29 Mrz

Kommentar zum offenen Brief an Sigmar Gabriel (SPD)

In diesem offenen Brief wenden sich einige Frauen aus der Politik an Sigmar Gabriel (SPD) und stellen Fragen zu seinem Verständnis der Vater-Rolle, da er offenbar selber bald  Papa wird. Da unter den Politikerinnen auch Julia Schramm von der Piratenpartei ist, konnte ich mir ein Kommentar nicht verkneifen. Der Brief und die darin enthaltenen Fragen sind natürlich provokant, klar, sonst hätte man ihn auch gleich lassen können.

Herr Gabriel wird aufgefordert, ein Vorbild zu sein und in Elternzeit zu gehen, damit er sich um das Kind kümmern kann. Die Sache hat bloß einen Haken, selbst wenn er das wollte, er darf es gar nicht. Bundestagsabgeordnete und Minister haben keinen Anspruch auf Elternzeit. O.K., ignorieren wir dies mal, denn ich glaube nicht, dass jemand wirklich von ihm erwartet, eine Auszeit zu nehmen. Vielmehr sollte mit dem Brief eine Diskussion angeregt werden, und genau das hat auf jeden Fall geklappt: Alle großen Zeitungen haben Kommentare zu dem Thema verfasst.

Der Hintergrund ist einfach, wenn Frauen in politischen Ämtern Kinder bekommen, werden sie mit genau dieser Art Fragen konfrontiert. Schnell fällt der Begriff „Rabenmutter“, einen Ausdruck, den es übrigens nur in Deutschland gibt. Dafür sollten wir uns schon mal grundsätzlich schämen, vor allem die, die ihn verwenden. Herr Gabriel hat sich bisher nicht gerade umfassend zu dem Brief geäußert und die Kindererziehung seine Privatsache genannt. Das kann ich verstehen, finde es aber sehr schade. Ich bin in Elternzeit gegangen, weil meine Frau mehr Geld verdient als ich, nicht, weil es mein Lebenstraum war, Vollzeitvater zu werden. Natürlich will ich meine Aufgabe nun so gut machen, wie es eben geht. Das macht auch Spaß, dient aber in erster Linie dazu, meine Frau zu unterstützen.

Ich vermute, dass Herr Gabriel besser verdient, als seine Frau, daher wäre es für mich unlogisch, wenn er auf einmal zu Hause bleiben würde. Aber darum geht es eigentlich auch nicht, sondern um die Tatsache, dass öffentlich in der Kindererziehung beide Partner gleichberechtigt sind, die Realität aber eben anders aussieht.

Das gillt allerdings für beide Seiten, denn Männer, die tatsächlich die Aufgabe des Hausmannes übernehmen, werden mit ganz ähnlichen, dummen Fragen (von Frauen) konfrontiert. Hier mal meine persönlichen top drei:

  • Stillen sie ihr Kind auch? Stillen ist das Beste für ihr Kind!
  • Machen sie daheim auch den Haushalt? Wäsche machen, Putzen und so?
  • Können sie mit Kindern umgehen? Haben sie darin Erfahrung?

Diese Seite, die Seite der Männer in einer Frauendomäne, ist kaum bekannt. Die Fragen beweisen aber, dass Frauen kein Stück besser sind als Männer, wenn es um „ihren“ Bereich geht.  Wenn eine Frau ein Kind bekommt, fragt man diese vermutlich auch nicht, ob sie mit Kindern umgehen kann, oder sie den Haushalt erledigt. Mir sagt man aber in der Krabbelgruppe, dass ich bitte nicht auf die Kinder treten soll.

Wenn es in diesem Thema Fortschritte geben soll, helfen keine Regelungen und Gesetze, sondern nur mehr Verständnis auf beiden Seiten.

5 thoughts on “Kommentar zum offenen Brief an Sigmar Gabriel (SPD)

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Die Krabbel-Gruppe hat mich sehr schnell integriert, allerdings sehe ich diese Art der „Sicherung einer weiblichen Domäne“ täglich auf der Straße z.B. beim Einkaufen (am ehesten im Drogeriemarkt mit Windeln im Wagen).

    So modern sind die meisten Frauen, gerade hier auf dem Land, leider noch nicht…

  2. ich muss mich anschließen. es ist manches mal sehr ernüchternd, wenn man als vater zum spielplatz kommt und als sonderling behandelt wird. nicht unfreundlich, ber dennoch mit einer gewissen skepsis. ich frage mich, wann das mal gänzlich aufhört.

  3. Ich bin auch Vollzeitvater seit pber 4 Jahren, aber in der Schweiz (hier gibt es keine Elternzeit, Kindergarten beginnt mit 5. Ich kenne persönlich keinen anderen Vollzeitvater hier, leider. Kann das obige grösstenteils bestätigen: in Krabbelgruppen war ich immer der einzige Vater und aufm Spielplatz meistens auch (es gibt dort allerdings manchmal Väter die 80% arbeiten und ihren „Papa-Tag“ haben). Unabhängig davon ob Voll- oder Teilzeit, ich habe den „Deppen-Bonus“ – wie ich es gerne nenne – auch bemerkt und ehrlich gesagt auch oft ausgenutzt bzw genossen – so wurde ich meist in Ruhe gelassen und musste mich nicht mit anderen Müttern rumärgern, wie ich es von Bekannten(innen) kenne: bei Sandkastenstreiteren mutieren Mamis manchmal (zum Glück selten) zu echten Zankweibern, werfen sich gegenseitig Kritik zu ihren Erziehnungsstilen an den Kopp, manche Mamais trauen sich da schon garnicht mehr unters Volk. Bei Papis drücken die Mamis eher beide Augen zu, ist halt nur ein Mann und hat daher erstens weniger Ahnung von Kindern und zweitens würden „Erziehungstipps“ ihn wohl kaum interessieren oder als stures Wesen eh an ihm abprallen, also verdreht frau vielleicht nur Augen und sagt nix. Das macht es in gewisser einfacher sein eigens Ding durch zu ziehen ohne von anders denkenden Mamis belästigt zu werden. Deppen-Bonus halt 😉

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