19 Feb

Ohne Worte

Namens-Geste für unseren Sohn
Namens-Geste für unseren Sohn

Am Veilchendienstag waren wir auf einem Kindergeburtstag und es war ein fast surreales Erlebnis:

Sieben Kinder und kein Geschrei, kein Lärm, kein Gebrüll und das über mehrere Stunden.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Für mich bedeutet die Kombination aus „Ruhe“ und „Kind“ immer irgendwie, dass Gefahr oder Ärger in Verzug ist.

Das war schon ein außergewöhnliches Erlebnis.

Unser Sohn war auf der Party das einzige Kind, das nicht schwer-hörig war. Das stellte aber überhaupt kein Problem dar, denn die Kinder verstanden sich ohne Worte.

Für die Kinder mit Handicap war die Gebärdensprache natürlich erste Wahl, aber auch unser Sohn hatte keinerlei Schwierigkeiten, ganz im Gegenteil. Das Zuschauen machte wirklich Spaß, die Integration war sozusagen auf den Kopf gestellt. Der Nachmittag war so beeindruckend, dass wir ernsthaft überlegt haben, einen Kurs für Gebärdensprache zu machen.

Unser Sohn hat schon seit einiger Zeit eine personalisierte Geste, sozusagen einen „Namen“ in Gebärdensprache, der wurde von seiner schwer-hörigen Freundin, auf deren Geburtstag wir waren, selbst erfunden. Es war der enspannteste Kindergeburtstag auf dem wir je gewesen sind.

Seit unser Sohn in den Kindergarten geht, brüllt er uns eigentlich nur noch an. Nicht böswillig, sondern einfach so. Er bemüht sich, so laut es geht zu reden, was bei uns zu Hause oder im Supermarkt aber völlig unnötig ist und uns natürlich auch stört. „Sprich leise“ und „brüll mich nicht so an“  sind Aufforderungen von uns an ihn, die mittlerweile inflationär verwendet werden. Den Lärmpegel im Kindergarten kann man sich gut vorstellen.

Auf dem Geburtstag brüllte er nicht, hätte ja auch nichts genützt, auch er sprach ohne Worte.

 

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