20 Jun

Mein Leben als Frau…

Hausmann am Muttertag
Hausmann am Muttertag

Eine Blog-Stöckchen-Aktion regt einen eher selten wirklich zum Nachdenken an, bei diesem war es etwas anders. Zuerst musste ich hart darüber nachdenken, ob ich überhaupt etwas dazu schreiben möchte, habe mich aber dafür entschieden.

Spätestens seit dem Abend beim SWR-Nachtcafé bin ja sozusagen offiziell offen für Rollenbilder-Kritik, Gender-Wahnsinn und Diskriminierung. Gegen Vorurteile als „Softie“ bin ich hart im Nehmen. Ich sage stets, wenn ich nach meiner gefühlten Männlichkeit gefragt werde, dass ich mich männlich genug fühle, um im Fitness-Studio mit einem rosa Handtuch zu trainieren.

Jetzt aber zu den Fragen, die ursprünglich vom Blog „Planethibbel“ stammen und mich über „Frauenundkinderzuerst“ erreicht haben, einen „Vater-Jammer-Blog“, den ich immer wieder gerne lese.

„Ein Blogstöckchen (kurz: Stöckchen) ist eine Aktion mit dem Ziel Blogs und Blogger besser miteinander zu vernetzen, und dabei ein bestimmtes Thema gemeinsam zu bearbeiten.“ stefan.waidele.info

1) Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du eine Frau wärst?

Im Alltag vermutlich gar nichts, denn ich erfülle ja das klassische Rollenbild der Hausfrau aus den 60ern, vielleicht mit dem Unterschied, dass es mich nicht stört. Das wiederum liegt vermutlich daran, dass ich ja, bevor ich „Hausfrau“ wurde, 20 Jahre lang gearbeitet habe. Allerdings würde vermutlich mein Blog anders aussehen, ich würde sicher keine Einladungen zu Talk- und Realität-TV-Shows bekommen, keiner würde mich interviewen wollen, oder mich zu meinen Erfahrungen in der Stillgruppe befragen.
Ich wäre halt nicht das 1 %.

2) Was tust du nur deshalb, weil du ein Mann bist?

„Mütter-Schocken“, das ist ein Hobby von mir, klappt nicht immer, aber besonders gut bei den Müttern der „Globuli-Fraktion“. Das geht auf verschiedene Arten, entweder durch bewusstes nicht eingreifen, wenn mein Sohn „gefährlich“ klettert, oder durch überraschende Fachkenntnis bei Haushaltsthemen.

Letzteres macht mir inzwischen mehr Spaß.

3) Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?

Leider gibt es eine ganze Liste Vorurteile gegen Männer in Kombination mit Kindern. Ich bemühe mich aktiv, in diesem Punkt Vorsicht walten zu lassen, was ich als „Frau“ sicher nicht machen würde. Eine Mutter im Kindergarten nach einem Kaffee-Nachmittag zu Hause zu fragen lasse ich eher sein, ebenso lasse ich keine Kinder bei mir im Garten nackt spielen, was in meiner Kindheit eine Selbstverständlichkeit war und als Mutter eher geht, als als Vater. Traurig, aber da gehe ich einfach kein Risiko ein, das war schon als Tagesvater nicht immer einfach, was übrigens meist an den Vätern der Kinder lag und nicht an den Müttern.

4) Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Beeinträchtigt? Das Wort trifft es nicht ganz, früher hat mich die Alttags-Diskriminierung wirklich gestört, das kann man hier im Blog je an vielen Stellen nachlesen. Das Klischee, dass Hausmänner „Softies“ sind, hat mich zum SWR gebracht, aber beeinträchtigt hat es mich nie. Das Klischee, dass „Tagesväter“ Kinder missbrauchen würden, hat mich wahnsinnig geärgert, aber in der Realität nicht weiter gestört. Am ehesten also noch das, was ich unter Punkt drei geschrieben habe, weil ich mich hier aktiv einschränke, was sonst nicht meine Art ist.

5) Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Männer zu gehören.

Also, seit ich Hausmann bin, kann ich  mich an keine Situation erinnern, wo ich einen Vorteil sehen würde, ganz im Gegenteil. Davor aber sicher an vielen Stellen im Berufsleben, wo ich es als Mann sicher leichter hatte, als manche Frau im gleichen Tätigkeitsfeld. Das sehe ich ja jeden Tag live bei meiner Partnerin, die muss sich manchmal mit Dingen rumschlagen, die auf Vorurteilen beruhen, die passieren Männern einfach nicht. Auch glaube ich, dass ich nach einer längeren Zeit zu Hause einfacher wieder in den Beruf einsteigen kann, als die meisten Frauen in einer ähnlichen Lage.

6) Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Ich habe durch den Rollentausch viele Dinge gelernt, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Dazu gehört zum Beispiel, dass zum Rollentausch auch der Klischee-Tausch gehört, sofern er sich auf die Rolle bezieht.

Diese Erkenntnis war für mich persönlich der Beweis, dass das Geschlecht eigentlich nie eine Rolle spielt.

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