12 Feb

Feministische Vaterschaft

Als ich den Begriff „feministische Vaterschaft“ vor einigen Tag las, war ich mir nicht sicher, diesen Begriff schon einmal gehört zu haben. Irgendwie dachte ich dabei an Markus Theunert, den ich beim SWR kennen lernen durfte. Diese Wortschöpfung wird ihm sicherlich gefallen, aber sie ist nicht von ihm, sondern vermutlich von Jochen König.

Jochen König hatte vor einigen Tagen einen Blog-Artikel mit dieser Überschrift geschrieben und ich bin, wie die meisten bloggenden Väter, darüber gestolpert.

„Unter Vätern gibt es so gut wie keine Diskussion über die eigene Rolle und darüber, wer innerhalb der Familie welche Arbeit übernimmt. Selbst für die meisten schreibenden Väter ist das Privatsache und wird auf ihren Blogs oder in ihren Tweets neben den Tests für Kinderwägen kaum thematisiert.“ umstandslos.com

Über diesen Artikel musste ich eine Weile nachdenken, daher kommt auch erst jetzt mein Kommentar dazu, andere waren da schneller:

  • weddingerberg.de
    „Wichtig ist nicht der Begriff, wichtig ist die Forderung, die hinter allen dreien steckt: das Väter über sich selbst und ihre familiäre Rolle reflektieren und sich mindestens gleichberechtigt in Familie, Job und Haushalt einbringen sollten.“
  • haltungsturnen.de
    „[…]ich schließe, dass dies nur sehr wenig mit Feminismus zu tun hat – sondern eher damit, kein Arschloch zu sein.“
    „Ich bin überzeugt, dass es in einer feministischen Familie nicht entscheidend ist, wer welche Arbeit macht – sondern wer das entscheidet und wieso es so ist.“

Alle Artikel sind übrigens sehr lesenswert.

Wieso es 30 Minuten dauert, den Flur zu saugen. #Hausarbeit
Wieso es 30 Minuten dauert, den Flur zu saugen. #Hausarbeit

Tatsächlich fühlte ich mich ertappt, als ich las, dass die meisten schreibenden Väter nicht über die Aufteilung von Hausarbeit und „Carearbeit“ schreiben. So ganz sicher warum, bin ich mir aber nicht, denn meine Frau und ich haben in den letzten Jahren eine Aufteilung gefunden, die für uns gut passt, aber auch flexibel ist.

Es gibt Dinge, um die kümmert sich vorzugsweise meine Frau, z.B. Schuhe für das Kind kaufen, nein, das meine ich jetzt nicht sexistisch oder witzig, ihr ist das halt sehr wichtig, ebenso Termine beim Kinderarzt, die wir sehr abwechselnd wahr nehmen, oder eben auch gerne beide. Bei vielen Gelegenheiten wechseln wir uns regelmäßig ab, eben so, wie es gerade besser in den Kram passt, denn wir wollen ja die 50-50-Variante bei allen Angelegenheiten der Kindererziehung.

Natürlich gibt es in der Aufzählung von Herrn König auch einige Punkte, die selbstverständlich an mir hängen bleiben, wenn das Kind krank ist, bin ich zu Hause. Warum? Weil ich immer zu Hause bin, ganz einfach, das ist ja unsere Rollenaufteilung, alles andere würde schlicht keinen Sinn machen. Wir diskutieren diese Punkte mittlerweile im Alltag nicht mehr, sondern wir sprechen uns ab, nicht mehr und auch nicht weniger: „Fährt du unseren Sohn vom Ballett abholen?“  „Ja“ oder eben „Nein, ich arbeite länger.“ Da gibt es keine Wertung und niemand ist sauer.

Kindergeburtstags-Geschenk mit unserem Kind kaufen? Das macht Mama, denn Mama macht das wirklich gerne und wenn es zeitlich nicht passt, dann mache ich das. Bei der „unsichtbaren“ Hausarbeit haben wir beide ein Auge drauf. Ihr fällt auf, dass das Klopapier alle ist? Dann kommt es auf meine Einkaufsliste.

Wir haben über so was noch nie diskutiert, da gibt es ganz andere Punkte. Was mich zu folgendem Absatz bringt:

„Damit eine Mutter überhaupt die Möglichkeit hat, sich zwischen mehreren Optionen beispielsweise für eine 50/50-Aufteilung zu entscheiden, muss der Vater bereit sein, das Kind temporär oder langfristig auch ganz alleine zu betreuen und zu versorgen, dafür seine beruflichen Ambitionen erheblich zurückzufahren und deutlich machen, dass er das auch gut hinbekommen und es den Kindern damit gut gehen kann.“

Dieser Absatz ist richtig und auch richtig wichtig, aber er verheimlicht auch etwas, worüber meine Frau uns ich gerade gestern noch intensiv gesprochen haben. Wir haben es ja so gemacht.

Ich bin zu Hause geblieben, ein Jahr Elternzeit ab Geburt und seitdem als Hausmann statt als Manager wie vor der „Babypause“, jetzt schon lange ganz ohne „richtige“ Arbeit. Ich war dazu bereit, mehr nicht. Nein, ich habe mich nicht gefreut, nein, ich wollte nicht unbedingt zu Hause bleiben. Meine Frau, die wäre gerne zu Hause geblieben, es machte für uns damals aber nur wenig Sinn.

Der Punkt, der überhaupt nicht auftaucht, den wir aber für sehr wichtig halten:

Wer als Mann zu Hause bleibt, hat es viel schwerer, als eine Frau die Hausfrau wird.
Wer als Frau weiter arbeiten geht und den Mann zu Hause mit Kind lässt, hat es viel schwerer als ein Mann, der weiter arbeitet.

Man rennt ständig gegen gesellschaftliche Normen und Vorstellungen, man reibt sich an Stereotypen, beinahe jeden verdammten Tag. Das gilt eben für beide Seiten. Meine Frau würde die Entscheidung vielleicht nicht noch einmal treffen, weiter arbeiten zu gehen, denn in Deutschland fliegt die „Rabenmutter“ nach wie vor große Runden. Das macht mich traurig und wütend. Das sollte nicht so sein, daher sind Texte wie der von Jochen König sehr wichtig, auch wenn ich bei vielen Punkten nicht einer Meinung bin.

Nachdem ich einige Tage darüber nachgegrübelt habe, komme ich zu dem Schluss, kein feministischer Vater zu sein.

Ich bin und bleibe vorerst Vollzeitvater, das reicht mir auch völlig, gegen Stereotypen im Alltag kämpfen mache ich ja sowieso jeden Tag. 🙂

One thought on “Feministische Vaterschaft

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