29 Mrz

Helikopter-Papa?

Als ich heute auf sueddeutsche.de in einem Artikel den Begriff „Helikopter-Eltern“ las, dachte ich zuerst an etwas ganz anderes, als die offenbar richtige Definition. Als ehemaliger Produktmanager für ferngesteuerte Hubschrauber wäre die Bezeichnung „Helikopter-Papa“ ja durchaus passend gewesen. 🙂 Mit Helikopter-Eltern (Helicopter-Parents) ist aber etwas völlig anderes gemeint, etwas, das ich hoffentlich nie machen werde:

„Der Begriff Helikopter-Eltern stammt aus den USA und steht für besonders übervorsichtige Mütter und Väter, die ihre Kinder am liebsten rund um die Uhr bewachen und kontrollieren würden, ihnen nichts mehr zutrauen und aus Sorge um das kindliche Wohlergehen nur noch um den Nachwuchs kreisen – ähnlich wie ein Polizeihelikopter im Film über mutmaßlichen Verdächtigen. Helikopter-Eltern organisieren den kompletten Alltag der Kinder im Glauben, sie auf diese Weise am besten zu fördern.“ t-online.de

Wenn ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz gehe, nehme ich immer ein Buch mit. Piet meldet sich schon, wer er Wert auf meine direkte Anwesenheit legt. Auch tagsüber in der Wohnung wird er nur von mir bespaßt, wenn er darum bittet. Bei Gelegenheiten, wenn Piet auf andere Eltern trifft, sind immer alle total überrascht, wie erkundungsfreudig er ist und wie gut er sich alleine beschäftigen kann. Dafür braucht er auch kein spezielles Spielzeug, er ist durchaus schon kreativ. Piet ist extrem neugierig und untersucht zurzeit wirklich alles, ja alles, ganz genau. Mein Vorgehen verstößt vielleicht für einige indirekt gegen den pädagogischen Auftrag zur Förderung der Kinder, der für Kindertagespflegepersonen (Tagesvater) sehr wichtig und verpflichtend ist. Die Frage ist aber eben, wie fördere ich Kinder am besten?

„Der Druck zu fördern hat längst die Kleinkindpädagogik erreicht. Die aktuellen Orientierungs- oder Bildungspläne für Kindertagesstätten werden es Erziehern erschweren, freies und ungestörtes Spiel einzuräumen.“ t-online.de

Ich bin Verfechter des kalkulierten Risikos und des freien Spiels. Freies Spiel fördert die Kreativität. Kinder müssen probieren dürfen und können, nur wenn es wirklich bedenklich wird, stehe ich an ihrer Seite, oder verhindere Schlimmeres. Die Vorstellung, jeden Schritt meines Sohnes zu überwachen, ihn nie aus den Augen zu lassen, finde ich nicht erstrebenswert. Oft beobachte ich ihn, ohne, dass er es merkt. Wenn er die Treppe hochkrabbeln will, darf er das, dabei stehe ich dann aber tatsächlich hinter ihm, wenn es aber nur vier Stufen sind, kann er das auch alleine probieren. Natürlich ist er dabei in meinem Blick, ich darf aber ruhig einige Meter weg sein. So bekommt er Selbstvertrauen und lernt seine Fähigkeiten gut einzuschätzen.

Freies Spiel braucht Muße und auch mal Langeweile, aber eben keinen Lehrplan.

 

Tipp: Genau damit befasst sich das Buch von Michael Winterhoff: Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zu Intuition

5 thoughts on “Helikopter-Papa?

  1. Als meine noch kleiner waren und ich mit ihnen auf dem Spielplatz war, fand ich das Gegenteil schlimmer. Mütter die in der Sonne lagen und mit dem Handy telefonierten und sich rein gar nichts um ihre Kinder gekümmert haben. Ich bin mit Sicherheit keine Helicopter-Mutter aber die Gleichgültigkeit vieler Eltern ärgert mich sehr 🙂 LG aus München, Vroni.

    1. Es geht nicht darum, die Kinder zu ignorieren, sondern diese im freien Spiel und beim Entdecken zu unterstützen, ohne dabei unnötig einzugreifen. Ich will hier ja niemanden auffordern, seine Kinder zu vernachlässigen, ganz im Gegenteil.

  2. ich erachte es auch als enorm wichtig, dass kinder natürlich beaufsichtigt, aber eben nicht permanent kontrolliert werden. sie müssen sich ja entfalten und entwickeln können. ein buch dabei zu haben ist die beste idee. ds habe ich auch immer 😉

  3. Das mit dem Buch lesen habe ich übrigens genau einmal gemacht, meinen Sohn zu beobachten ist viel spannender und leider auch notwendig, denn er geht gerne mal stiften oder klaut anderen die Trinkflaschen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.