18 Feb

Schöne Kindheitserinnerungen – Blogparade

Ich, in etwa im Alter meines Sohnes.
Ich, in etwa im Alter meines Sohnes.

Beim Lesen vom Blog „Weddinger Berg“ stolperte ich über die Blogarade von „Mamaskind“, einen Elternblog, der sich bisher meiner Aufmerksamkeit entzogen hatte, dabei macht der wirklich was her.

Aktuell macht mir das Schreiben wieder richtig Freude, daher nehme ich an der Blogparade gerne teil, auch, weil ich mich vor vielen Jahren bereits mit meinen Kindheitserinnerungen auseinander gesetzt habe. Damals habe ich mir selbst, nachts um halb drei, die Frage gestellt, bei welchem Ereignis in meiner Jugend mich Männer beeindruckt haben.

Das Thema empfinde ich immer noch als sehr persönlich, aber jeder Vater sollte sich diese Frage vielleicht irgendwann mal stellen, bevor es zu spät ist. Mir ist dabei so einiges aufgefallen. Bei den „schönsten Kindheitserinnerungen“ kommt natürlich nicht nur der Vater vor, sondern auch die Mutter. Dabei ist mir schon wieder etwas klar geworden, denn in meinen schönsten Kindheitserinnerungen spielt meine Mutter, ebenso wie mein Vater, eigentlich keine Rolle. Als ich darüber nachdachte, fand ich das schon irgendwie seltsam.

Die Top-10-Liste von vor vielen Jahren ist nicht unbedingt identisch mit den schönsten Erinnerungen. Die Erinnerungen, die ich als die schönsten benennen würde, kommen aber alle darin vor und haben alle mit meinem Patenonkel zu tun. Dabei habe ich den gar nicht so oft gesehen, aber wenn, dann war das eben immer toll.

Der beste Urlaub meines Lebens war der auf dem Campingplatz mit seiner Familie in Bollendorf, ohne meine Eltern, vielleicht ist das auch das Geheimnis. 😉

Dieser Urlaub beinhaltet eine ganze Reihe meiner schönsten Erinnerungen und die haben alle nichts mit Geld zu tun. Was übrigens auch bemerkenswert ist, denn damals war Geld für meine Eltern kein großes Thema, wir hatten für alles genug und Urlaube fanden sonst in Clubs statt, bis zu vier mal im Jahr. Da gab es immer eine gute Kinder-Animation und keiner, weder meine Mutter, noch mein Vater mussten sich groß um mich kümmern. Papa spielte Tennis, Mama sonnte sich am Pool, möglichst ohne irgendwie nass zu werden. Ich hatte dort durchaus meinen Spaß, aber schöne Erinnerungen? Ne, die habe ich daran kaum.

Was mich wieder in die Eifel zu meinem Patenonkel bringt, ich muss jünger als 12 Jahre gewesen sein, denn meine Eltern waren noch zusammen, ich war aber wohl schon merklich älter, als mein Sohn jetzt ist. Mit meinem Patenonkel habe viel Unternommen, meistens in der freien Natur und er war für jeden Quatsch zu haben.

Wir haben Blaubeeren oder Pilze gesammelt und haben Pfannkuchen gebacken, dazu gab es Löwenzahnsalat, selbst gepflückt, vielleicht noch einen Fisch, selbst geangelt. Er zeigte mir, wie man am Lagerfeuer Pupse anzündet, wanderte durch die Wälder und erklärte mir die Natur. Sein Bizeps war außergewöhnlich kräftig, er machte täglich Curls und konnte mich mit einer Hand locker hoch heben. Das hat mich durchaus beeindruckt und hat vielleicht auch Auswirkungen auf meinen heutigen Sport gehabt.

Onkel Herbert wurde nie wirklich wütend, und wenn, dann selten laut und selbst das schaffte er liebevoll, obwohl seine damals pubertierende Tochter ihn sichtlich Nerven kostete, sein älterer Sohn kam da eher auf ihn, aber ich hatte mit beiden Kindern nicht viel zu tun, die waren eben älter. Er war in seiner Art sehr genügsam und erfreute sich an ganz einfachen Dingen, mir schien es, ihn wirklich alles Fragen zu können, ohne ihm auf die Nerven zu gehen. Er antworte stets kindgerecht und ausführlich.

Während ich das hier schreibe, fliegen mir ständig kleine Tiere in die Augen. Als mir klar wurde, was für ein toller Mensch er gewesen ist, also, als ich selber Vater wurde, da hatte ich ihn knapp verpasst. Als ich ihn anrufen wollte, zum ersten Mal seit Jahren, war er still und heimlich verstorben. Viel zu früh.

Er war ein toller Mensch. Hoffentlich schaffe ich das auch.

 

2 thoughts on “Schöne Kindheitserinnerungen – Blogparade

  1. Hi Guido,
    schön, dass Du mich gefunden hast! 🙂 Ich hätte ja gar nicht geahnt, dass diese Blogparade so weite Kreise zieht, juchu!
    Vielen Dank für das Teilen Deiner Erinnerungen an Deinen Patenonkel.
    Mit den richtigen Vorbildern kann man so einiges schaffen.
    Liebe Grüße
    Sarah

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