#Equalcareday

Mich erinnert die Aktion ein wenig an eine Blogparade, aber die mache ich ja auch mal ganz gerne. 🙂

Es geht darum, anderen Paaren (Eltern) und allen Interessierten die persönliche Aufteilung im eigenen Haushalt näher zubringen. Ziel der Aktion ist es, die „Carearbeit“ in der Familie fair zu verteilen und über die verschiedenen Ansätze in den Familien Möglichkeiten aufzuzeigen. Natürlich ist das immer sehr individuell.

Da unser Familienmodell, rein statistisch betrachtet, in nur 1% der deutschen Haushalte mit Kindern vorkommt, fallen wir vielleicht ein wenig aus dem Rahmen.
Meine Frau arbeitet Vollzeit, 40+ Stunden, teils im Homeoffice, teils auf Reisen. Ich bin Hausmann und arbeite sonst nur unentgeltlich, ich habe keinen Teilzeit- oder 450Euro-Job.

Wer geht mit dem Kind zum Arzt? #equalcareday

Ich habe zur Aufteilung der „Carearbeit“  bereits einmal im Blog zu einem anderem Anlass geschrieben: feministische Vaterschaft
Ebenso nehme ich im Podcast-Interview von „Elternpodcast.de“ dazu Stellung.

Nun stelle ich mich aber konkret den Fragen zum „Equal Care Alltag“ von Almut Schnerring und Sascha Verlan:

Die Carearbeit ist bei uns grundsätzlich klar geregelt, aber flexibel genug, wenn die Routine gestört wird. Wir haben dabei feste Zuständigkeiten, wenn meine Frau unterwegs ist, übernehme ich ihren Part soweit es nötig ist, wobei es auch Unterschiede in der Ausführung gibt, für unser Kind ist das aber kein Thema.
Als Beispiel: Zähneputzen, Nägelschneiden, Frühstück und die Fahrten zur KiTa sind mein Job. Baden, Föhnen, Schwimmkurs und abends das Vorlesen macht meine Frau.
Die Careabeit, die sich direkt auf unser Kind bezieht, ist zu 50% verteilt, denke ich. Den Haushalt mache ich zu 99% alleine, das ist aber auch so gewollt.

Die Carearbeit zu 50% aufzuteilen hat für uns, und das ist eindeutig, einen großen Vorteil gebracht. Es gibt hier niemals Diskussionen, wenn einer von uns nicht da ist, beiden Elternteilen wird von unserem Kind die Kompetenz zugesprochen, alles machen zu können. Welchen enormen Unterschied das machen kann, sehen wir regelmäßig bei Freunden. „Nein, die Mama muss / soll das machen.“ Ganz krass finden wir es, wenn die Kinder nicht alleine beim Vater bleiben wollen, das Alter der Kinder ist hierbei beliebig. Ja, ich schreibe hier absichtlich nur Mama oder Papa hin.

Nachteile sind uns dabei eigentlich nicht untergekommen, wer welche Aufgaben macht, hast sich irgendwie ergeben. Ich kann mich nicht erinnern, das ausdiskutiert zu haben. Da wir dies bereits ab der Geburt so gehandhabt haben, haben wir nie irgendwelche Hürden überwinden müssen, außer, selber mit dem Rollentausch klar zu kommen, dieser bezieht sich aber nur indirekt auf die Carearbeit. Ich habe das mal so formuliert, dass meine Frau der perfekte Ehemann ist.

Auch meine Frau hat mal Stress und ist viel unterwegs, dann bleibt natürlich mehr an mir hängen, unser Kind stört das aber nur bedingt und das auch meist erst ab Tag 3, dann wird Mama eben vermisst, gilt natürlich auch für mich. 😉

Die Verteilung der Carearbeit bezogen auf den Haushalt hat sich mit dem Rollentausch grundlegend verändert, dazu kann man mittlerweile fast sechs Jahre in meinem Blog nachlesen. Kurz formuliert: Früher habe ich die Klamotten auf links ausgezogen, nun macht das meine Frau.

Durch das Alter unseres Sohnes wechseln zwar die Aufgaben, an der Verteilung hat sich dadurch aber nicht viel verändert, zumindest nicht, seit er über zwei Jahre alt ist. In den ersten zwei bis drei Jahren habe ich einen größeren Teil übernommen, einfach weil der Aufwand tagsüber und auch nachts viel höher war, seit er in die KiTa geht, passen die 50% aber auf jeden Fall.

Mittlerweile hat sich unser Umfeld mit unserer „seltenen“ Aufteilung arrangiert, lernen wir neue Leute kennen, kommt es teilweise zu Irritationen. Um es ganz klar zu sagen: Als Hausmann habe ich mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Kleines Beispiel:

Mit der besten Freundin meines Sohnes beim Ballett-Unterricht auf die Toilette gehen?

Das mache ich mittlerweile nicht mehr, ich schicke die Kinder vorher im Kindergarten und hoffe, dass das reicht. Erstaunlich ist es immer wieder, wie sich die Reaktionen (bei Frauen) ändern, wenn man ein Bundeszertifikat zur Kindertagespflege aus der Tasche zieht. (Ist nicht wörtlich gemeint).  Männer interessiert es im allgemeinen nicht, was ich als Hausmann so mache, von „Pseudo-Neid“ einmal abgesehen:
„Ich wäre ja auch gerne zu Hause geblieben, aber das ging ja nicht, wegen der Karriere. Ach den Haushalt machst du auch, ne, das soll mal schöne meine Frau machen.“

Frauen interessiert es meist mehr, was ich mache, allerdings komme ich mir da teilweise vor, wie eine Kuriosität im Zoo. Ist zum Glück eher selten. 🙂

Da ich meine Frau (und Frauen im Allgemeinen) immer als gleichberechtigt angesehen habe, hätte ich meinem jüngerem Ich diesbezüglich nicht allzu viel zu sagen, wobei ich früher sicher unbewusst sexistischer war als heute. Meine Einstellung zu vielen Dingen hat sich seit dem Rollentausch unglaublich geändert, vermutlich würde ich ihm mitteilen, dass Stereotypen nichts tolles sind. Wie oft habe ich mich in jungen Jahren verstellt, um der Norm der Gesellschaft gerecht zu werden. Hätte ich mal die Eier gehabt Ballett zu tanzen, wie mein Sohn, statt mit Vollkontakt-Karate anzufangen. 😉

Von der Politik wünsche ich mir, dass die Theorie, die es bereits auf dem Papier gibt, auch in der Praxis funktioniert. Wie sollen Familien in diesen Sommer in NRW die sieben Wochen frei zwischen KiTa-Schluss und Schulanfang überbrücken? So lange solche einfachen Dinge Familien vor schier unlösbare Probleme stellen, so lange ist Deutschland nicht am Ziel.

Mit der aktuellen Situation bei uns zu Hause bin ich sehr zufrieden, ich hoffe, das gilt für alle Familienmitglieder gleichermaßen.

 

Ein Gedanke zu „#Equalcareday

  1. Pingback: Der Equal Care Day 2017 | Equal-Care-Day: 29.2.

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