28 Jul

Fotoarchiv-Minimalismus, oder: Erfahrungsbericht EPSON Perfection V370 Photo

Ich habe es wieder getan, ich habe in den letzten Wochen einige Minimalismus-Blogs gelesen und wieder neue Motivation gesammelt.

Diesmal hatte ich mir ein besonders großes Projekt vorgenommen, obwohl es gar nicht so viel Platz weg nimmt, in der Anzahl der Dinge aber unglaublich ist: Unser persönliches Fotoarchiv und damit meine ich nicht die digitale Variante.

alte Negative scannen
alte Negative scannen

Meine erste eigene Spiegelreflex-Kamera bekam ich mit 12 Jahren geschenkt und ich habe diese über viele Jahre reichlich genutzt und nach der Ausbildung indirekt meine Selbstständigkeit damit aufgebaut. Da meine Familie schon etwas länger in der Fotobranche zu Hause war, erbte ich auch noch reichlich Fotos aus der Familie, die nahm ich gerne an, denn ein wenig Ahnenforschung fand ich gar nicht schlecht. So kam es, dass ich kistenweise Fotos, Dias und Negative habe, die bis über 100 Jahre zurück reichen, viele Bilder stammen aus den 50er und 60er Jahren, aber auch die Jahrzehnte danach sind gut vertreten. Es sind Massen.

alte Fotos rechtzeitig beschriften
alte Fotos rechtzeitig beschriften

Ich habe mir nun vorgenommen, diese Bilder zu sichten und sortieren, sprich Ausmisten. Niemand braucht einen Sonnenuntergang von Kreta 1965 aufzubewahren, oder Sonnenblumen von 1984, auch brauche ich nicht 50 Bilder meiner Oma in Sonnenanbeter-Pose, eines reicht mir völlig. Auch ein weiteres Problem habe ich da noch, denn viele Bilder zeigen Personen, die ich nicht kenne oder nicht wiedererkenne. Da meine Großeltern bereits nicht mehr leben, kann ich nur auf meine Eltern zurück greifen, um die Bilder zuzuordnen. Wenn ich auch so nicht mehr ermitteln kann, wen die Bilder eigentlich zeigen, kommen diese weg, leider.

Tipp: Rechtzeitig Bilder von der letzten Generation bestimmen lassen und beschriften! Ein Ahnenforscher freut sich später vielleicht.

Da die meisten Bilder als Negative vorliegen, benötige ich dafür einen Scanner. Meine Gerätschaften aus dem Laden hatte ich mit der Geschäftsaufgabe alle verkauft. Der Nikon Coolscan wäre sicherlich qualitativ immer noch ganz O.K., aber meine Computer haben schon lange keine SCSI-Schnittstellen mehr auch mein (unglaublich großer) Agfa-Flachbett-Scanner war noch voll auf SCSI ausgelegt.

Es musste ein neuer her und ich entschied mich für einen EPSON Perfection V370 Photo, ein eher preiswertes Modell, was man der Haptik auch deutlich anmerkt. Die Geschwindigkeit ist nicht gerade berauschend, aber die Zeit sollte nicht das Problem sein, ich mache das so nebenher. Wichtiger war für mich die Frage, ob die Qualität der Scans stimmt, denn ich will ja nicht 300 Stunden Scannen und Bilder bearbeiten um nachher festzustellen, das alles Mist ist.

EPSON Perfection V370 Photo, Erfahrungsbericht / Test
EPSON Perfection V370 Photo, Erfahrungsbericht / Test

Zu diesem Zweck ließ ich einige Dias mit einem professionellem Geräte scannen (Fuji SP 3000) und konnte so vergleichen. Erstaunlicherweise ist der Epson Perfection V370 wirklich gut, nur die Fussel-Korrektur könnte besser funktionieren, aber das kann ich auch manuell halbwegs schnell ausgleichen. An der Schärfe und im Kontrast konnte ich keine Unterschiede feststellen. Überraschend gut ist auch die Farbkorrektur, die ich sehr gerne nutze, denn ich habe reichlich alte Negative, die noch keinen „UV-Schutz“ hatten.

