4 Feb

Hauen und Stechen

Früher oder später trifft es alle Eltern: Dat eigene Penz haut zu, entweder direkt die Eltern, oder eben ein anderes Kind.

Dabei ist es völlig egal, ob Junge oder Mädchen. Auch wenn viele der Meinung sind, dass Mädchen eine friedlichere Natur haben, geht meine eigene Beobachtung in eine andere Richtung. Mädchen langen ebenso gut und oft zu wie Jungen, nur viel geschickter. Da wird vorher überprüft, ob vielleicht einer was mitbekommt. 😉

Natürlich ist beides ein Schock, die Frage ist dann, wie gehe ich damit um? Ich habe viele Varianten auf den Spielplätzen kennengelernt, eines ist dabei offensichtlich geworden: Eltern sind dabei selten einer Meinung.

Wir versuchen unserem Sohn beizubringen, dass er niemals anfangen darf, aber stets direkt und unmittelbar kontra geben soll. Frei nach Bud Spencer: „Wenn dir einer auf die rechte Wange haut, tachele ihm auf die Linke.“
Das führt nicht selten zu harten Diskussionen, üblicherweise mit anderen Müttern.

Letztens auf dem Kindergeburtstag:

Ich sehe wie mein Kind mit einem anderen Jungen spielt, der ist plötzlich anderer Meinung, schwingt den Edelstahl-Kinderkochtopf und kesselt meinem Sohn vom Feinsten über den Schädel. Der kam, völlig überrascht, schreiend zu mir gerannt:

„Papa, der Sowieso hat mich gehauen, was soll ich jetzt machen?“

„Also mein Sohn, da hast du zwei Möglichkeiten, entweder, du spielst einfach mit etwas anderem, oder du nimmst dir jetzt die Bratpfanne und…“

Immerhin eine Mutter am Tisch, die natürlich alle meinen Worten folgten, fand das lustig. Die anderen Mütter sahen mich eher entsetzt an. Da mein Sohn, wie immer, eine große Show abgezogen hatte, war der Vorfall auch an der Mutter des anderen Kindes nicht vorbeigegangen und wollte dieses nun zu einer Entschuldigung motivieren.
Das klappte nicht, also entschuldigte sich die Mutter für ihr Kind bei meinem Sohn, bevor Piet vielleicht doch noch die Bratpfanne zückt.

Die Voraussetzung für eine persönliche Entschuldigung ist natürlich, dass das Kind bereits sprechen kann, aber auch schon vorher kann man das kommunizieren und zum Beispiel auf eine Streicheleinheit bestehen, das können selbst kleinste Kinder bereits lernen. Ganz ehrlich, wenn mein Sohn einen Streit anfängt, entschuldigt er sich selbst, oder wir gehen auf der Stelle, immer, egal wo wir sind. Das mussten wir zweimal hart durchziehen, danach klappte es dann. Das soll nicht heißen, dass er nicht auch mal anfängt, aber wenn ich das mitbekomme, klappt zumindest die Entschuldigung nun ohne Probleme.

Tipp: Wenn sich Kinder zum Raufen „verabreden“ sollte man erst dann einschreiten, wenn Blut fließt. 😉

„Was auf Erwachsene aber grob und gefährlich wirkt, schätzen vor allem Jungs oft nur als harmloses Gerangel ein, mit dem sie körperliche Grenzen austesten. Das hat eine ähnliche Funktion wie Purzelbäume zu schlagen, Wettrennen zu machen oder mit dem Fußball zu kicken.“ Eltern.de

Vor dem Hauen, Treten, Beißen und Stechen kommt natürlich, sobald das Kind verbal dazu in der Lage ist, beizubringen, dass man auch sagen kann, wenn einem etwas nicht passt. Leider funktioniert das in der Realität anfangs noch viel zu selten und diese verbalen Warnungen verhallen im Nirwana. Unser Sohn ist eigentlich schon recht konsequent und warnt stets mit einem: „Ich möchte das nicht“ oder „Lass das sein“ sein Gegenüber vor den danach folgenden Konsequenzen.

Heute hat er mich aber dann doch überrascht.

Bevor die Loslösgruppe im Kindergarten startete, waren noch einige wenige Kindergartenkinder in dem Gruppenraum. Ein Mädchen machte mich als Ziel aus und piesakte mich mit einem 40 cm Flausch-Draht: „Das ist eine Schlange, die beißt dich!“ Ich wehrte die Angriffe kindgerecht ab und machte „den Spaß“ eine ganze Weile mit.

Als es mir zu bunt (und zu wild wurde), sagte ich dem Mädchen, das es nun reicht und ich noch etwas anderes machen möchte. Natürlich verhallte auch diese verbale Warnung im Nirgendwo. Kurz bevor ich nun dem Mädchen „die Schlangen“ entreißen konnte, um meinen Standpunkt unmissverständlich klar zu machen, sprang mein Sohn dazwischen und fuhr das Mädchen, welches immerhin einen ganzen Kopf größer war, scharf an: „Lass das sein, mein Papa hat gesagt er möchte das nicht!“.

Ob man es glauben mag oder nicht, das Mädchen zog von dannen. Da war schon mächtig stolz auf meinen Sohn, vielleicht wäre er doch ein ganz guter großer Bruder. 🙂

 

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