23 Nov

Das Betreuungsgeld

Gerade hat Frau Hasselfeldt (CSU) es im Bundestag noch einmal erklärt, das Betreuungsgeld: Mütter  Eltern sollen die Art der Betreuung frei wählen können. Ach so, gut, dass es mir endlich mal jemand verständlich gemacht hat. 🙂

Also, wer sein Kind im 2. Lebensjahr zu Hause betreut, bekommt 100,00 Euro, im Dritten sind es dann sogar unglaubliche 150,00 Euro. Für das erste Jahr gibt es ja das Elterngeld, welches ich selbst auch beantragt habe.

Das Elterngeld ist eine echte Lohnersatzleistung, ich darf und muss nicht neben der Betreuung meines Sohnes arbeiten gehen, um einen Beitrag zur Familienkasse zu leisten. Ich finde dies generell eine tolle Sache, obwohl ja auch das Elterngeld umstritten ist, weil zu teuer für den Staat. Der Anteil der Männer in Elternzeit steigt übrigens weiter: Väter und Karriere

Es geht nun aber um das zweite und dritte Jahr, bevor das Kind in den Kindergarten kommt. Ich kann natürlich nur aus meiner Sicht schreiben und bin daher nicht unbedingt objektiv. Was mache ich nun, wenn das Elterngeld ausläuft, also im März 2012? Ich kann…

  1. …einfach zu Hause bleiben und meine Frau arbeiten schicken
  2. …meinen Sohn 45 Std. in eine Kita schicken und eventuell Vollzeit arbeiten gehen
  3. …eine Tagespflegeperson beauftragen, oder eine Kita wählen unter 45 Std. und Teilzeit arbeiten gehen
  4. …eine Nanny einstellen und arbeiten gehen
  5. …selbst als Tagesvater arbeiten und meinen Sohn nebenbei mit betreuen

Was bedeutet diese Wahlmöglichkeit nun? Die CSU bevorzugt offensichtlich die erste Variante. Das heißt meine, mehr oder weniger qualifizierte, Arbeitskraft geht komplett verloren und man bekommt dafür 100,00 Euro Taschengeld, dafür sehe ich meinen Sohn den ganzen Tag. Bei Variante zwei erwirtschafte ich ein normales Gehalt, das mittlere (Haushalts)-Monatseinkommen in Deutschland liegt zwischen 2600,00 Euro und 5000,00 Euro, netto. Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Oha, irgendwas habe ich wohl falsch gemacht. 🙂 Egal, nehmen wir mal die 2600,00 Euro bei Vollzeit zum Weiterrechnen.
Also ich bringe 2600,00 Euro mit nach Hause, muss aber die Kita zahlen. Bei diesem Einkommen liegen die realistischen Kosten dafür in unserer Gegend bei 800,00 bis 1200,00 Euro im Monat. Effektiv bleiben also 1600,00 netto übrig, sehe mein Kind aber gar nicht mehr. Das führt uns zu Variante drei.

Ich gehe 20 Stunden die Woche arbeiten und bringe meinen Sohn für 30 Stunden zu eine Kindertagespflegeperson. Das macht 1300,00 Euro abzüglich 600,00 Euro, bleiben 700,00 Euro und ich sehe meinen Sohn zumindest am Nachmittag.

Die Variante Vier ist die Luxusvariante, es bleibt kein Geld übrig, da die Nanny ja in dieser Rechnung auch das Durchschnittseinkommen verdient, ganz im Gegenteil, denn ich muss ja noch die Lohnnebenkosten tragen.

Bleibt noch eine Möglichkeit übrig. Es ist nun kein Geheimnis, dass ich diese Variante wählen werde, dies liegt aber auch daran, dass ich eben nicht das „Durchschnittseinkommen“ verdient habe. Egal, rechnen wir es durch. Ich bin die ganze Zeit bei meinem Sohn und beteilige mich mit drei bis vier Kindern, vier Tage die Woche, an einer Großtagespflege. Ich  bekomme dafür, ganz grob, 2600,00 Euro netto raus.

Das sind natürlich alles Milchmädchen-Rechnungen, geben aber einen groben Einblick. Jetzt mal im Ernst, Variante vier kommt nur für Leute in Frage, die wesentlich mehr als das Durchschnittseinkommen verdienen. Die Sache mit der Kita hat übrigens noch einen Haken, ich muss erst mal einen Platz bekommen, die Chance liegt hier im Kreis bei ca. 30% (!), darauf kann man sich nicht wirklich verlassen. Wer bitte soll das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen? Das können ja nur Familien sein, die auf ein weiteres Einkommen nicht angewiesen sind.

Wenn schon, dann müsste man das Betreuungsgeld in der gleichen Höhe ansetzen, wie das Elterngeld, sonst besteht de facto überhaupt keine „Wahlmöglichkeit“. Allerdings hat diese idee einen Haken:

Zuerst zahlt der Steuerzahler für den Ausbau der Kita-Plätze und anschließend dafür, das die Eltern ihre Kinder nicht dorthin bringen. Super sinnvoll, oder?

Dann noch ein Hinweis: Liebe CSU, es bleiben nicht nur die Mütter zu Hause, bitte stellt diese Diskriminierung der Väter endlich ein, vielen Dank. Es gibt übrigens nicht nur Tagesmütter, sondern auch Tagesväter. Könnte das bitte mal einer Frau Hasselfeldt erklären, fände ich echt gut.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.