Silvester in der Jugendherberge: Erfahrungsbericht Kaub 2015/2016

Jugendherberge Kaub an Silvester

Jugendherberge Kaub an Silvester

Vier Mal Silvester in der Jugendherberge, vier verschiedene Herbergen, vier verschiedene Programme, diesmal ging es nach Kaub.

Hier kurz die Übersicht über die letzten Jahre:

Wie man sieht, so langsam bekommen wir Routine und können auch sinnvoll Vergleiche ziehen, aber um es direkt zu sagen, wir sind dieses Jahr mit sechs Familien und insgesamt 11 Kindern nach Kaub gefahren. Einige sind ebenfalls zum vierten Mal dabei gewesen, die Meinungen, wo es nun am besten war, gingen allerdings erheblich auseinander, dazu später mehr.

Anlage und Ausstattung

Alle waren sich aber in einem Punkt einig: Die Räumlichkeiten, vor allem die Zimmer, waren nirgends so gut wie in Kaub. Den Festsaal in Prüm kann vermutlich nichts toppen, aber das Ambiente in Kaub war durch die historische Bausubstanz auch nicht langweilig und machte wirklich was her. Der Lärmpegel im Speiseraum war zwar auch hier durch fehlende Schallabsorption unnötig hoch, aber bei weitem nicht so schlimm wie in Cochem, was vermutlich an der Unterteilung in mehrere Abschnitte verursacht wurde. Aber blanke Böden, Decken und Wände verursachen immer Schall und nicht zu knapp, wenn Kinder dabei sind. Für den Silvesterabend wurde im hübschen Bistro oder im „Folterkeller“ gedeckt, wobei letzter durch das offenporige Schieferstein-Gewölbe bei weitem nicht so laut war, wie man befürchten konnte.

Die Spielecke war, ganz im Gegensatz zu Prüm,  gut positioniert, wurde aber für das Silvesterbuffet komplett gesperrt, was zu einigen Problemen am langen Silvesterabend führte, denn ein Alternativprogramm für die Kinder gab es leider nicht, das konnten andere Jugendherbergen, wie zum Beispiel die in Prüm, erheblich besser.

Hinweis: Wer die Gegend kennt, weiß, dass die Güterzüge im Minutentakt dort im Rheintal ein echtes Problem sind, die Jugendherberge Kaub liegt unmittelbar an der Bahntrasse, das Schlafen geht nur mit geschlossenen Fenstern.

Programm

Kindgerechte Führung in der Marksburg

Kindgerechte Führung in der Marksburg

Im Internet stand bei der Buchung (inzwischen geändert), dass es als Highlight einen Ausflug auf einem Mosel-Schiff zur Lorelei gibt. Das stimmte so nicht, es fand stattdessen eine Bustour zur sehenswerten Marksburg statt. Wir befürchteten bereits eine Verkaufsveranstaltung für Heizdecken, aber der Ausflug entpuppte sich als vermutlich besser, als die angedachte Schiffstour, nur eine Info dazu vorab wäre ganz nett gewesen. Der Ausflug hätte zeitlich etwas optimiert werden können, ein späterer Start wäre sinnvoll gewesen.

An den Tagen zuvor gab es eine kleine Stadttour mit einem tollen Guide, der auch die Kinder begeisterte, den Abschluss bildete ein guter Glühwein bei einem lokalem Winzer, die Stadttour hätte ruhig etwas umfangreicher sein können, zu erzählen gab es offenbar genug. Warum alle Touren eng getaktet vormittags stattfinden mussten, bleibt uns ein Rätsel.

Stadtführung in Kaub

Stadtführung in Kaub

An einem Tag gab es Basteln und einen tollen Ausflug mit Führung zur Burg Pfalzgrafenstein mitten im Fluss, auch hier war die zeitliche Abfolge alles andere als optimal und schlecht abgestimmt, so dass das Basteln viel zu kurz geraten musste, auch das konnten andere Jugendherbergen viel besser und verschafften den Eltern erholsame und wertvolle Zeit. Wir fanden das sehr schade, auch einen Filmabend haben wir vermisst, den gab es sonst überall.

Offiziell kein Programmpunkt aber für Wanderfreunde eine Alternative ist es, eine Etappe auf dem Rheinsteig zu wandern, entweder Etappe St. Goarshausen nach Kaub, oder von Kaub nach Lorch. Ich entschied mich für die Etappe nach Lorch, die ich alleine ging, während meine Frau mit Kind den Ausflug zur Burg Pfalzgrafenstein machte. Eigentlich hatte ich vor, mit dem Schiff zur Lorelei zu fahren, was ja ursprünglich ein offizieller Programmpunkt war und dann zu Fuß über den Rheinsteig nach Kaub zurück zu wandern. Daraus wurde aber leider nichts. Die Etappe nach Lorch ist aber auch sehr schön.

Essen und Silvesterparty

Das Essen war einfach gehalten, auch am Silvesterabend, da hatte Prüm optisch viel mehr zu bieten, dafür konnte ich es nicht essen. 😉 Wie üblich wurde an den normalen Tagen vor Silvester „gespart“, damit es an Silvester was ordentliches geben kann, das Konzept war bei allen Herbergen gleich und macht ja auch Sinn.

