25 Jan

„Ich möchte nur noch tanzen!“

Ich kann mich gut daran erinnern, was ich dachte, als  ich 2003 den Film „Billy Elliot – I Will Dance“ ansah: „Der Junge hat einen unglaublich starken Willen.“

Dass ich mich einmal als Vater mit diesem Thema auseinander setzen muss, hätte ich mir damals im Traum nicht vorstellen können.

Unseren Sohn habe ich am letzten Freitag zu seiner ersten Ballett-Stunde gebracht, er wollte das seit Monaten unbedingt ausprobieren, meine Frau und ich haben lange gezögert, nicht weil er nicht Tanzen soll, sondern, weil wir nicht möchten, dass er Defizite an anderer Stelle aufbaut. Weder meine Frau noch ich können mit Bällen sonderlich gut umgehen, was in der Schule früher immer ein großer Nachteil gewesen ist. Bei mir hat sich das erst geändert, als die Bälle mindestens 5 Kg wogen.

Meine Sportprüfung im Abitur mit Volleyball und Basketball habe ich mit Mühe und Not bestanden, daher hielten wir es für wichtig, dass sich unser Kind mit Bällen auseinander setzt, auch wenn es ihm keinen großen Spaß machte. Mit Handball kommt er viel besser zurecht, als mit Fußball, mir ging es da immer ähnlich. Er ist nicht ungern zum Ballsport gegangen, aber als er aus der Ballett-Stunde kam, das war etwas ganz anders.

Ich habe ihn selten zuvor so glücklich gesehen. Als ich danach fragte, kam umgehend die Aussage: „Ich möchte nur noch Tanzen!“

Damit ist die Sachlage klar.

Eine befreundete Mutter, deren Tochter ebenfalls dort Ballett tanzt, sagte unserem Sohn zuvor, dass dort noch ein Junge tanzen würde. Als wir dort waren, sahen wir aber nur Mädchen in rosa Kleidchen. Unser Sohn fragte, wo denn der andere Junge wäre und ich meinte, dass der vermutlich einfach krank ist. Kurz darauf raunte mir eine Mutter ins Ohr: „Der Junge kommt nicht mehr, der spielt jetzt Fußball.“

Ich musste lachen, wobei es eigentlich gar nicht zum Lachen war. Denn offenbar hat das Kind seine Meinung um 180° gedreht und direkt dachte ich über die üblichen Gründe dafür nach, vielleicht, so unterstellte ich, hat er das Mobbing nicht ausgehalten.

Vielleicht hatte er aber auch einfach mehr Lust auf Fußball, wer weiß.

Hoffentlich muss unser Kind in Zukunft nicht noch mehr Mobbing ertragen, als ohnehin bereits, seine Vorliebe für rosa, Ponys und Prinzessinnen ist schon belastend genug, finde ich.

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