Andernach auf der anderen Rheinseite kaum zu erkennen, immerhin hat unser Sohn bis Mitternacht zum ersten Mal durchgehalten.

Zusammenfassung und Fazit

Wir haben für vier Übernachtungen mit zwei Erwachsenen und einem Kind (5) insgesamt knapp 550 Euro mit Getränken bezahlt.

Was uns in Leutesdorf gut gefallen hat:

  • Meist verlässliche Angaben zu Allergenen, gute glutenfreie Brötchen
  • Insgesamt sehr gutes Essen, nette Küchencrew
  • Sehr gute Organisation, sehr nette Mitarbeiter
  • Schallabsorbierende Decken in allen öffentlichen Bereichen
  • Schöne Räumlichkeiten, vor allem die Zimmer
  • Guter Wein von lokalen Winzern, mit 4,80 Euro für ein Glas (0,2l) auf Restaurant-Niveau
  • Ausreichend Parkplätze
  • guter Empfang für Handys und Babyphone
  • gute Party mit DJ

Was uns in Leutesdorf nicht so gut gefallen hat:

  • Das Programm war sehr durchschnittlich
  • Der Eingangsbereich, den die Kinder gerne zum Spielen nutzten, war sehr kalt
  • Kein vegetarisches Gericht als fester Bestandteil des Essens
  • Kalte Duschen, wenn man etwas Pech hatte
  • Kaum Feuerwerk an Silvester
  • Schlechte Kopfkissen mit offenbar hoher Milbenbelastung

Die Jugendherberge in Leutesdorf setzt den Standard unglaublich hoch an, die Zimmer, die Bäder, die Anlage, das Essen, es gibt kaum etwas zu meckern. Die freundlichsten und am besten organisierten Mitarbeiter, die wir bisher in einer Jugendherberge erlebt haben. Insgesamt ein toller Aufenthalt.
Das Programm war leider nur durchschnittlich, hier legen Cochem und Kaub eindeutig die Latte höher, viel höher. Da dies der einzige große Kritikpunkt ist, sollte hier vielleicht doch noch mal was passieren. Die Geräuschkulisse war dafür unschlagbar gut, egal ob im Bistro, in den Fluren oder beim Essen, was gute Raumakustik ausmachen kann ist kaum zu glauben. Hier hat man wirklich alles richtig gemacht, dies war einer der Hauptkritikpunkte in den anderen Jugendherbergen. Grundsätzlich kann ich die Küche in Leutesdorf für Zöliakie-Betroffene empfehlen, eine Kontrolle und präzises Nachfragen scheinen aber stets angebracht zu sein. Probleme hatte ich keine, daher gehe ich davon aus, dass anderen Angaben soweit alle korrekt waren, auch die Glutamat-Empfindlichen hatten keinerlei Schwierigkeiten.

 

 

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