Das Scannen der alten Negativ-Streifen ist etwas lästig in der Handhabung, da diese in extra Halter eingelegt werden müssen, es gibt auch Geräte, wo dies nicht nötig ist. Für den Preis kann man aber wohl nicht meckern.

32MB, meine erste SD-Karte, Preis: ca. 150 Euro.
32MB, meine erste SD-Karte, Preis: ca. 150 Euro.

Um die Bilder anschließend zu archivieren bieten sich viele Möglichkeiten an. Die Negative werde ich zwar ausdünnen, aber nicht entsorgen, die halten noch einige hundert Jahre länger, bei den digitalen Daten bin ich mir da nicht so sicher. Früher habe ich auf CD’s gesichert, viele meiner Sicherungs-CD’s sind mittlerweile nicht mehr lesbar, hätte ich nicht alles doppelt und dreifach gesichert, wäre das ein Totalverlust. Auch eine Externe-Festplatte ist mir schon mal hops gegangen, das war eine böse Überraschung und einige Daten waren tatsächlich für immer weg. Bekannte von mir setzen auf NAS-Systeme mit gespiegelten Platten. Das habe ich früher als RAID-System auch schon gemacht, wurde aber böse überrascht, als eine Festplatte den Geist aufgab und ich nun eine identische Platte neu brauchte, um die Daten wieder herzustellen, böd nur: Die Festplatte gab es längst nicht mehr. Die Daten zu retten war plötzlich ein Riesenaufwand.

CF-Karte mit 256 MB, riesig, war auch mal eine Festplatte im AMIGA 600.
CF-Karte mit 256 MB, riesig, war auch mal eine Festplatte im AMIGA 600.

Mobile Speicher wie USB-Sticks und Karten wären eine Lösung, aber ich denke da spontan an eine Diskette, die beim Aufräumen fand, auf der stand „Wichtig“. Ich hatte keine Ahnung mehr, was „Wichtig“ war. Immerhin war es eine DOS-Diskette und keine vom AMIGA, aber ich hatte längst kein Diskettenkaufwerk mehr und meine Freunde auch nicht. Ach und da waren noch meine ZIP-Disketten, mit 100 und 250MB, die ich früher zum Archivieren einsetzte, ich war sogar so klug ein Laufwerk aufzuheben. Es hat einen SCSI-Anschluss, keine Pointe. Dann waren da noch MO-Disketten, XD-Karten, 340 MB Mini-Drives als CFII-Standard (900 Euro habe ich dafür je Stück bezahlt) und Memory-Sticks. Man sollte sich gut überlegen, auf welche Medien man setzt, Stichwort Funktionelle Obsoleszenz.

Aktuell sind vermutlich Cloud-Speicher die Lösung der Wahl. Auch ich werde auf einen solchen Speicher zurück greifen, auf meinem Server sind gut 50 GB frei, das sollte für die meisten Sachen reichen, es gibt aber reichlich Anbieter im Netz, teilweise auch erstaunlich preiswert, ich habe meine Daten aber gerne selbst im Griff.

Tipp: Die vermutlich beste Methode, um moderne digitale Fotos zu bewahren ist: Chemisch Ausbelichten lassen, hält 100 Jahre, garantiert und man kann diese Fotos noch in 100 Jahren ohne Hilfsmittel ansehen. Nicht ohne Grund archiviert der Staat wichtige Dokumente immer noch auf Mikro-Film.

Nach vielen Stunden Bilder scannen kann ich sagen, den Kauf vom Epson-Scanner habe ich nicht bereut, allerdings hätte ich die größere Variante nehmen sollen, dann wären auch die Mittelformat und Glas-Negative kein Problem gewesen.

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