Eingedeckt im "Folterkeller" für Silvester

Eingedeckt im „Folterkeller“ für Silvester

Für meine glutenfreie Ernährung gab es ebenso wenig Sonderessen, wie für die Vegetarier, aber es gab immer etwas glutenfreies und vegetarisches zu Essen. Einfach gelöst, aber nicht schlecht, immerhin wusste der Koch, was er tat und konnte sichere Auskunft erteilen, das war ja in Cochem und in Prüm nicht der Fall und grenzte an Körperverletzung. Auch Glutamat wurde nach eigener Aussage nicht verwendet, was wir insofern bestätigen können, dass die Allergiker keinerlei Probleme hatten.

Ich hatte zumindest wegen Gluten keine Ausfälle, also für mich eine gute Küche. Das Buffet an Silvester war ebenfalls ohne großen Schnickschnack, dafür gut und lange Schlangen gab es wegen des sehr übersichtlichen Aufbaus auch nicht. Nur bei Salat und Gemüse haben wir hier und da ein wenig Auswahl vermisst.

Wie auch in Cochem gab es in Kaub Wein von lokalen Winzern zu fairen Preisen. Die Organisation bei der Bedienung und auch in der Küche war allerdings stark optimierungsbedürftig, was an Silvester von der Leitung mit Krankenstand beim Personal begründet wurde. Verständlich, aber ärgerlich war es dann teilweise dennoch, nicht selten waren beim Frühstück ALLE Platten leer, auch beim Silvesterbuffet gab es zeitweise keinerlei Beilagen oder Salate, oder noch besser, keine Teller, Tassen und Besteck, was auch beim Frühstück regelmäßig für Frustrationen sorgte. Ebenso leere Getränkebehälter oder kaltes Teewasser kann man wirklich einfach vermeiden.

Zusammenfassung und Fazit

Wir haben für vier Übernachtungen mit zwei Erwachsenen und einem Kind (4) insgesamt knapp 550 Euro mit Getränken bezahlt.

Was uns in Kaub gut gefallen hat:

  • Verlässliche Angaben zu Allergenen
  • Insgesamt gutes Essen
  • Tolle Führungen für die zwei Burgen und auch für die Stadt, absolut kindgerecht
  • Schöne Räumlichkeiten, vor allem die Zimmer
  • Kleine aber sinnvolle Spielecke
  • Guter Wein von lokalen Winzern zu fairen Preisen
  • Aktuelle Gesellschaftsspiele für jeden Geschmack
  • Ausreichend Parkplätze

Was uns in Kaub nicht so gut gefallen hat:

  • Zeitliche Abfolge der Programmpunkte
  • Wenig „kleine“ Aktivitäten speziell für die Kinder
  • Die Spielecke war an Silvester ersatzlos gestrichen,
    es gab keinerlei Alternativprogramm für die Kinder
  • Bedienung und Organisation teilweise chaotisch, insbesondere an Silvester
  • Schlechter bzw. kein Empfang für Babyphone oder Handys
  • kostenpflichtiges W-Lan
  • Güterzüge im Minutentakt direkt vor dem Fenster,
    das Schlafen war nur mit geschlossenem Fenster möglich
  • Weite Wege mit vielen Treppen oder mit zwei Aufzügen zu den Zimmern
  • Für kleine Kinder sehr gefährliche und sehr schwere Türen, zahlreiche Quetschungen konnten wir miterleben

Die Meinungen der anderen Familien und von uns zu den Jugenherbergen im Vergleich

Sechs Familien, sechs Meinungen, ist ja klar. Uns hat Kaub insgesamt sehr gut gefallen, das Programm war schon ähnlich gut, wie das in Cochem, rückblickend war das in Daun aber auch wirklich gut, nur unsere Kinder waren damals noch zu jung. Optisch waren Prüm und Cochem beim Silvesterbuffet besser als Kaub, für Allergiker sind aber Daun und Kaub mit Sicherheit sinnvoller, auch die Qualität stimmte eher in Kaub (Köche können natürlich wechseln). Die Zimmer in Cochem und Prüm waren gut, die in Kaub waren besser. Der Festsaal in Prüm ist kaum zu toppen, Kaub war aber durch die historischen Räume auch wirklich schön.
Die Organisation war in Daun und Prüm um längen besser als in Kaub, die „Nebenprogramme“ für Kinder waren in Daun und Prüm im Gegensatz zu Kaub vorhanden und gut.
Die Spielecken sind alle vergleichbar ausgestattet, in Daun und Kaub aber am besten zu nutzen. Die Lage der Jugendherberge direkt am Rheinsteig im schönen Örtchen Kaub ist toll, die Bahnlinie leider nicht, alle Jugendherbergen liegen landschaftlich schön, als Ort konnte weder Prüm noch Daun überzeugen, nur Cochem ist ähnlich reizvoll.

Also, jeder legt auf andere Dinge wert, aber das Gesamtbild stimmte in Kaub, es waren schöne Tage.

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