6 Mrz

Diskriminierung in der Ausbildung zum Tagesvater

Ja, ich gebe zu, der Titel ist vielleicht ein wenig reißerisch, aber was solls. 🙂

An die Alltags-Diskriminierung, vorzugsweise von älteren Damen, in der Art: „Oh, hat Sie die Mutti heute alleine einkaufen geschickt?“ habe ich mich inzwischen längst gewöhnt. Das macht mir wirklich gar nichts mehr aus. Wenn es allerdings um offizielle Verlautbarungen geht, zum Beispiel von Politikern, dann sehe ich das Ganze völlig anders. Das ärgert mich, sogar ziemlich. Überall wird so getan, als wenn Männer und Frauen in der Kindererziehung gleichberechtigt sind. Leider stelle ich immer wieder fest, dass dies nur Theorie ist und nicht mal auf dem Papier steht.

Frauen haben für die Gleichberichtigung vor dem Gesetz und im Beruf lange gekämpft. Wenn aber heute eine Frau in ihrem Beruf derartige Missstände feststellen würde, wie ich gestern mich betreffend, dann würde eine bekannte Frauenzeitschrift Sturm laufen und Köpfe fordern. Männer in „Frauenberufen“ haben aber keine Lobby, ganz im Gegenteil.

Gestern ging es in die zweite Runde meiner Ausbildung zum Tagesvater (Kindertagespflegeperson). Im zweiten Teil geht es dabei verstärkt um Pädagogik, unser Thema war „Bindung, ein wichtiges Konzept für die Kindertagespflege“, das Unterrichtsmaterial stammte aus dem DJI-Curriculum „Qualifizierung in der Kindertagespflege“, Kallmeyer 2008, 2. Auflage.

Als ich den Text las, fiel mir anhand der Formulierungen beinahe die Kinnlade auf den Tisch. Hier ein paar Beispiele:

  • Am Lebensbeginn entsteht zwischen Kind und Mutter eine sehr enge Beziehung[…]
    Der Vater ist offenbar nicht eingeplant.
  • […]es bindet sich nicht nur an die Mutter, die es nährt[…]
    Flaschenkinder sind offenbar unerwünscht und nicht vorgesehen, meine Frau hat sich über diesen Satz zu recht geärgert.
  • Das Baby[…] hört sofort auf (zu weinen), sobald die Mutter es aufnimmt.
    Väter können das offenbar nicht.
  • Das Baby lächelt in der Interaktion mit der Mutter mehr […] als im Kontakt mit anderen Personen.
    Mit dem Vater funktioniert das wohl nicht.
  • […]seine Blickrichtung […] in Richtung der Mutter orientiert.
    Mal wieder ohne Vater.

Das waren nur Beispiele von der ersten Seite, der Rest ist nicht besser. Des weiteren steht im Text ausnahmslos nur „Tagesmutter“, warum nimmt man nicht den geschlechtsneutralen Ausdruck. Es gibt ja einen. Da wundert es mich nicht, dass nicht mehr Männer in der Kindererziehung tätig sind. Wer soll sich denn bei diesen Formulierungen angesprochen fühlen. Ich war regelrecht entsetzt über die Wortwahl, meine Frau im übrigen auch. Wenn der Text aus den 70er Jahren stammen würde, hätte ich es verstanden, aber aus 2008? So lange ist das noch nicht her.

Aus einer aktuellen Pressemitteilung des Verlags:

„Die Betreuung für Kinder unter drei Jahren wird inzwischen auf der Basis neuer gesetzlicher Vorgaben ausgeführt (TAG und KICK) und die Tagespflege formal in den Stand der Gleichrangigkeit mit Kindertagesstätten gesetzt. Zu dieser Professionalisierung leistet das in der 2. und aktualisierten Auflage neu herausgekommene DJI-Curriculum „Qualifizierung in der Kindertagespflege“einen wichtigen Beitrag und setzt Standards. Die gesetzlichen Neuerungen sind in der Überarbeitung ebenso berücksichtigt wie die neuesten Erkenntnisse zum Lernen in der frühen Kindheit.
Die Loseblattsammlung umfasst 600 Seiten und richtet sich an ReferentInnen, die Fortbildungsveranstaltungen für Tagesmütter anbieten […]“  DJI.de

Ich finde hier sollte das Deutsche-Jugend-Institut, von dem dieses Unterrichtsmaterial stammt, ganz dringend nachbessern.

5 thoughts on “Diskriminierung in der Ausbildung zum Tagesvater

  1. Hallo lieber Schreiber aus Neuss,

    klasse was du schreibst. Sehe deine Äußerung ganz ähnlich .Da gibt es noch einiges zu tuen. Werde mich vielleicht auch mit dem Thema Tagesvater beschäftigen. Freue mich drauf

    Viel Erfolg.

    A.

  2. Hallo und einen schönen guten Tag,

    Auch ich beschäftige mich mit der Frage Tagesvater zu werden und habe schon lange festgestellt das die Muttis nicht mehr gleichberechtig, sondern den Vätern weit überlegen sind. Das fing schon in der Elternzeit an das ich von den Vollzeitmuttis als Mann nicht für voll genommen wurde. “ Mama geht arbeiten und und dein Papa ist arbeitslos?“ War ich nicht! Es war meine Elternzeit ! Und auch ganz alltäglich Sachen wie die Tür aufgehalten zu bekommen. Das taten wirklich nur Männer. In dem ganzen Jahr hat mir und meinem im Kinderwagen sitzenden Sohn tatsächlich nie eine Frau die Türe aufgehalten :o)

    Liebe Grüße

  3. Hast Du das Deutsche-Jugend-Institut Deine Kritikpunkte wissen lassen? Fände das wichtig, dass es die AutorInnen erreicht, sonst ändert sich ja doch nix.

    vg und alles Gute aus der Rosa-Hellblau-Falle 🙂

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